Abendkirche liefert Denkanstöße

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Theresa Werth trat als Fremdenführerin auf.

Werdohl - „Das nannte man früher eine Kirche“, sagte die Fremdenführerin, jede Silbe betonend. „Auf diesen langen Bänken hier saßen die Menschen Frei-wil-lig.“ Theresa Werth spielte die Denkmal-Erklärerin. „Ein Mann stand hier vorne und redete sehr lange. Er sprach von Gott – dem Vorgänger des heutigen Internets.“ Mit diesem Auftritt begann die jüngste Abendkirche in der Kreuzkirche. Die gut 80-minütige Veranstaltung stand unter dem Motto „Denk mal – Denkmal“.

Moderatorin Kirsten Schweizer-Werth verriet nach diesem provozierenden Auftakt, es gebe bereits Gotteshäuser, die tatsächlich in Billig-Modemärkte oder Kletterhallen umgewandelt worden seien. Und so stellte sie die Frage, ob Kirchen längst ihre Bedeutung oder gar ihre Daseinsberechtigung verloren hätten. Darüber sprach sie mit Alma de Hek, Christiane Breite, Maik Trautmann und Pfarrer Dirk Grzegorek.

Trautmann erklärte: „Wir brauchen heute keine Kirche mehr – die Gemeinschaft aber schon.“ Und Gzegorek gestand, dass er bis zu seiner Konfirmation erst einmal in einer Kirche gewesen sei – bei seiner eigenen Taufe. Seine Eltern seien nicht einmal zu Weihnachten in den Gottesdienst gegangen. Doch der Konfirmandenunterricht habe sein Leben verändert und geprägt. Und noch heute merke er: „In dieser Institution ist doch noch ganz viel Begeisterung zu spüren.“

De Hek sagte dann ganz klar, dass sie nicht an Gott glaube – sich in der Abendkirche aber sehr wohl fühle. Breite glaubte, in Kirchen müsse heute viel mehr gelacht werden.

Trautmann wiederum verriet, er würde gerne für einen Gottesdienst morgens aufstehen, der Raum gebe für Gespräche, Diskussion und Fragen. Grzegorek griff das auf, als er feststellte, „dass wir momentan oft Antworten auf Fragen geben, die die Menschen uns gar nicht stellen.“

In seiner anschließenden Predigt betonte der Geistliche: „Interessanterweise hat Jesus Christus nicht einmal von einer Kirche gesprochen.“ Jeder erwarte von einem Gottesdienst etwas anderes. Der eine wolle gerne zuhören, der andere lieber aktiv etwas machen. Grzegorek zeigte sich überzeugt davon, dass die Zukunft der Kirche „irgendwo in der Mitte davon“ liege.

Die Band Steady Different gestaltete die Andacht der Abendkirche musikalisch – unter anderem mit den Songs „Run to You“ von Bryan Adams und „Verdamp lang her“ von BAP. - Von Michael Koll

Die nächste Abendkirche findet am Sonntag, 14. September, ab 18 Uhr statt.

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