„Ich bin kaputt vom Stress“

70 bis 80 Pizzerien aufgebaut: Jetzt macht Eugenio Librandi Schluss

Eugenio Librandi ist 72 Jahre alt und will nicht mehr arbeiten. Seine Werdohler Pizzeria Roma am Brüninghaus-Platz will er nach 34 Jahren verkaufen und sich aus dem Geschäft mit Pizzerien und Ristorantes zurückziehen.
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Eugenio Librandi ist 72 Jahre alt und will nicht mehr arbeiten. Seine Werdohler Pizzeria Roma am Brüninghaus-Platz will er nach 34 Jahren verkaufen und sich aus dem Geschäft mit Pizzerien und Ristorantes zurückziehen.

Zum 3. Oktober schließt Eugenio Librandi seine Pizzeria Roma am Brüninghaus-Platz. Vor 34 Jahren kam der heute 72-Jährige wegen dieses Gastro-Objekts nach Werdohl.

Hier lernte er seine Ehefrau Sabina kennen, seitdem wohnt der in Cosenza in Kalabrien geborene Mann in Werdohl. Mit dem Verkauf der Pizzeria will er seine berufliche Laufbahn beenden: „Ich bin kaputt vom Stress. Ich will nur noch meine Ruhe haben.“

Librandi erzählt im besten Italiener-Deutsch einen Teil seiner Lebensgeschichte. Er sei weder ein Koch noch Pizzabäcker, sondern Gastro-Unternehmer. 70 oder 80 Pizzerien und eine kleinere Zahl italienischer Ristorantes habe er vorwiegend in Westfalen und Niedersachsen gebaut, wie er sagt. So sei er auch an das Objekt in Werdohl gekommen, der Stadt, in der er seit 34 Jahren lebt. Auf der Fahrt damals durch die Stadt auf der Suche nach Ladenlokalen für weitere Pizzerien stieß er auf die Freiheitstraße. Ein Mietvertrag war schnell gemacht, danach richtete er das Lokal ein und setzte einen Pizzabäcker hinein. Kurz danach kaufte Librandi das Lokal samt der Etage darüber. Viele Jahre später richtete er die Terrasse daneben ein.

Käufer für die Pizzeria gesucht

Zu Anfang Oktober schließt Familie Librandi nun die Pizzeria Roma und sucht einen Käufer. „Ich wollte schon viel früher Schluss machen“, erzählt er, „aber meine Frau wollte noch nicht.“ Sabina Librandi ist wesentlich jünger als ihr Mann und hat ein eigenes Einkommen. So erzählt es Ehemann Eugenio. Sabina kommt später hinzu, will aber kein Aufhebens um sich machen. Sie ist in Deutschland geboren und hat Wurzeln im apulischen Lecce. Definitiv sei nun der 3. Oktober der allerletzte Öffnungstag.

„Ich habe keine Lust mehr“, erzählt Eugenio Librandi in seinem „Büro“. Er sitzt in der Pizzeria im leeren Gastraum und zeigt auf einen Plastikschuber und einen Taschenrechner.

1966 zum ersten Mal nach Deutschland gekommen

Librandi wurde am 1. Januar 1949 geboren und wuchs in einer Stadt in der Nähe von Rom auf. 1966 sei er zum ersten Mal nach Deutschland gekommen, nur für drei Monate. Irgendwann kam er für längere Zeit in die Bundesrepublik, genauer gesagt nach Bocholt. „Dort hatte ich zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben einen Chef“, sagt Librandi. Kurze Zeit habe er in Bocholt bei einem Gastwirt als Kellner gearbeitet. Danach habe er seine eigene Existenz aufgebaut. Mal zusammen mit einem Kompagnon einer italienischen Firma, später dann als Einzelunternehmer habe er eine Pizzeria nach der anderen gebaut und eingerichtet. Für die Einrichtung von italienischen Restaurants habe er schon die Firma gebraucht, das Geschäft mit den Pizzerien habe er ganz alleine betrieben.

Zunächst von Bocholt aus habe er viele Objekte in Westfalen und auch in Niedersachsen aufgebaut. Später dann aus Werdohl habe er mehr als ein Dutzend Pizzerien im Märkischen Kreis an den Start gebracht. Er zählt auf: „Drei in Plettenberg, eine in Herscheid, drei in Schalksmühle, eine in Meinerzhagen, drei in Werdohl, eine in Neuenrade, eine in Küntrop.“ Insgesamt zwischen 70 und 80 Objekte, so genau weiß er es gar nicht mehr.

Mitarbeiter haben das Geschäft betrieben

In der Pizzeria Roma am Brüninghaus-Platz habe er immer Mitarbeiter gehabt, die das Geschäft betrieben hätten: „Es kamen immer Leute vorbei hier, vielleicht insgesamt 17 in den 34 Jahren, ich weiß es nicht genau. Das ist ja kein feines Lokal, zwei Italiener schaffen sehr viel in einer Pizzeria.“

Auch von eingerichteten Discotheken und Bistros spricht Librandi, aber das sei alles längst vorbei. „Viel zu laut und der Krach und der Stress.“ Aufregung brauche er nicht mehr, so der vierfache Vater und achtfache Großvater. Teile seiner Familie leben in Werdohl, einige in Bocholt.

Zuletzt nur noch Speisen zum Mitnehmen

Die Pizzeria Roma war seit der Corona-Pandemie nur noch für Speisen zum Mitnehmen oder auf Vorbestellung außer Haus geöffnet. Jetzt sei aber endgültig Schluss mit der Arbeit, so Librandi. In Werdohl will das Ehepaar wohnen bleiben, das Haus an der Rudolfstraße sei schließlich in italienischem Stil eingerichtet.

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