Lokalschau der Kaninchenzüchter auf der Kippe

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Bei der Versammlung der Züchter gab es eine Abstimmung.

Werdohl - Ein Unbekannter, der einen Schlüssel zur Jahnturnhalle haben muss, hat dort sämtliche Armaturen sowie Wasser- und Gasleitungsrohre gestohlen. „Wir können unsere Lokalschau dort also nicht durchführen“, teilte Martin Pache, Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins W 445 seinen Vereinsfreunden mit. „Ich habe die Faxen langsam dicke“, sagte er. Resignation stand dabei in seinem Gesicht.

Peter Grau von der Stadtverwaltung war als Gast zur Monatsversammlung am Dienstagmorgen in die Gaststätte Versevörder Hof gekommen. Er verkündete: „Sie können die Aula der Realschule für Ihre Schau verwenden. Von der Bürgermeisterin soll ich Ihnen ausrichten, ihr liege der Erhalt Ihres Vereins sehr am Herzen.“ Diese Lösung sei auch dauerhaft – vorausgesetzt, die Schule bleibe am Standort erhalten. Vereinsvorsitzender Pache zeigte sich erstaunt und atmete auf: „Das ist ja top. Die Lösung ist da.“

Danach griff er zu seinem Mobiltelefon und verlas den Vereinsmitgliedern eine Nachricht, die er von einem bisher Aktiven, der 18 Tiere bei der Lokalschau ausstellen wollte, erhalten hatte. Dieser teilte mit, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vereinsleben zurückziehe. Seine Tiere habe er auch verkauft. Pache gab zu bedenken: Immer weniger Tiere, die ausgestellt werden könnten, kämen zusammen mit immer weniger Helfern, die der Vereinsvorstand noch für die Durchführung der Lokalschau finde. „Ich habe mir die ganze Nacht einen Kopf gemacht, wen wir überhaupt noch haben?“, berichtete er sichtlich angefasst. Zudem seien die Helfer, die noch parat stünden, mehrheitlich gesundheitlich eingeschränkt. Schließlich müsse er nun – in nur drei Wochen – sämtliche Genehmigungen von der Jahnturnhalle auf die Realschule umschreiben lassen. Dafür sei die Zeit vielleicht schon zu kurz bemessen.

Am Ende wurde nach einer Rauchpause abgestimmt. Das Ergebnis fiel denkbar knapp aus: Sieben Anwesende stimmten für die Lokalschau vom 24. bis 26. November, sechs dagegen. Viele derjenigen, die dafür gestimmt hatten, befürchteten allerdings, dass es die letzte Schau des 96 Jahre alten Vereins sein könnte. Es gebe immer weniger Aktive im Verein. Und die würden auch immer älter. Vorsitzender Pache stellte ernüchtert fest: „Jeder denkt hier an sich und keiner an den Verein.“ Alle Anwesenden betonten jedoch ausdrücklich: Auch, wenn 2019 keine Lokalschau mehr stattfinden würde, denke niemand an die Auflösung des Traditions-Vereins.

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