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400 Tonnen Stahl bewegt: Neue Lennebrücke ist an ihrem Platz

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Von: Volker Heyn

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Kay Räwel vom Kranunternehmen Dornseiff aus Burbach hält mit seinem 450-Tonnen-Kran die Behelfsbrücke für die Lennebrücke in Werdohl in der Schwebe. Um 11.25 Uhr legten Räwel und das Team von ThyssenKrupp die Stahlbrücke punktgenau auf den Widerlagern ab.
Kay Räwel vom Kranunternehmen Dornseiff aus Burbach hält mit seinem 450-Tonnen-Kran die Behelfsbrücke für die Lennebrücke in Werdohl in der Schwebe. Um 11.25 Uhr legten Räwel und das Team von ThyssenKrupp die Stahlbrücke punktgenau auf den Widerlagern ab. © Heyn, Volker

Wie man mit einem 450-Tonnen-Kran,erfahrenen Männern und ein paar Funkgeräten eine 80 Meter lange Stahlbrücke punktgenau auf den Widerlagern absetzt, demonstrierten am Donnerstag die Mitarbeiter von ThyssenKrupp in Werdohl. 

Kay Räwel ist stolz auf seine riesige Maschine und was er damit bewegen kann. Der Kranführer der Firma Dornseiff (Slogan: „So viel Kraft muss sein“) ist in Burbach sehr früh aufgestanden an diesem Donnerstag, um mit seinem 96 Tonnen schweren Kranfahrzeug in Werdohl eine mehr als 400 Tonnen schwere Stahlbrücke auf die Widerlager zu heben. Wach hält sich der bullige Mann mit den braunen Augen mit becherweise Kaffee und ein paar Kippen – sein Arbeitstag ist lang.

Eigentlich sind es von Burbach im Siegerland bis nach Werdohl im Sauerland über die A45 gerade einmal 86 Kilometer, wenn nicht gerade eine Autobahnbrücke gesperrt ist und wenn man nicht einen 95 Tonnen schweren Kranwagen fährt. Weil Räwel nur mit Sondergenehmigung nachts und kaum über Brücken fahren darf, ist er an diesem Morgen gleich mal 200 Kilometer durch den Westerwald bis an die Lenne unterwegs.

Egal, um 5 Uhr stand der Kranwagen mit weiteren vier Schwerlast-Schleppern für Zubehör und mehreren Tonnen Ausgleichsgewichten auf der Ütterlingser Seite der Lenne parat. Nach weiteren zweieinhalb Stunden war das grüne Ungetüm mit dem roten Ausleger einsatzbereit.

Die „allererste Heimschläferbaustelle“

Das Brückenbau-Team von ThyssenKrupp und die Kranführer von Dornseiff kennen sich von vielen gemeinsamen Baustellen. Einer von TK ist Andy Solomon. Der gebürtige Schotte lebt schon seit 30 Jahren in Hemer und freut sich: „Das ist meine allererste Heimschläferbaustelle.“ Die Männer von ThyssenKrupp bauen überall in Deutschland Behelfsbrücken auf. Jeder Handgriff sitzt, die Spezialisten sind absolut eingespielt und wissen zu 100 Prozent, was sie hier tun.

Die Kraft einer einfachen Hydraulik reicht, um die Brücke zentimeterweise über die Lenne zu schieben.
Die Kraft einer einfachen Hydraulik reicht, um die Brücke zentimeterweise über die Lenne zu schieben. © Heyn, Volker

Über hydraulische Zylinder an der Unterseite der Brücke wurde die Brücke in 50 Teilschritten zu je einem halben Meter in Richtung Ütterlingsen geschoben. Relativ wenig Kraft reicht aus, mit ziemlich dünnen Stahlseilen die mehr als 400 Tonnen auf Rollen zu bewegen. Ab elf Uhr wurde es langsam spannend, nur noch wenige Zentimeter fehlten, bis sich die Brücke über den Aufsetzpunkten auf dem Widerlager auf Ütterlingser Seite befand.

Bauchgefühl und Technik

Letzte Hand legt der Bauleiter an, er funkt mit den ThyssenKrupp-Leuten an den Zylindern unter der Brücke und natürlich mit Kay Räwel im Kran. Aus seiner vollverspiegelten Führerkabine bewegt Räwel die am orangefarbenen Tau hängende Brücke auf den Zentimeter genau. Einiges sagen ihm digitale Anzeigegeräte, manches aber steuert er auch mit Bauchgefühl. Touchdown um 11.25 Uhr: Die Brücke liegt auf zwei etwas mehr als bierdeckelgroßen Kunststoffkalotten, das Tagwerk ist geschafft, bald gibts Frühstück.

Geschafft – die Männer von ThyssenKrupp haben die Behelfsbrücke in nur wenigen Wochen aufgebaut und platziert. Danach gab es erstmal belegte Brötchen.
Geschafft – die Männer von ThyssenKrupp haben die Behelfsbrücke in nur wenigen Wochen aufgebaut und platziert. Danach gab es erstmal belegte Brötchen. © Heyn, Volker

Wie geht es weiter? Ab der nächsten Woche wird die Brückenkonstruktion um einen halben Meter abgesenkt und festgeschraubt. Die Konstruktionen für die Hydraulikzylinder werden abgebaut, das Team von ThyssenKrupp räumt die Baustelle. Danach rückt wieder die Baufirma Rempke an, um die beiden Zufahrten zur Behelfsbrücke zu errichten. Schließlich muss an beiden Widerlagern noch betoniert werden. Der Verkehr kann in ein paar Wochen über die Behelfsbrücke rollen – zweispurig sogar.

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