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Alkoholfreies Restaurant: So lief der erste Öffnungstag

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Von: Michael Koll

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Nur alkoholfreies Bier kommt aus dem Zapfhahn: Hinter dem Tresen packten Manfred Stells Tochter Kristin und Frau Dörte (r.) mit an.
Nur alkoholfreies Bier kommt aus dem Zapfhahn: Hinter dem Tresen packten Manfred Stells Tochter Kristin und Frau Dörte (r.) mit an. © Michael Koll

Manfred Stell wirkt wie die Ruhe selbst, was erstaunlich ist. Denn er springt förmlich im Minutentakt von einem Punkt seiner To-Do-Liste zum nächsten. Heute feiert der Mann, der seit 40 Jahren in der heimischen Gastronomie selbstständig ist, mit Stells Landgasthof auf Rentrop die Eröffnung seines neuesten Projektes: das, wie er sagt, bundesweit erste alkoholfreie Restaurant.

Werdohl – Gerade erkundigt er sich an einem Tisch, ob seine Gäste noch einen Wunsch haben, plaudert einen Moment mit ihnen, als habe er sonst nichts zu tun. Dann huscht er schon zu seiner Frau Dörte, um der streikenden Technik der Kasse wieder auf die Sprünge zu helfen. Kurz schaut der Gaststätten-Inhaber in der Küche vorbei und zaubert eigenhändig noch ein paar Salatteller.

Im nächsten Augenblick steht er bei Tochter Kristin und erläutert ihr die Funktionsweise des riesigen Kaffee-Vollautomaten. Nach dem Essen wünschen ein paar Gäste einen Espresso, den sie sogleich auch erhalten.

Kristin zapft derweil das nächste Bier – selbstverständlich alkoholfrei. „Ich bin zwar passionierte Biertrinkerin“, gesteht die junge Frau, „doch das Zapfen musste ich heute Abend wirklich erst einmal lernen.“

Sie wie auch ihre Mutter Dörte unterstützen Wirt Manfred Stell an diesem Abend, weil nach zweieinhalb Jahren Covid19-Pandemie das Restaurant-Personal rar gesät ist. Kristin wie auch Dörte Stell haben ganz andere Berufe und an diesem Tag bereits ihre acht Stunden Arbeit hinter sich.

Der 68-jährige Manfred Stell erzählt jetzt von einem Fernsehabend im heimischen Wohnzimmer. Mit seiner Gattin sieht er Sternekoch Frank Rosin im Culo del Mondo. So hieß der Landgasthof auf Rentrop vor vier Jahren noch. Und als der heimische Gastronom den berühmten Kollegen sagen hört: „Hier, soweit außerhalb, lohnt es sich ja gar nicht, für die Gäste Alkohol anzubieten. Die müssen ja alle noch fahren“, keimt in Stell eine Idee auf.

Selbst hatte er vier Jahre zuvor aufgehört, Alkohol zu trinken. Und so fragte er sich nun, ob es nicht auch ein attraktives Alleinstellungsmerkmal sei, in einem Lokal zwar Wein, Sekt und Bier auszuschenken – aber eben ohne Promille. Als später das Culo del Mondo geschlossen wird, erinnert er sich an diesen Fernsehabend.

Und jetzt hat er dieses Konzept umgesetzt. „Ich bin der Erste in der Republik, der sowas macht“, sagt er stolz. „Das Konzept wird angenommen. Viele buchen einen Tisch hier, gerade weil wir diesen Ansatz verfolgen“, schildert er die Telefonate bei den Reservierungen, die bereits bis ins nächste Jahr hinein reichen.

Wirt Manfred Stell behielt zur Eröffnung die Ruhe, obwohl es viel zu tun gab. Einige Gäste bestellten nach dem Essen einen Espresso aus dem neuen Vollautomaten.
Wirt Manfred Stell behielt zur Eröffnung die Ruhe, obwohl es viel zu tun gab. Einige Gäste bestellten nach dem Essen einen Espresso aus dem neuen Vollautomaten. © Michael Koll

„Aber im Internet – etwa auf unserer Facebook-Seite – gibt es auch Gegenwind. Manche sprechen von einem ,steilen Konzept’, anderen meinen, Alkohol müsse es unbedingt zum Essen geben.“

Doch das alles ficht Stell nicht an. Seine Gäste geben ihm recht an diesem Eröffnungsabend. Dazu gehören etwa auch Tanja und Axel Groll aus Lüdenscheid, die gerade gegessen haben und noch gemütlich am Tisch sitzen. „Das Ambiente hier im Gasthof ist sehr schön“, sagt Axel Groll, „eine sehr angenehme Mischung aus rustikaler Einrichtung und modernen Akzenten.“

Dann fügt der Lüdenscheider hinzu: „Das Essen war auch sehr gut: richtig gute bodenständige Küche.“ Vom Konzept des alkoholfreien Restaurants habe er vor seinem Besuch bereits gewusst: „Das ist mal ein anderer Ansatz, aber hier – so weit draußen – ist es auch genau der richtige Ort dafür.“ Groll trinkt zwar selbst gerne mal einen Wein oder ein Bier, wie er sagt. Doch in Bezug auf Stells Konzept befindet er: „Es ist jedenfalls eine schöne Idee.“

Mit durstigen Gästen kämpft Manfred Stell also nicht bei seinem neuesten Restaurant-Projekt – vielmehr mit einem miesen Internet-Empfang, wie er berichtet. Rentrop sei eben schon ziemlich weit außerhalb, das sei auch an der Online-Abdeckung nicht zu übersehen, klagt er. Dennoch habe er mitbekommen, dass sein Landgasthof in den sozialen Medien „bereits 500 Follower hat“.

Öffnungszeiten

Das Restaurant Stells Landgasthof auf Rentrop hat donnerstags bis sonntags, jeweils von 17 bis 22 Uhr, geöffnet. Die Küche schließt täglich um 21 Uhr. Da derzeit immer wieder Reservierungen aufgrund von Corona-Infektionen storniert werden, sind oft auch kurzfristig Tische frei. Auch Personal-Bewerbungen sind bei Stells Landgasthof möglich unter den Rufnummern 0 23 51 / 1 75 71 12 sowie 01 57 / 34 33 39 97.

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