63-jährige singt im Party-Keller

Die Rock-‘n’-Roll-Süchtige begab sich immer wieder mitten ins Publikum, um mit den Fans gemeinsam zu singen.

WERDOHL ▪ „Akustik-Randale“ mit Jutta Weinhold war angesagt. Doch auf der Bühne stand kein Schlagzeug. Randale ohne fetten Beat? Weinhold erklärte: „Ich kann nur Randale machen – sonst nichts.“ Und dafür hatte sie am Freitagabend zwei Stunden Coversongs von Buddy Hollys „Not Fade Away“ bis „Waiting for the man“ von Velvet Underground mit ins Alt Werdohl gebracht. Von Michael Koll

Das war Weinholds zweiter von drei Auftritten in Pöngses Kultkneipe in diesem Jahr nach der Go Music im Februar. Im Oktober schaut sie wieder einmal mit Martin Engelien vorbei.

Die 63-Jährige zeigte dann auch gleich mit „Because the Night“ von Patti Smith und Bruce Springsteen, was in ihr steckt. Hatte sie zu Beginn des Jahres ihre Rockröhre noch im Zaum gehalten, kam sie nun vollends aus sich heraus. Jetzt spielte sie die Songs, die sie liebt. „Rock ‘n’ Roll braucht endlich wieder einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft“, forderte sie.

Leadgitarrist Norbert Neugebauer unterstützte sie bei diesem Vorhaben mit einigen Soli. Bassist Frank Fischer zauberte auf seinen vier Saiten, als wäre der Tieftöner das klassische Instrument einer geborenen Rampensau. Rhythmusgitarristin Shee-wa setzte feinste Akzente. Trotz akustischer Ausrichtung des Quartetts wurde es beileibe kein ruhiger Abend.

Allen voran die deutsche Janis Joplin rockte, was das Zeug hielt: Sie wand sich um den Mikrofonständer, besuchte gerne das Publikum, ließ die Fans mitsingen und sang selbst am Bühnenrand – ohne elektrische Verstärkung – immer noch kraftvoll und ausdrucksstark. Selbst mit einem bloßen Flüstern erzeugte sie bei den Zuhörern eine Gänsehaut. Plötzlich schien Pöngses Wohnzimmer viel kleiner. Die Atmosphäre wurde intimer – wie in einem schummrigen Party-Keller.

Seit 41 Jahren sei sie nun dem Rock ‘n’ Roll verfallen, erläuterte Weinhold. Und dann spielte sie „Immigrant Song“ von Led Zeppelin. Die Wände wackelten beinahe. Und die Sängerin kommentierte: „Nur laute Musik vertreibt die bösen Geister.“ Widersprechen mochte ihr keiner. Das Publikum war restlos begeistert. Am 24. September erscheint Weinhold neues Album mit eigenem Material „Read Between the Lines“, welches sie bei ihrer nächsten Stippvisite im Alt Werdohl präsentieren wird.

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