Letzter Gottesdienst auf der Königsburg

„Gehen in neuen Abschnitt“

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Pfarrer Dirk Grzegorek und Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt begrüßten die Gemeindeglieder am Sonntagmorgen zum abschließenden Gottesdienst in der Kreuzkirche auf der Königsburg.

Werdohl - Kein Gottesdienst wird mehr in der Kreuzkirche auf der Königsburg stattfinden. Aber viele Menschen werden das Gotteshaus weiter im Herzen tragen. Das wurde deutlich beim letzten Gottesdienst in der Kirche am Sonntagmorgen. Zum Abschied war die evangelische Gebetsstätte beinahe voll. Etliche Gemeindeglieder wollten dabei sein, auch solche, die sich eigentlich mehr mit der Christus- oder der Friedenskirche verbunden fühlen.

„Liebe Trauergemeinde“, begann Pastor Martin Kämper seine Predigt. Dann unterbrach er sich selbst und räumte ein, dass keine Beerdigung zu feiern sei, „aber ich fühle mich ein bisschen so“.

Zuvor hatte der Kreuzkirchen-Chor gesungen: „Unsere Heimat ist nicht hier“. Und Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt hatte gesagt: „Wir gehen in einen neuen Abschnitt. Dort können wir vieles gestalten.“

Kämper, der 1982 „als junger Pastor“ in die Kreuzkirche gekommen war, betonte: „Mir fallen so viele schöne Momente ein und Gottesdienste voller Musik“, die er in der Kreuzkirche erlebt habe. „Das sind Erinnerungen, die zum Glück nicht verblassen – Dinge, die ich nicht vergessen möchte.“

Seine drei Kinder und auch seine drei Enkel seien in diesem Gotteshaus getauft worden. „Es ist etwas ganz besonderes, wenn man das verlässt, was einem lieb und teuer ist. Roger Whittaker hat Recht, wenn er singt: Abschied ist ein scharfes Schwert.“

In Deutschland sie die Gruppe derjenigen, die keiner Religion angehörten, mit 30 Millionen längst die größte im Land. „In China allerdings bezeichnen sich mittlerweile 80 Millionen Menschen als lebendige Christen“, sah Kämper einen sprichwörtlichen Hoffnungsschimmer am Horizont.

Dann ließ Kämper jedoch ein ganz anderes Lied einspielen: „Rivers of Babylon“. Der Pastor erklärte: „Das ist ein Klagelied, auch wenn so leicht klingt bei Boney M.“ Damit machte er klar, es sei schließlich kein Tag für Trauer, denn „Gott ist nicht an diesen Tempel gebunden“.

Kämper rief auf: „Loslassen gehört zur Schule des Lebens. Nichts in dieser Welt können wir festhalten.“ Doch zum Schluss des Gottesdienstes am Sonntag trugen Kämper, Sensenschmidt und Pfarrer Dirk Grzegorek die Altarbibel aus der Kreuzkirche, auf das sie an anderer Stelle erhalten bleibe.

Im Anschluss nutzten einige Gemeindeglieder die Gelegenheit, sich im fast leeren Gotteshaus von ihrer Kirche zu verabschieden. Viele gingen in den Gemeindesaal, um dort noch einmal gemeinsam zu Mittag zu essen. Am frühen Nachmittag wurde vor dem Altar noch einmal das Abendmahl verteilt.

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