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24.000 Euro Schaden: Versandmitarbeiter zweigt Grills ab

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Von: Thomas Krumm

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Reihenweise wurden bei Enders von einem Mitarbeiter Grillautomaten und Zubehör entwendet: Die Anklage ging von 79 gewerbsmäßigen Diebstählen aus.
Reihenweise wurden bei Enders von einem Mitarbeiter Grillautomaten und Zubehör entwendet: Die Anklage ging von 79 gewerbsmäßigen Diebstählen aus. © Rolf Vennenbernd

Es sei eine große Dummheit gewesen, zeigte sich ein 31-jähriger Werdohler vor Gericht einsichtig: Er arbeitete im Versand einer großen Firma und hatte zahlreiche Pakete nicht an die eigentlichen Adressaten geschickt, sondern abgezweigt und zum Teil weiterverkauft.

Werdohl – Einsichtig hat sich ein 31-jähriger Angeklagter aus Werdohl im Amtsgericht Altena gezeigt: „Das war eine sehr dumme Idee. Es tut mir leid”, erklärte er in seinem Letzten Wort, bevor das Schöffengericht sich zur Beratung zurückzog.

Die große Dummheit begann im April 2020 mit einer Beschäftigung in der Versandabteilung eines Werdohler Unternehmens. Die Enders Colsmann AG liefert als Marktführer in diesem Segment hochwertige Grillautomaten auch per Post an die Freunde dieser Zubereitungsart aus.

Der Angeklagte hatte die Aufgabe, die Versendung der Grillautomaten vorzubereiten und die Pakete mit Versandetiketten zu versehen. Diese Position nutzte er, um zu erstellenden Etiketten jeweils einen Adress-Doppelgänger hinzuzufügen und Sendungen mit dem gewünschten Inhalt an sich selber zu adressieren.

Daraufhin müssen von April 2020 bis Ende August 2020 große Mengen von Paketen mit Grillautomaten und weiterem Grillzubehör an seiner Werdohler Adresse angekommen sein. Der 31-Jährige widersprach nicht der Anklageschrift, die von 79 gewerbsmäßigen Diebstählen ausging. Den ersten Grill sandte der Angeklagte probeweise an sich selber. Als das klappte, bekam auch der Schwiegervater einen Gasgrill, der später sichergestellt wurde.

Für die weitere Vermarktung wandte sich der Angeklagte an ein Ehepaar, das eigentlich mit ihm auf der Anklagebank im Amtsgericht Altena sitzen sollte. Die Mitangeklagten hatten sich jedoch krank gemeldet und Atteste ihrer Verhandlungsunfähigkeit vorgelegt. Der Angeklagte beschrieb ihre Rolle bei der Vermarktung: „Sie (die Mitangeklagte) sagte mir, wie viel, und ich habe die Sachen zu ihr gebracht.”

Dort wurden die Pakete in einer Garage gelagert und über das Internet vermarktet. Das große Geschäft mit den 200 bis 600 Euro teuren Gasgrills machten dabei offenbar die Mitangeklagten: Er habe insgesamt 3000 Euro mit seinen Diebstählen erlangt, schätzte der Angeklagte. Der Gesamtschaden lag hingegen bei etwa 24 000 Euro. Diese können nach dem Urteil auch bei ihm eingetrieben werden.

Seine Rolle bei der Aufklärung der Vorwürfe gegen seine Mitangeklagten hatte die Freundschaft arg strapaziert. „Ich habe mit denen Probleme”, erklärte er. „Die wollen, dass ich alles auf mich nehme.” Das wolle er aber nicht. Seine Mitangeklagte habe ihm gedroht. „Wenn ich nicht ordentlich vor Gericht spreche, werde ich Ärger mit ihrem Mann kriegen.”

Der Angeklagte wurde noch konkreter hinsichtlich einer Todesdrohung: „Er werde mich aufhängen.” Zeitweilig sei er wegen der Bedrohung seiner Familie nicht zur Arbeit gegangen: „Meine Frau hatte richtig Angst, alleine zuhause zu bleiben.”

Die erste außergerichtliche Strafe für den Angeklagten lag schon zwei Jahre zurück: „Es war ja klar, dass ich rausgeflogen bin, denn ich habe ja in der Firma geklaut.” Staatsanwältin Beatriz Föhring und die Richter erkannten letztlich an, dass der Angeklagte ein umfassendes Geständnis abgelegt und seine eigene Rolle als Ideengeber bei dieser Geschichte nicht beschönigt hatte. Verteidiger Dominik Petereit hielt eine Strafe von einem Jahr und sechs Monaten für ausreichend.

Das Schöffengericht verurteilte den 31-Jährigen letztlich zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten und setzte diese zur Bewährung aus. Der Familienvater bleibt nach diesem Urteil bei seiner Familie. Seine klaren Aussagen über die Rolle seiner abwesenden Mitangeklagten machen ihn zum Hauptzeugen beim nächsten Gerichtstermin in dieser Sache.

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