Abschied von Brüninghaus fällt den Männern schwer

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Eine starke Gemeinschaft: Doch jetzt hieß es Abschied nehmen. ▪

WERDOHL ▪ Zum Feiern war wirklich niemandem zu Mute, denn es war das vorerst letzte Treffen der ehemaligen ThyssenKrupp Bilstein Mitarbeiter. Über Jahre waren sie zu einer festen Gemeinschaft geworden. Haben gemeinsam gekämpft, gehofft – und am Ende verloren. Nun beginnt für alle ein neuer Lebensabschnitt, mit neuen Aufgaben, Herausforderungen und Wegbegleitern. Am Samstag kamen die Brüninghäuser noch einmal zusammen, zur Abschiedsparty im Gerätehaus der Werksfeuerwehr.

Traurige Gesichter, im Hintergrund eine Industriebrache: Es herrscht Abschiedsstimmung. Das ist zu spüren, und dazu liegen auch noch Hoffnungslosigkeit, Angst und Resignation in der Luft. „Hier gibt es eine Menge Menschen, die haben Jahrzehnte in dieser Firma gearbeitet. Ganze Generationen haben hier ihren Lebensunterhalt verdient“, erklärt Michael Daub vom Betriebsrat. „Mit der Firma schwindet nicht irgendein Unternehmen. Mit Brüninghaus ist fast jeder Werdohler im Laufe seines Lebens in irgendeiner Form in Berührung gekommen. Dieses Werk hat die Stadt geprägt“, ergänzt der Betriebsratsvorsitzende Udo Böhme.

Die Firma war etwas ganz Besonderes, über all die Jahre war das TKB-Werk für die Werdohler ihre Firma Brüninghaus gewesen. ThyssenKrupp sei nie richtig angekommen. Alle haben sich mit dem Abschied abgefunden, doch dieser Abend schmerzt offensichtlich noch einmal: „Der Zusammenhalt hier war etwas ganz Besonderes. Hier haben alle zusammen gearbeitet und nicht einfach nebeneinander, egal aus welcher Abteilung, egal welchen Alters und egal welcher Nationalität“, sagt Daub. Viele der 110 Mitarbeiter hätten in ihrem Berufsleben noch keine andere Firma von innen gesehen. Einige würden ihre erste Bewerbung schreiben. Problematisch für viele: „Der Altersdurchschnitt liegt bei 46 Jahren. Das ist sehr hoch. Einige werden in Altersteilzeit gehen, andere haben bereits eine neue Stelle, aber 28 Mitarbeiter sind derzeit noch ohne Perspektive“, so Daub. Auch wenn, wie Böhme betont, der Sozialplan viel abgefedert hat, fällt einigen der Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt sichltich schwer: „Ich bin 60 Jahre alt. Natürlich hätte ich gerne weiter eine berufliche Herausforderung, aber daraus wird wohl nichts werden“, erzählt Wolfgang Sulzer.

Udo Böhme appelliert, an das Positive zu denken: „Ich wünsche mir, dass sie die Erfahrungen, die sie hier gemacht haben, mitnehmen, versuchen das Beste aus ihrer individuellen Lage zu machen und all das Positive mitzunehmen in ihren neuen Betrieb.“

Nächstes Jahr wollen sich die TKB‘ler wiedertreffen, dann würde das Werk seinen 450. Geburtstag feiern. Böhme: „Wir sind mit der Firma so verbunden, dass wir das als Anlass nehmen werden.“

Lydia Machelett

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