Interview

Abitur in Corona-Zeiten: So bereiten sich die Schüler in Werdohl vor

Für Gian-Luca Modesto und Ann-Kathrin Düring wird es in der nächsten Woche ernst. Dann stehen für die beiden Schüler der Albert-Einstein-Gesamtschule ihre ersten Abiturprüfungen an.
+
Für Gian-Luca Modesto und Ann-Kathrin Düring wird es in der nächsten Woche ernst. Dann stehen für die beiden Schüler der Albert-Einstein-Gesamtschule ihre ersten Abiturprüfungen an.

Für Gian-Luca Modesto und Ann-Kathrin Düring beginnt in der kommenden Woche die heiße Phase. Die Schüler der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) in Werdohl legen ihre Abiturprüfungen ab.

In diesem Jahr läuft dabei coronabedingt vieles anders, als es für alle Beteiligten sonst üblich wäre. Obwohl die 19-Jährigen mitten in den letzten Prüfungsvorbereitungen stecken, haben sie sich Zeit für ein Gespräch mit der Redaktion genommen und berichten, mit welchem Gefühl sie ihrem Abitur entgegenblicken.

Nächste Woche geht Ihr in eure erste Abiturprüfung. Fühlt Ihr euch darauf gut vorbereitet?
Ann-Kathrin Düring: Ich weiß gar nicht, ob man sich auf eine Abiturprüfung gut vorbereitet fühlen kann. Es ist ja immer ein sehr breites Themenfeld, das man für vier Fächer lernen muss. Man hat immer das Gefühl, etwas vergessen zu haben. Ich denke, das ist auch unter normalen Bedingungen so. Gerade bei Fächern wie Biologie oder Geschichte, in denen der Lernstoff sehr umfangreich ist und man schnell Details vergessen kann.
Macht Ihr euch denn Sorgen, dass Themen im Homeschooling vielleicht nicht so gut erarbeitet wurden wie sonst in der Schule?
Düring: Nein, überhaupt nicht. Gerade in der zweiten Lockdown-Phase hat alles sehr, sehr gut geklappt. Wir hatten eigentlich jede Stunde Unterricht oder haben Aufgaben bekommen, die wir sonst in der Schule gemacht hätten. Die haben wir zu Hause bearbeitet und am Ende der Woche besprochen. In Deutsch zum Beispiel war das sogar effektiver. Da haben wir mehr geschafft, als normalerweise im Präsenzunterricht. Zu Hause konnte man sich zum Teil besser konzentrieren. Ich glaube, dass es gar nicht immer ein Verlust war, nicht ständig in der Schule gewesen zu sein.
Gian-Luca Modesto: Das stimmt. Außerdem würde ich sagen, dass sich bei 80 Prozent der Schüler die Note verbessert hat, weil Aufgaben häufiger abgegeben und von den Lehrern auch detaillierter begutachtet wurden. Gerade für die Leute, die sonst im Unterricht nicht viel sagen, ist das natürlich ein Vorteil. Ich bin so im Deutsch-Leistungskurs von einer 3 auf eine 2+ gerutscht.
Und außerhalb des Unterrichts? Wie gut konntet Ihr in der Freizeit lernen? Mit anderen Schülern durfte man sich ja kaum treffen.
Modesto: Ich kann alleine sowieso am besten lernen, deshalb hat mich das wenig beeinträchtigt. Zusammen mit anderen lerne ich eigentlich nur im Unterricht. Da hat man den Vorteil, dass man einfach und schnell Informationen austauschen kann.
Düring: Wenn es ums Lernen geht, bin ich Einzelkämpferin. Ich lerne höchstens mit anderen, indem ich ihnen etwas erkläre. Das läuft aber in der Regel über WhatsApp, wenn mich jemand am Vorabend einer Klausur spontan anschreibt. Und das geht natürlich auch jetzt ohne Probleme.

Die Schüler und ihre Abiturfächer

Am Freitag, 23. April, beginnen in Nordrhein-Westfalen die Prüfungen für das Zentralabitur. Für Ann-Kathrin Düring und Gian-Luca Modesto geht es aber erst in der kommenden Woche los. Die verschiedenen Fächer werden landesweit an festgelegten Tagen geprüft. Düring ist 19 Jahre alt, stammt aus Neuenrade und besucht die Albert-Einstein-Gesamtschule seit drei Jahren. Zuvor hatte sie in Balve ihre Realschullaufbahn abgeschlossen. Die Prüfungsfächer der Schülerin sind Deutsch und Geschichte als Leistungskurse sowie Biologie als drittes schriftliches Fach. Ihre mündliche Abiturprüfung legt Düring in Mathematik ab. Gian-Luca Modesto, ebenfalls 19 Jahre alt und seit 9 Jahren an der AEG, absolviert in den kommenden Wochen Abiturprüfungen in den Leistungskursen Deutsch und Erdkunde. Die dritte Klausur schreibt er in Spanisch. Für die mündliche Prüfung hat der Werdohler ebenfalls Mathematik gewählt.

Seid Ihr vor etwas bange, wenn Ihr an die Prüfungen denkt?
Düring: Nein, eigentlich gar nicht. Es sind ganz normale Prüfungen. Unsere Lehrer haben uns gut vorbereitet und ich bin sicher, dass sie uns auch gut durch die Prüfungen bringen werden.
Während der mehrstündigen Prüfung werdet Ihr Masken tragen müssen. Wie wird das sein?
Modesto: Wir haben unsere Vorabitur-Klausuren auch schon mit Masken geschrieben. Da hatte ich einen medizinischen Mundschutz auf. Man merkt das eigentlich gar nicht. Irgendwann ist man so auf die Aufgaben konzentriert, dass man nicht mehr daran denkt. Mit FFP-2-Maske würde ich aber keine Prüfung schreiben. Die würde mich schon mehr einschränken.
Düring: Durch den Schulalltag, in dem man die Masken teilweise acht Stunden lang trägt, hat man sich daran gewöhnt. Man bekommt auch keine Kopfschmerzen mehr, wie es anfangs war. Das ist eine Gewohnheitssache.
Trotz der Gesamtsituation wirkt Ihr beide sehr positiv eingestellt. Gibt es denn etwas, was fehlt oder anders hätte laufen sollen?
Modesto: Für die nächsten Jahrgänge wünsche ich mir, dass sie einen schöneren Abschluss machen können. Abiball, Mottowoche – das fehlt uns natürlich schon sehr. Die Mottowoche wollen wir auch gerne noch nachholen, wenn das möglich ist.
Düring: Die Abschlussfahrt – das wäre so geil geworden... Wir wollten nach Italien fahren und hätten dort Bungalows mit Selbstverpflegung gehabt für vier bis sechs Personen. Am Gardasee. Als Abschluss der Schulzeit wäre das der Jackpot gewesen.
Nun geht es wirklich in die finale Phase: Werdet Ihr die Schule nach den letzten Prüfungen vermissen?
Modesto: Ja. Zu wissen, dass man nach dem Abi nicht mehr Teil der Schulgemeinde ist, tut schon weh. Ich bin seit neun Jahren hier. Seit zwei Jahren bin auch aktiver Schülersprecher und habe mich gerne engagiert. Das hat Spaß gemacht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare