Abschluss des Kopfschmerz-Experiments: Das Leben hat sich nach vier Wochen verändert

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SV-Probandin Filiz Aysanoglu hört die CD „Den Schmerz besiegen“ von Arnd Stein

Werdohl - Das Kopfschmerz-Experiment unserer Zeitung ist beendet. Vier Wochen haben die sechs Probandinnen den Versuch unternommen, mit der Methode der Tiefensuggestion vom Psychologen Dr. Arnd Stein ihre Kopfschmerzen zu bekämpfen. Schon nach einer Woche konnten beachtliche Erfolge verzeichnet werden. Wie sehr hat sich das Leben der Probandinnen nach vier Wochen verändert?

Jeden Tag Kopfschmerzen, starke Medikamente, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen und ein Leben, das den Schmerzen angepasst werden musste. Für drei der sechs Probandinnen ist nach dem SV-Experiment klar: Diese Zeit ist vorbei. Dr. Arnd Stein freut sich über die positiven Ergebnisse und möchte auch den anderen Teilnehmerinnen Mut machen.

Alle Probandinnen hatten bis vor vier Wochen eines gemeinsam: Sie investierten zu wenig Zeit in sich selbst und damit in ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Oft sind Kopfschmerzen nämlich nur ein Symptom, welches den Körper darauf aufmerksam machen soll, dass etwas nicht in Ordnung ist. Bei vielen Kopfschmerzpatienten ist Stress ein Faktor, der die Beschwerden verstärkt oder sogar hervorruft.

Achtsam mit sich selbst umgehen

„Der Begriff ,Achtsamkeit’ gewinnt in der psychologischen Beratung zunehmend an Bedeutung. Es gilt in der Hektik und Routine des Alltags innezuhalten, zwischendurch eine Auszeit zu nehmen, seinen körperlich-seelischen Zustand zu überprüfen und auf Stress-Symptome achten zu“, sagte Stein, der das Experiment begleitete.

Die größte Hürde für die meisten Probandinnen war es anfangs, täglich Zeit für sich freizuschlagen, um mit der CD entspannen und zur Ruhe kommen zu können. Genau an diesem Punkt sollte angesetzt werden. „Die Dinge nicht zu ernst und verbissen nehmen, gelassener werden, anstatt sich zu ärgern und zu klagen. Und einfach mal über ein Missgeschick lachen“, empfiehlt Stein.

Es sei zudem wichtig, mehr Struktur in den Alltag zu bringen: „Den kommenden Tag zeitlich durchplanen – mit Pufferzonen zum Durchatmen. Den Zettel als Leitfaden für den Tag an die Pinwand heften.“

Denn Dauerstress könne für Körper und Seele verheerend werden, sagte Stein mit Blick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magenschmerzen, Panikattacken und Depressionen.

Die Einstellung ist entscheidend

„Wie stressresistent jeder Mensch ist, hängt von der gesamten Persönlichkeit, der Lebensgeschichte und Genetik ab. Je stärker man sich durch Stress belastet fühlt, desto wichtiger sind tägliche Entspannung und Ablenkung, natürlich auch Bewegung und positiv erlebte Aktivitäten“, so Stein.

Dass die Methode der Tiefensuggestion bei einigen Probandinnen sehr gute Ergebnisse erzielte, liege mitunter daran, dass die Einstellung zum Programm positiv gewesen sei und sich die Probandinnen darauf eingelassen hätten. Auch die weitgehend konsequente Anwendung und der Ausschluss anderer körperlicher Ursachen zählten zur Grundvoraussetzung.

So geht es den Probandinnen heute

„Ein ganz wichtiger Faktor für die Wirksamkeit des Verfahrens ist zudem die Empfänglichkeit für Suggestionen, die sogenannte Suggestibilität, sowie die Trance-Fähigkeit der Probandinnen“, sagte Stein. Diese angeborenen Eigenschaften seien bei mindestens 50 Prozent der Bevölkerung durchschnittlich bis weit überdurchschnittlich ausgeprägt. „Auf einen kurzen Nenner gebracht: Je besser man sich sprichwörtlich fallenlassen kann, desto intensiver wirken Entspannungs- und Suggestionsverfahren“, erklärte Stein.

Bei der Probandin Filiz Aysanoglu zeige sich zudem ein mächtiger Gegenspieler von Entspannungsversuchen. Ihre Meinung, dass sich Kopfschmerzen nicht bessern werden, solange sich das hektische Leben nicht ändere, wirke wie eine negative Prophezeiung, die sich im Kopfschmerz immer wieder erfülle. „Kopfschmerzen scheinen für sie zu ein Übel geworden zu sein, das sie nicht akzeptieren kann, aber dennoch zwangsläufig meint ertragen zu müssen“, sagte Stein.

Dem Unterbewusstsein vertrauen

Auch bei Janis Rubin sieht Stein in ihrem stressigen Alltag das Problem. Dass sie die CD aufgrund dessen nicht regelmäßig hören konnte, zeige bei ihr genau auf, wo die Probleme im Alltag liegen. „Vielleicht leidet sie schon lange unter extremem Leistungs- und Erfolgsdruck“, erklärte Stein.

Stein gibt der jungen Frau deshalb den Tipp: „Wenn es Ihr Alltag wieder zulässt, versuchen Sie abzuschalten, sich zu entspannen und auf die schmerzlösenden Ressourcen Ihres Unbewussten zu vertrauen.“

Bei Sarah Heger bleiben auch beim Psychologen noch Fragen offen und er weist darauf hin, dass kompetente Beratung auf dem neuesten Stand der Wissenschaft unter anderem in der sogenannten Migräne-Sprechstunde der Uni Münster angeboten werden. Dort könne eventuell an einem Forschungsprojekt zur Wirkung neuer Therapieansätze bei Migräne teilgenommen werde.

Auswirkungen des Experiments

Das Experiment schlug hohe Wellen. Häufig wurden die SV-Probandinnen von Freunden oder auf der Straße angesprochen. So entstanden Kontakte und Gespräche mit Interessierten und ebenfalls Betroffenen. Sogar Allgemeinmediziner Dr. Thomas Greif aus Werdohl wollte Kontakt zum Diplom-Psychologen und Erfinder der Tiefensuggestion, um seinen Patienten die Methode vorzuschlagen. Freunde der Probandinnen bekamen die CD ausgeliehen oder bestellten sich selber ein Exemplar.

Das Experiment schlug hohe Wellen. Häufig wurden die SV-Probandinnen von Freunden oder auf der Straße angesprochen. So entstanden Kontakte und Gespräche mit Interessierten und ebenfalls Betroffenen. Sogar Allgemeinmediziner Dr. Thomas Greif aus Werdohl wollte Kontakt zum Diplom-Psychologen und Erfinder der Tiefensuggestion, um seinen Patienten die Methode vorzuschlagen. Freunde der Probandinnen bekamen die CD ausgeliehen oder bestellten sich selber ein Exemplar.

Für Stein wurden nach Abschluss des Experiments zwei Dinge besonders deutlich: Alternative Methoden sollten bei der Behandlung von Krankheiten immer in Erwägung gezogen werden, wenn Schmerzen chronisch sind oder sonst häufig zu starken Medikamenten gegriffen werden muss. Zudem sollte sich jeder ausreichend Zeit für die eigene Person nehmen. „Dazu Warnsignale des Körpers, wie Kopfschmerzen, immer ernst nehmen. Oft bewirken schon kleine Veränderungen im Alltag eine Verbesserung“, so Stein.

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