Abwasserkanäle: Werdohl und Plettenberg arbeiten zusammen

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Andreas Sanders, Kanalinspekteur der Stadt Plettenberg, sitzt vor den Bildschirmen im Regie-Raum. Von dort aus wird die Kamera gesteuert, die durch die Kanäle fährt.

WERDOHL - Andreas Sanders sitzt vor den Bildschirmen im Regie-Raum des Kanalfahrzeugs, tippt auf die Computertastatur – und betrachtet die Vergrößerung eines Details des Kanals, der unter der Schilbergstraße verläuft. „Von diesem Arbeitsplatz aus kann man die Kamera steuern“, erklärt der Kanalinspekteur der Stadt Plettenberg. Seit Montag sind zwei Fahrzeuge und Teams der Stadt Plettenberg in Werdohl im Einsatz.

Martin Hempel, Leiter der Werdohler Tiefbauabteilung, freut sich über den Beginn dieser interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich der Abwasserentsorgung. „Die Gespräche haben im vergangenen Jahr begonnen, Computersysteme wurden abgeglichen,“ sagt Hempel.

Die Stadt Plettenberg sei technisch und personell in der Lage auch schwierigere Kanaluntersuchungen durchzuführen. Während die Werdohler nur über eine Kamera verfügen, die per Hand durch die unterirdischen Gänge geschoben werden muss, können die Plettenberger Kanalinspekteure auf ein hochmodernes Video-Kamerasystem mit Eigenantrieb zurückgreifen. Der Einsatzwagen aus der Nachbarstadt verfügt über eine Lindauer Schere – eine Kamera mit Ortungssystem und verschiedenen Möglichkeiten des Vortriebs, mit der bei Bedarf auch Grundstücks- und Hausanschlussinspektion untersucht werden können.

„Die Ausstattung kostet rund eine halbe Million Euro,“ berichtet Hempel. Natürlich könne die Stadt auch Fremdunternehmen mit Untersuchungen beauftragen. „Aber dann würden immer andere Leute in Werdohl arbeiten und das Wissen um das Kanalnetz der Stadt ginge zum Teil verloren,“ stellt Hempel fest. Außerdem sei die Basis der Zusammenarbeit zwischen städtischen Mitarbeitern besonders gut: „Wenn etwas ist, können wir kurz anrufen und bitten: ,Kommt doch noch mal eben rüber.’“

Die Stadt Plettenberg profitiere ebenfalls von der Zusammenarbeit: Die moderne Technik müsse regelmäßig zum Einsatz kommen, damit sich die Anschaffung rechne, betont Kanalinspekteur Hubertus Klöwer. Neben dem „Kamerateam“ ist ein Plettenberger Team mit einem Spülwagen im Einsatz, um die Kanäle vor der Untersuchung zu reinigen.

Das ist augenscheinlich Am Riesei dringend erforderlich: Reißfeste Zellstofftücher – wie feuchtes Toilettenpapier oder Feuchttücher – haben sich auf dem Grund des Kanalschachtes gesammelt und können zu Verstopfungen führen. „Dieses Problem haben wir ganz massiv unterhalb der Stadtklinik,“ berichtet Thomas Schmidt. Der Mitarbeiter der Tiefbauabteilung nutzt die Gelegenheit, um an alle Werdohler zu appellieren: „Bitte werfen Sie solche Tücher in die Restmülltonne und nicht in die Toilette.“

Mit Hilfe einer Rotationsdüse reinigen die Plettenberger die Kanäle vor der Untersuchung – mit 320 Litern Wasser pro Minute. 160 Bar ermöglichen, dass auch die Schmierschicht an den Wänden, die so genannte Silhaut, entfernt wird. „Dann können wir Risse oder Schäden besser erkennen,“ sagt Klöwer. Die mit der Kamera ermittelten Daten werden bei der Stadt Werdohl gesammelt.

Es sind viele Daten: „Nach der Selbstüberwachungsverordnung Abwasser sind wir verpflichtet, das gesamte Kanalnetz alle 15 Jahre zu untersuchen, mindestens aber fünf Prozent pro Jahr,“ erläutert Hempel und rechnet aus: „Das wären in Werdohl neun Kilometer.“ Da aber eine neue Generalentwässerungssatzung erstellt werden solle, reiche das den Verantwortlichen in Werdohl nicht aus. - Carla Witt

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