44 junge Frauen und Männer erhalten Abitur-Zeugnis an der Gesamtschule

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Umarmungen und Blumengrüße gab es vom Lehrerkollegium für jeden einzelnen AEG-Abgänger.

WERDOHL - Wehmut, Komik und Ergreifendes: Unterschiedliche Gefühle lagen eng beieinander bei der Abitur-Feier an der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) Freitagmorgen.

Von Michael Koll

Meike Hille, eine der Pädagogen, die den Jahrgang in den zurückliegenden drei Jahren durch die Oberstufe begleitet hatte, rang um ihre Fassung. Mit Tränen in der Stimme sagte sie zu ihren 44 nunmehr Ex-Schülern: „Die Frau Lehrerin wird Euch von Herzen vermissen.“

Standing Ovations bekam sie dafür von ihren Schützlingen. Die selbst hatten ebenfalls stehenden Applaus vom Publikum bekommen, als sie zu Beginn der Feier paarweise die Treppe vom Foyer aus herunter schritten.

Zuvor hatte Meike Hille aber nicht mit Kritik an den jungen Frauen und Männern gespart. So erinnerte sie an deren lasche Pflicht-Einstellung, indem sie ein Gespräch mit einem Schüler in Erinnerung brachte. „Warum kommst du jetzt erst?“, habe sie einen verspäteten Zögling gefragt. „Ich musste erst noch einparken“, hätte dieser aber lapidar nur geantwortet.

Selbstironie im Moment größter Wehmut bewies Schulleiter Heinz Rohe, als er den frischgebackenen Abiturienten eröffnete, sie seien der nunmehr 15. AEG-Abitur-Jahrgang „und für euren alten Schulleiter der letzte“.

Dann stellte Rohe fest, dass „leider mehr junge Frauen als Männer in diesem Jahr das Abitur bei uns gemacht haben“, immerhin aber hätten zwei Vertreter seines eigenen Geschlechts die besten Noten abgeliefert: Mats Beckmann und Justin Klandermann. Letzterer habe „die schwierige Mathematik-Klausur sogar mit einer Eins plus abgeschlossen“.

Weiter führte Rohe aus: „Nur Einzelne von euch haben Eltern, die Abitur gemacht haben. Gerade einmal sieben von euch hatten am Ende der Grundschule eine Empfehlung fürs Gymnasium. Und die Hälfte von euch hat einen Migrationshintergrund.“

All diese Schüler forderte er schließlich auf: „Macht das Papier, mehr ist das Abitur ja nicht, nun zu einem Wertpapier.“

Die Lacher auf seiner Seite hatte dann der stellvertretende Bürgermeister Dirk Middendorf, als er den Abiturienten riet: „Wenn sie eine beglaubigte Kopie von ihrem Zeugnis brauchen, gehen sie zu einem Pastor. Da gibt’s das umsonst, im Rathaus kostet es richtig Geld.“

Middendorf betonte: „Sie haben nicht nur von Ihren Lehrern, sondern auch voneinander gelernt.“ Weiter rief er die 44 jungen Leute dazu auf: „Ich weiß, dass sie kreativ sind. Zeigen Sie uns, was sie in mehr als 3000 Schulstunden vermittelt bekommen haben.“

Kim Backes, Sprecherin des Abiturjahrgangs, erklärte selbstkritisch: „Wir hatten eine durchgeknallte Art“, umso stolzer seien sie, es dennoch geschafft zu haben.

Für ihr besonderes soziales Engagement ausgezeichnet wurden folgende Schüler: Kim Backes, Corinna Kerwien, Annabelle Thöne, Vivian-Marie Rickert, Elena Slapnik sowie Jan Malte Bruder.

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