400. Bürgerstammtisch für ein schöneres Werdohl

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Manfred Hoh (links) und Adolf Knauer sind nicht nur zwei von fünf Gründungsmitgliedern des Bürgerstammtisches. Sie sind zugleich auch die Chronisten dieser „lockeren Verbindung“.

Werdohl - Der Werdohler Bürgerstammtisch – am Montag trafen sich die Männer und Frauen zum 400. Mal – ist eine echte Institution: Die Runde aus engagierten Menschen, die an Lenne und Verse leben, hat sich durch ihr ehrenamtliches Engagement, Ideenreichtum, mitunter notwendige Hartnäckigkeit und nachhaltige Tatkraft einen Namen gemacht.

Etwas mehr als acht Jahre besteht er jetzt, und wenn man zurückblickt: Er hat viel bewegt und mit Hilfe von Sponsoren auch Lücken gefüllt, die angesichts der kommunalen Finanzschwäche im Tätigkeitsfeld der Stadt ganz weit hinten angesiedelt worden wären. Am Montagabend trafen sich die Mitglieder des Bürgerstammtisches zu ihrer 400. Sitzung – dort, wo alles begann: Im Busenhof – heute Mythos 24.

Fünf Männer waren es, die den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte gelegt haben, die in ihrer Art einzigartig in Werdohl ist. Jürgen Hennemann und Dr. Hans-Joachim Hultsch hatten die Idee zu diesem Bürgerstammtisch. Manfred Hoh, Adolf Knauer und Dieter Sechtenbeck stießen hinzu.

Das erste Treffen dieses Quintetts fand zwar bereits drei Monate früher als der ursprüngliche Gründungstermin statt – aber maßgeblich war die erste Eintragung in das erste von mehreren mit Fotos, Zeitungsartikeln und Unterschriften gefüllten Gästebüchern.

Die Gästebücher des Bürgerstammtisches, der sich ganz bewusst nicht als Verein versteht, sind sozusagen die einzigen „Dokumente“ der lockeren Gruppierung.

Das Grußwort zur „Erstausgabe“ schrieb damals Alt-Bürgermeister Manfred Wolf, der genau wie sein Amtsnachfolger Jörg Bora und die amtierende Bürgermeisterin Silvia Voßloh beim Jubiläumsabend am Montag vertreten war. Siegfried Griebsch musste aus gesundheitlichen Gründen passen.

Premiere war am 9. Oktober 2006 bei Heidi Schwenke, der damaligen Busenhof-Wirtin. Sie führte im Grunde eine Tagesgaststätte und machte nur am Montagabend für den Bürgerstammtisch auf. Die ersten vier bis fünf Treffen, so erinnert sich Manfred Hoh, „waren eher dünn besucht“.

Dann aber seien die Teilnehmerzahlen stetig angestiegen. Inzwischen kommen – mittlerweile seit Januar 2009 bei Brigitte Spelsberg in der Gaststätte Versevörder Hof – montags zwischen 20 und 30 Männer und Frauen zusammen. Bei Vorträgen sind es zumeist deutlich mehr. Insgesamt „tagten“ die Stammtischmitglieder rund 1200 Stunden, so die Bilanz vom Montagabend.

Und gewachsen ist auch die Zahl der Aktivitäten. In den vergangenen fünf Jahren hatte der Bürgerstammtisch im Durchschnitt zu 69 Treffen und Veranstaltungen eingeladen – darunter Firmenbesuche, Museumsabstecher, die Beteiligung an der Saisoneröffnung für die Lennefontäne, Diskussionen oder Filmabende.

Besonders publikumsintensiv war die Diskussion zur Bürgermeister-Stichwahl 2014 im Restaurant Vier Jahreszeiten. So viele Besucher habe es bei einer derartigen Veranstaltung nur selten gegeben, stellte Manfred Hoh am Montagabend fest. Herausragend seit Jahren: Der Kampf um die Sauberkeit in der Stadt und die Aufwertung Werdohls im Sinne des Tourismus.

Als am 22. Oktober 2007 die ersten vier Spender für Hundekotbeutel im Innenstadtbereich aufgestellt wurden, war mancher noch geneigt, diese Aktion zu belächeln. Inzwischen hat zu diesem Thema ein Umdenkungsprozess eingesetzt. Abgesehen davon, dass mittlerweile auch in Kleinhammer und Pungelscheid solche Spender installiert wurden, wird von Spaziergängern oder Passanten deutlich intensiver darauf geachtet, ob „Herrchen“ oder „Frauchen“ die Tretminen ihrer Hunde auch beseitigen.

Jürgen Hennemann, Dr. Hans-Joachim Hultsch und Dieter Sechtenbeck – sie komplettieren das Quintett der Gründungsmitglieder mit Manfred Hoh und Adolf Knauer. - Fotos: Kanbach

Und der Tourismus? Vergleichsweise kleine aber nicht unbedeutende Beiträge haben dafür gesorgt, dass Werdohl auch auf diesem Gebiet vorankommt. Gemeinsam mit dem Alpenverein wurde dafür gesorgt, dass die Lenneplatten an der Altenaer Straße zum Kletterfelsen werden konnte.

Mehr noch: Bei der Begehung des Zuweges zum Höhenflug kam Manfred Hoh die Idee, den sogenannten Denkmalplatz oberhalb der Altenaer Straße wieder als Rast-, Ruhe- und Aussichtspunkt herzurichten und den darunter liegenden Hang auch zum Klettern herzurichten. Bänke und Tische entlang der Lennepromenade rundeten diesen Teil des vornehmlich durch Sponsoren finanzierten Programms ab.

Auch im nunmehr begonnenen neunten Jahr des Stammtisch-Bestehens sind seine Mitglieder nicht müde, sich weiterhin für die Allgemeinheit einzusetzen. In jedem Fall, so Manfred Hoh, wolle man den Masten für die 2014 gestiftete Werdohl-Flagge erneuern.

Gedacht ist auch an ein Kletterspielgerät für Kinder an den Lenneplatten sowie weitere Tische und Bänke. Gemeinsam mit dem Alpenverein, der die Regie dafür übernimmt, sollen zwei zusätzliche Kletterfelsen an der Altenaer Straße erschlossen werden. Die Vorbereitungen laufen. Die Beteiligung an der diesjährigen Einweihung der Lennefontäne erscheint da schon mehr als selbstverständlich.

Angst vor Strukturen und Hierarchien brauche keiner zu haben, so machte Dr. Hans-Joachim Hultsch beim Jubiläumstreffen deutlich. „Die gibt es bei uns nicht“. Der Bürgerstammtisch sei eine lockere Verbindung für alle, die Werdohl weiterbringen wollen, ergänzte Manfred Hoh.

Von Rainer Kanbach

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