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Weinhold singt, flüstert, kreischt, dirigiert

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Von: Volker Heyn

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Rockröhre durch und durch: Jutta Weinhold bringt auch mit 74 Jahren die große Heavy-Metal-Show.
Rockröhre durch und durch: Jutta Weinhold bringt auch mit 74 Jahren die große Heavy-Metal-Show. © Koll

„Oh, ist das geil hier“, rief Jutta Weinhold. „Der Laden ist ja richtig voll“, sagte sie mit hörbarem Staunen in der Stimme. Die 74-jährige „Grand Dame des Heavy Metal“ hat wohl noch Entzugserscheinungen aus der konzertlosen Corona-Zeit.

Werdohl - Den Werdohler Rockfans ist sie schon lange keine Unbekannte mehr. Schon vielfach begleitete sie Go-Music-Mastermind Martin Engelien auf seinen Touren, die zumeist auch an der Freiheitstraße einen Stopp einlegen. Doch so energiegeladen, fröhlich und tatendurstig erlebte das heimische Publikum Weinhold wohl noch nie.

Zusammen mit dem Gitarristen Alex Beyrodt und dem Drummer Frank Alpers spielten Bassist Engelien und Weinhold einige Klassiker der Rockgeschichte. Erster Höhepunkt des Abends war eine Funken sprühende Version von Eric Burdons „Better get out of this place“ (zu Deutsch: Sieh zu, dass Du hier weg kommst). Der Krefelder Engelien betonte aber: „Mit ‘hier’ meinen wir aber ganz sicher nicht Werdohl.“

Viele der Songs, die an diesem Freitagabend auf dem Programm standen, stammten von Weinhold und ihren ehemaligen sowie aktuellen Bands. Mit „Zed Yago“ hatte sie in der Hochzeit des Heavy Metal, den 80er-Jahren, Erfolge gefeiert. Aus dem Repertoire dieser Combo bediente sich die Sängerin mit der Ballade „Revenge“ sowie dem Piraten-Schunkler „Black bone Song“.

Seit den 90er-Jahren ist Weinhold mit der Gruppe Velvet Viper unterwegs. Deren „It’s dangerous in the land of no hope“ brachte das Quartett in Werdohl zu Gehör. Weinhold sang, flüsterte, kreischte und dirigierte als wahre Zeremonienmeisterin das mitsingende Publikum.

Zwischen den Liedern gab die Rock-Chanteuse immer wieder ihrer Liebe zu dieser Musikrichtung Ausdruck: „Man sagt ja: Rock-‘n’-Roller sterben jung oder gar nicht“, erklärte sie beispielsweise. „Ersteres kann mir ja schon einmal nicht mehr passieren“, gab sie offen zu.

Später plauderte sie: „Diese Musik ist so viel mehr als Kommerz und Konsum. Sie kann Werte vermitteln.“ Sie gab ein Beispiel: „Die ‘Lady in black’ etwa erklärt uns, dass Krieg nie die Lösung war und es auch nie sein wird.“ Es folgte unter großem Jubel des Publikums eben dieser Klassiker von Uriah Heep.

Led Zeppelins „Rock ‘n’ roll“ kündigte Engelien mit den Worten an: „Es folgt ein Stück, dass geschrieben wurde, damit wir wissen, warum es sich lohnt, jeden Morgen früh um 15 Uhr aufzustehen.“

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