Im „ActivEDrive“steckt viel Werdohler Ingenieurskunst

Bürgermeister Siegfried Griebsch (r.) war von der Arbeit der Werdohler Entwickler begeistert.

WERDOHL ▪ Hochtechnologie aus Werdohl präsentierte die Firma Atlas Fahrzeugtechnik (AFT) gestern an der Gewerbestraße. 20 Mitarbeiter des Unternehmens der Schaeffler-Gruppe sind an der Entwicklung eines Elektroauto-Prototypen, dem „ActivEDrive“, beteiligt. Für Versuchs- und Präsentierzwecke hat der Skoda Octavia sogar schon eine Straßenzulassung.

„Welche Lautstärke hat denn das Elektroauto“, war eine Frage, die bei der Präsentation gestellt wurde. „Der Wagen ist schon längst an“, antwortete AFT-Projektleiter Marco Rohe. Zu hören war allerdings nichts. Erst beim Öffnen der Motorhaube machte sich ein leiser Pfeifton bemerkbar. Auch bei einer Probefahrt ist es sehr leise im Wagen. Nur die Reifen erzeugen Abrollgeräusche.

Der 1,9 Tonnen schwere Kombi hat eine Reichweite von 60 Kilometern, wenn er zuvor für zwei Stunden aufgeladen wurde. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt abgeregelt 150 Stundenkilometer. Mehr Reichweite ist technisch möglich, doch das Unternehmen hat den Prototypen zunächst nur für Testzwecke entwickelt und um ihren Kunden ein komplettes System mit den von ihr gebauten Komponenten zu präsentieren.

Das Projekt „Elektroauto“ wurde in verschiedenen Unternehmen der Schaeffler-Gruppe seit 2009 realisiert. Die Werdohler Mechatroniker und Diplom-Ingenieure hatten daran einen maßgeblichen Anteil. Sie sorgten für die Integration der einzelnen Komponenten wie Batterien, Umrichter und der Motoren in die Plattform des Skoda Octavia. Auch die Software zur Motorsteuerung entwickelten sie.

Beim Blick unter die Motorhaube glaubt der Betrachter einen großen Motorblock zu sehen. Dies ist aber nicht der Fall. Die beiden Elektromotoren sind in die Achsen des Autos integriert. Die Batterien befinden sich im Kardantunnel, da eine Kardanwelle nicht mehr notwendig ist, um die Hinterachse anzutreiben. Zudem wurde der Platz des Tanks genutzt. „Damit befinden sich die Batterien in den sichersten Bereichen und sind zudem noch platzsparend angeordnet“, erklärte Marco Rohe. Dies bestätigte sich bei der Besichtigung des Wagens. Der Kombi hat ein normal großes Kofferraumvolumen.

Dass der ehemalige Motorraum trotzdem prall mit Technik gefüllt ist, liegt an weiteren Komponenten, die in kleineren Ausführungen möglich, aber noch nicht auf dem Markt sind.

Daneben besitzt der Wagen einige technische Weiterentwicklungen. Darunter das elektromechanische „Torque Vectoring“. Dank dieses Systems können alle Räder einzeln auf den jeweiligen Untergrund reagieren. „ESP reagiert zum Beispiel erst, wenn es schon fast zu spät ist. Torque Vectoring sorgt hier für einen weicheren Eingriff, der für den Fahrer nicht mehr spürbar ist“, erklärte Rohe.

Von dem Elektroauto überzeugten sich gestern auch Bürgermeister Siegfried Griebsch sowie Burkhard von Reis und Edgar Heisler aus dem Dezernat Energieförderprogramme der Bezirksregierung Arnsberg. Dass sich die Mobilität in der Zukunft gewaltig verändern wird, war auch ihre einhellige Meinung.

Von David Schröder

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