„Ab und zu habe ich Gedanken im Kopf“

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Ein 33-jähriger Asylbewerber aus Algerien muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Werdohl - Das Geständnis eines 33-jährigen Asylbewerbers aus Algerien war von seltener Klarheit: „Ja, ich habe ihm wirklich mit einem Glas ins Gesicht geschlagen.“ Sein Gegenüber, ebenfalls ein Araber, erlitt dabei im Werdohler Asylbewerberheim zwei tiefe, stark blutende Schnitte in seiner Wange.

Angeklagt war folglich eine gefährliche Körperverletzung, doch schon die Frage von Richter Dirk Reckschmidt nach dem Grund für die Tat ließ den Angeklagten lange schweigen. Dann mühte er sich zu einer Darstellung der Ereignisse: Zunächst habe es eine Auseinandersetzung mit dem späteren Opfer über ein verschwundenes Handy gegeben. Aus gegenseitigem Anschreien und Schubsereien habe sich dann der Angriff mit einer Glaskaraffe entwickelt.

Aufhorchen ließ der Bericht des Angeklagten über starken Alkoholkonsum – verbunden mit der Einnahme eines starken Medikaments gegen schizophrene Erkrankungen. „Ich bin psychisch so belastet“, übersetzte der Dolmetscher die Angaben des Algeriers. Und: „Ab und zu fühle ich mich unwirklich. Ich habe Gedanken im Kopf.“

Richter Dirk Reckschmidt verwies auf vorliegende Berichte aus diversen Flüchtlingsunterkünften quer durch die gesamte Republik, in denen der 33-Jährige bereits durch Körperverletzungsdelikte aufgefallen war.

Der jüngste Fall sei aber eine Ausnahme gewesen, versicherte der Angeklagte. Ansonsten habe es „nur Streit“ gegeben. Der Richter ordnete aufgrund der Medikamentengaben und auf der Grundlage eines vorliegenden Arztberichtes eine psychiatrische Begutachtung des Algeriers an. Ein Sachverständiger soll zur Frage der Schuldfähigkeit des 33-Jährigen Stellung nehmen. Möglicherweise droht dem Algerier die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Die Zeugen wurden nicht gehört – sprachlich wäre auch nur eine Verständigung mit dem Arabisch sprechenden Geschädigten möglich gewesen. Für drei weitere Zeugen aus der Asylunterkunft müssten diverse Dolmetscher besorgt werden – für Persisch, Dari, die neupersische Sprache Afghanistans, und Urdu, eine Verwandte der indischen Hindi-Sprache.

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