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Verhandlungen mit Abellio: „Es könnte ruckeln“

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Von: Volker Heyn

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Vermutlich in diesen Tagen wird sich entscheiden, ob Abellio die Ruhr-Sieg-Strecke auch in der Zukunft befahren wird oder ob alle NRW-Strecken neu vergeben werden.
Vermutlich in diesen Tagen wird sich entscheiden, ob Abellio die Ruhr-Sieg-Strecke auch in der Zukunft befahren wird oder ob alle NRW-Strecken neu vergeben werden. © Wiemer, Henrik

Das finanziell angeschlagene Bahnunternehmen Abellio scheint trotz eines neuerlichen Angebots vor dem Verlust seiner Aufträge durch die Verkehrsverbünde in NRW zu stehen. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) werden ihre Aufträge auf jeden Fall noch in diesem Jahr an Mitbewerber vergeben, wenn es diesen Wochen zu keiner Einigung kommt.

Lennetal - Bis Freitag, 12. November, hatte das Unternehmen Zeit, ein neues Angebot abzugeben. Das ist auch erfolgt (wir berichten), die Zustimmung der Verkehrsverbünde erscheint aber vielen dennoch unwahrscheinlich. Der Graben vor allem zwischen dem VRR und Abellio scheint zu groß.

Denn der eigentliche Streit zwischen Abellio und den Verkehrsverbünden scheint sich hauptsächlich auf die Strecken im Gebiet des VRR zu beschränken. In früheren Stellungnahmen hatten der VRS und der auch für den Märkischen Kreis zuständige NWL ein Entgegenkommen signalisiert. Der Sachwalter der insolventen Abellio-Gesellschaft hatte die offenbar profitablen Strecken im Sauerland – wie die komplette Ruhr-Sieg-Strecke – von den Überlegungen ausgenommen. Dort wolle man auch langfristig die Verkehrsverträge erfüllen, für die Ruhr-Sieg-Strecke bedeute das eine Weiterführung bis 2034.

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht Ronald Lünser, der Geschäftsführer des VRR. „Dumm nur“, so schreibt die Wirtschaftswoche, dass „Lünser bis 2018 ausgerechnet Chef der NRW-Aktivitäten von Abellio war“ und damit zumindest mitverantwortlich für den Vertrag gewesen sei, der dem Unternehmen jetzt auf die Füße falle.

Als wahrscheinlichste Lösung gilt, dass alle bislang von Abellio betriebenen Linien in NRW ab dem 1. Februar 2022 an andere Betreiber vergeben werden. Wie berichtet, haben alle drei Nahverkehrsverbünde Möglichkeiten geschaffen, die Linien schnell neu auszuschreiben. Laut Lünser gebe es bereits Interessenten. Ganz vorn steht die DB Regio.

Bis die vielen Linien in NRW an Mitbewerber vergeben sind, hat sich Abellio dazu verpflichtet, die Züge bis zum 1. Februar 2022 zuverlässig weiterzubetreiben.

Laut Rheinischer Post (RP) befürchten Experten, dass es bei der Übergabe der Linien von Abellio an die übernehmenden Betriebe im Februar 2022 zu Verspätungen und Zugausfällen kommen könnte. Diese Befürchtung teilt VRR-Vorstandssprecher Lünser nur in Teilen: Er halte eine Einstellung des Zugverkehrs für ausgeschlossen, aber es könne ruckeln.

Steigen werden die Preise durch die Übernahme der Abellio-Linien durch Konkurrenzbetriebe nicht. Im Falle einer Übernahme der Abellio-Strecken durch ein anderes Unternehmen behalten Tickets ihre Gültigkeit. Abellio versichert der Kundschaft, dass es aufgrund der aktuellen Lage kurzfristig zu keinen Zugausfällen kommen werde. „Diese Gefahr besteht aktuell nicht. Wir werden auch weiterhin auf allen 51 Linien in neun Bundesländern mit unseren 286 Zügen unterwegs sein.“

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