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„Abstimmungsprobleme“: Einbahnstraße für nur vier Tage

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Von: Volker Heyn, Jona Wiechowski

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Vom Brauck ging es von Donnerstag bis Montagmorgen nicht in die Hammerstraße hinein. Denn die Stadt machte diese zu einer Einbahnstraße. Inzwischen hat sie die Schilder wieder entfernt und will die Sache noch mal genauer prüfen – mit Feedback dieser Anwohner.
Vom Brauck ging es von Donnerstag bis Montagmorgen nicht in die Hammerstraße hinein. Denn die Stadt machte diese zu einer Einbahnstraße. Inzwischen hat sie die Schilder wieder entfernt und will die Sache noch mal genauer prüfen – mit Feedback dieser Anwohner. © Wiechowski, Jona

Die Anwohner der Hammerstraße wollen nicht, dass die Hammerstraße zur Einbahnstraße wird. Genau das hatte die Stadt am Donnerstag vergangener Woche veranlasst, nach Beschwerden aber zügig wieder rückgängig gemacht. Die ganze Geschichte.

Werdohl – In der vergangenen Woche hatte die Stadt Werdohl verkündet, die Hammerstraße werde ab der Hausnummer 2 und bis zum Kreuzungsbereich Brauck als Einbahnstraße ausgewiesen. Seit Anfang des Jahres 2021 sei in dem Bereich der Hammerstraße das sogenannte „Verfahren zur Überprüfung der Einbahnstraßenregelung“ gelaufen. „Hierbei wurden unter anderem der Begegnungsverkehr und der Ausfahrtsverkehr aus den Straßen ‘Steiler Weg’ und ‘Hammerstraße’ beobachtet“, schilderte die Behörde. Auch unter Berücksichtigung der geringen Anzahl der Parkmöglichkeiten sei anstelle zusätzlicher Sperrflächen schließlich die Einbahnstraßenregelung in Erwägung gezogen worden.

Bauhofmitarbeiter brachten die entsprechenden Schilder am Donnerstag an – und die stießen bei den Bewohnern alles andere als auf Begeisterung. Unmittelbar von der Entscheidung betroffen gewesen waren die Anwohner Udo und Angelika Michel, die im Eckhaus an der Straße im Brauck wohnen. Ihre Garage liegt um die Ecke an der Hammerstraße, die durch die Einbahnstraßen-Regelung vom Brauck kommend aber eben nicht (mehr) angesteuert werden konnte, nachdem beispielsweise Einkäufe ins Haus gebracht wurden. Die Folge: Gut 850 Meter Umweg mit zwei Ampeln und zwei Vorfahrt-Regelungen. Wenn das jeder Anwohner auch nur einmal am Tag mache, kämen da tausende unnötige Kilometer im Jahr zusammen, rechnete Michel vor. Angelika Michel hatte sich am Montagmorgen an Bürgermeister Andreas Späinghaus gewandt, der sofort für die Entfernung der Schilder sorgte. „Ich finde es klasse, dass so schnell gehandelt wurde“, lobt Udo Michel die Stadtverwaltung.

Ein Anblick, mit dem die Anwohner nicht zufrieden waren: Einige Tage waren an der Hammerstraße mehrere Einbahnstraßen-Schilder aufgestellt.
Ein Anblick, mit dem die Anwohner nicht zufrieden waren: Einige Tage waren an der Hammerstraße mehrere Einbahnstraßen-Schilder aufgestellt. © Wiechowski, Jona

Verstehen, warum es überhaupt zu der Entscheidung gekommen ist, können sie allerdings nicht. Auch die Nachbarn Jürgen Gosse, Rainer Schmidt, Dirk Michel, Carlos Guinea und Marion Amiridis machen im Gespräch – gut eine Stunde nachdem die Schilder am Montag entfernt wurden – klar, dass sie den Sinn nicht so recht erkennen können. Und überhaupt: Sie hätten sich gewünscht, dass vorher mit ihnen über das Vorhaben gesprochen worden wäre – so, wie es jetzt im Nachgang auch passieren soll.

Bürgermeister Andreas Späinghaus entschuldigte sich Montagmittag bei den Anliegern, die Verwaltung habe vorschnell und übereilt gehandelt. Zwar müsse man über eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Hammerstraße nachdenken – Späinghaus wohnt selbst dort – die Schilder aber seien irrtümlich und auch wenig sinnvoll aufgestellt worden.

Späinghaus teilte der Redaktion von sich aus mit, dass die Anordnung zur Einrichtung einer Einbahnstraße bei einer Aktendurchsicht als unerledigt aufgefallen sei und umgesetzt wurde. Die Anordnung stamme noch aus Januar 2021. Er stimme den Anwohnern zu, dass die Maßnahme so nicht sinnvoll sei, deshalb sei sie auch wieder zurückgenommen worden. Späinghaus: „Wir sammeln alles wieder ein.“ Dennoch werde im Haus an einer Lösung gearbeitet werden müssen, die aber auf jeden Fall mit allen betroffenen Anliegern vorher kommuniziert werde.

Anwohner gegen Einbahnstraße

Fest steht auf jeden Fall: Von einer Einbahnstraßen-Regelung halten die Anwohner nicht viel, wie sie im Gespräch betonen – Einwände haben sie dafür gleich mehrere. Könnten beispielsweise Eltern, die ihre Kinder in die dortige Grundschule Kleinhammer bringen, nicht mehr vom Brauck in die Hammerstraße einbiegen, sondern weiter fahren, bis sie in den Solmbecker Weg einbiegen können, würde sich dadurch das Verkehrsaufkommen erhöhen. Gerade jetzt, wo die Erstklässler die Schule besuchen, sei das keine gute Lösung, findet Marion Amiridis. Auch ihr Mann Konstantin hatte sich mit einer Mail an das Ordnungsamt gewendet. Ein anderer Anwohner der Hammerstraße könne nur in eine Richtung aus seiner Einfahrt fahren, müsse im Falle der Einbahnstraßen-Regelung umständlich wenden, um richtig herum aus der Hammerstraße fahren zu können.

Geht es nach den Nachbarn, soll es so bleiben, wie es jetzt ist. Und wenn doch etwas getan werden müsse, könne etwa darüber nachgedacht werden, vor der Straße „Steiler Weg“ Parkplätze wegzunehmen, damit hier sicherer herausgefahren werden könne.

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