Abwasserproblem: In Ütterlingsen stinkt es nach faulen Eiern

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Betriebsgruppenleiterin Nicole Stenzel und Mitarbeiter Jonas Schäfer schauen auf die archimedische Schraube, die das Abwasser aus Dresel in die Kläranlage Ütterlingsen hebt. Von hier aus verbreitet sich der Geruch in die oberhalb gelegene Siedlung.

Werdohl - Schon seit dem Frühsommer stinkt es im Stadtteil Ütterlingsen. Die Anwohner vor allem vom Ruppenhahn vermuten, dass der Geruch nach faulen Eiern aus der Kläranlage des Ruhrverbands stammt.

Dort entsteht der üble Gestank tatsächlich, verantwortlich für die Geruchsbelastung ist aber die Stadt Werdohl. Ruhrverband und Stadt sind schon seit Monaten mit dem Problem beschäftigt, haben es aber noch nicht in den Griff bekommen. Mittlerweile beschweren sich die Anwohner auch öffentlich. 

Die eigentliche Ursache des Geruchs liegt lenneabwärts in Dresel. Dort betreibt die Stadt Werdohl, genauer gesagt das Sondervermögen Abwasser, ein Pumpenbauwerk. In Dresel werden die Abwässer getrennt. Regenwasser fließt in die Lenne, Abwasser aus den Betrieben und Häusern wird mit einer Pumpe durch eine lange Leitung bis nach Ütterlingsen in die Kläranlage gepumpt. Da in Dresel vergleichsweise wenig Abwasser entsteht, schaltet sich die Pumpenanlage automatisch nur bei Bedarf ein. Eine Verdünnung durch Regenwasser gibt es wegen des Trennsystems nicht. 

Abwasser aus Dresel steht einen Tag im Rohr

 Der Weg des Abwassers nach Ütterlingsen ist lang, sodass Fäkalien auch schon mal einen Tag lang im Rohr stehen. Die Rohrleitung führt von Dresel nach Husberg und von da über Lengelsen nach Ütterlingsen. Dort kommt die Rohrleitung unter dem Niveau der Kläranlage an und muss mit einer offenen Förderspirale einige Meter angehoben worden. 

Dabei reißt die Wasseroberfläche auf und kommt mit Sauerstoff in Berührung. So bildet sich Schwefelwasserstoff, der aus dem Wasser ausgast: Es stinkt deutlich nach faulen Eiern. Durch das komplett geschlossene System entsteht der Geruch der Abwässer aus Dresel, Husberg und Lengelsen erst in Ütterlingsen. 

Pumpenbauwerk und Regenrückhaltebecken Dresel der Stadt Werdohl liegen auf dem Gelände von Superior Industries, vormals Uniwheels. Hier ist die Dosieranlage eingebaut, die Geruch verhindern soll.

Harro Feckler, der beim Ruhrverband in Plettenberg für die Leitung aller Anlagen im südlichen Sauerland zuständig ist, hat volles Verständnis für die Anlieger. Feckler: „Die Beschwerden der Bürger sind berechtigt.“ Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte er: „Da darf es nicht so stark riechen. Ich mache das jetzt zur Chefsache.“ Das sieht auch die Ingenieurin Nicole Stenzel so, die als Betriebsgruppenleiterin ebenfalls mit dem Ärger der Ütterlingser konfrontiert wurde. 

„Werden der Stadt Fachwissen anbieten“ 

Feckler betont: „Auch wenn wir nicht ursächlich für das Problem zuständig sind, nehmen wir das sehr ernst. Wir werden der Stadt unser Fachwissen zur Verfügung stellen.“ 

Martin Hempel vom Sondervermögen Abwasser sagte auf Nachfrage, dass die Stadt schon seit Monaten im Thema sei. Man stehe in Kontakt mit den Anliegern vom Ruppenhahn und nehme deren Beschwerden ernst. Wegen des trockenen Sommers sei die Geruchsbelästigung durch Abwasser allgemein höher als in früheren Jahren gewesen. 

Dosieranlage gegen Schwefel-Ausgasung 

Aus diesem Grund seien in Ütterlingsen bereits die Kanäle gespült worden. Um das Problem mit der Leitung aus Dresel in den Griff zu bekommen, würden dort durch eine neu gebaute Dosieranlage entsprechende Zusatzstoffe ins Abwasser gegeben. Dieses Präparat soll ein Ausgasen von Schwefel verhindern. Leider funktioniere die Dosierung nicht richtig. Feckler bietet der Stadt Hilfe an: „Wir werden gemeinsam eine Lösung finden, so kann es nicht mehr weiter gehen.“ Der Geruch belaste schließlich auch die Mitarbeiter der Kläranlage Ütterlingsen.

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