Christian Crone baut alte Kartoffelsorten an

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Christian Crone und seine Knollen: Der Landwirt vom Dösseln baut seit einiger Zeit auch ganz besondere Kartoffelsorten an, die in der industrialisierten Landwirtschaft keinen Platz mehr finden.

Werdohl - Roter Kardinal, Blaue Sankt Galler und Königspurpur – das klingt nach den Namen exotischer Schmetterlinge, die in fernen Ländern beheimatet sind. Stimmt aber nicht: Diese alten oder besonders erlesenen Kartoffelsorten wachsen auf einem sauerländischen Acker, genauer: auf einem der Äcker, die zum Hof Crone gehören.

Durch Zufall sei er auf die Idee gekommen, Kartoffelsorten anzubauen, für die in der zunehmend industrialisierten Landwirtschaft kein Platz ist, erzählt Landwirt Christian Crone: „Ich habe das Engagement des niedersächsischen Landwirts Karsten Ellenberg bewundert, der sich massiv für den Erhalt der Kartoffelsorte Linda eingesetzt hat.“

Ellenberg habe sich viele Gedanken um die Artenvielfalt gemacht. Crone bezeichnet ihn als eine Art Pionier in Sachen alte Kartoffelsorten, der sich ganz bewusst dazu entschieden habe, gegen den Strom zu schwimmen. Denn die moderne Züchtung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten auf bestimmte Zuchtziele konzentriert, die für den globalen Markt wichtig sind: Die Durchschnitts-Knolle muss möglichst ertragreich, widerstands- und lagerfähig sein.

Iris Crone verkauft im Hofladen verschiedene Kartoffelsorten, die natürlich auch unterschiedlich schmecken.

„Alte Kartoffelsorten können da oft nicht mithalten“, sagt Crone. Allerdings weiß er auch: „Geschmacklich sind sie schon etwas ganz Besonderes.“ Gourmets unterscheiden die Raritäten unter anderem nach nussigem, buttrigen, süßem, würzigem oder auch speckigem Geschmack. Auch aus diesem Grund ließ sich der Werdohler vor circa fünf Jahren gerne von der Idee anstecken, beinahe vergessene Erdäpfel anzubauen. „Inzwischen sind es mehr als 50 Sorten“, erzählt der Landwirt.

Der Aufwand, den Christian Crone für die besonderen Knollen betreibt, ist deutlich größer als für die, die er auf mehreren Hektar Ackerland kultiviert. „Da es pro Sorte immer nur kleine Mengen sind, müssen wir von Hand pflanzen“, berichtet er, und erzählt augenzwinkernd: „Zum Glück haben auch die Kinder Spaß daran und helfen mit.“ Ganz wichtig, wenn der mehlig kochende Ackersegen und andere Sorten im Sauerländer Boden verschwinden: „Wir müssen akribisch dokumentieren, an welcher Stelle welche Sorte wachsen soll. Manche ähneln sich so stark, dass man sie später sonst nicht mehr auseinanderhalten kann,“ erklärt Crone.

Auch das Auflesen der gerodeten Erdäpfel, das Stoppeln, erfolgt ab Mitte September von Hand. Zum einen sei auch das notwendig, um die jeweiligen Sorten trennen zu können, zum anderen seien einige Kartoffeln besonders empfindlich. „Wir wollen deren Qualität auf jeden Fall erhalten“, unterstreicht der Landwirt. Allerdings schlägt sich dieser Aufwand – wie auch die höheren Kosten für die jeweiligen Saatkartoffeln – im Preis nieder, den die Kunden in Crones Hofladen zahlen: „Der Kilopreis liegt bei circa 3 Euro.“ Dennoch werde das Angebot so gut angenommen, dass zumindest der Vorrat an Königspurpur und Blauer Sankt Galler „bis Februar oder März ausreichen sollte“.

Gelagert würden die Knollen bei 4 Grad Celsius im hofeigenen Kühlraum. „Dann müssen sie auch nicht behandelt werden“, schildert der Landwirt die Vorteile diese Vorgehensweise. Übrigens stechen einige der Kartoffelraritäten durch ihre ungewöhnlichen Formen hervor, während andere – wie schon deren Namen erahnen lassen – farblich echte Hingucker sind; beispielsweise die Violette oder die Rote Emmalie.

Auch das, so sagt Christian Crone, gehört zum besonderen Knollengenuss: „Wenn blaue, rote und gelbe Kartoffelhälften auf dem Backblech aus dem Ofen kommen, gewürzt mit Salz und ein bisschen Rosmarin, ist das wirklich ein Genuss für alle Sinne.“

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