22-Jähriger gibt schweren Raub zu

Symbolbild

WERDOHL/HAGEN ▪ Maskiert mit einer Art schwarzer Sturmhaube stürmte ein 22-jähriger Werdohler im September 2009 in eine Lüdenscheider Autovermietung und forderte mit vorgehaltener Pistole vom dortigen Angestellten Bares aus der Kasse: „Geld raus, sonst knallt’s!“ Der so bedrohte Angestellte warf dem Maskierten das Geld aus einer Schublade zu, und dieser flüchtete mit 600 Euro in bar Richtung Werdohl.

Zuerst wollte sich der wegen dieser schweren räuberischen Erpressung angeklagte Werdohler zu den Vorwürfen am Landgericht Hagen nicht äußern, packte dann aber doch letztlich die ganze Geschichte aus und benannte überraschenderweise zwei seiner Bekannten als Mittäter. Unumwunden und teilweise mit tränenerstickter Stimme gab er zu, dass sich einer dieser Bekannten immer wieder teure Leihwagen bei dem Autovermieter geliehen hatte, um seine Freundin besuchen zu können, wenn der Vater ihm mal wieder den Zugang zum Familienauto sperrte.

Den meist vereinbarten „Wochenendtarif“ mit unbegrenzter Kilometerleistung nutzte der Bekannte dann weidlich aus, riss an einem Wochenende gleich 3000 Kilometer ab, gab die Autos oft mit Verspätung zurück, lieh sich von seinen Freunden Geld für die Kaution, zahlte seine Schulden beim Autoverleiher nicht. Daraufhin platzte dem Vermieter der Kragen und er behielt kurz vor der geschilderten Tat zur Verrechnung die bezahlte Kaution ein.

Darüber regten sich die drei jungen Werdohler so sehr auf, dass dem Autovermieter eine „Lektion erteilt“ werden sollte. Bei der Rückgabe des zuletzt geliehenen Wagens planten sie, das verlorene Geld wieder herein zu holen. Seine Bekannten hätten dabei so einen starken Druck auf ihn ausgeübt, dass er ihnen einfach nachgeben musste, bekannte der Werdohler zerknirscht.

„Der Mann von der Autovermietung hat uns immer provoziert, hat frech mit uns gesprochen. Und ich bin einfach zu gutherzig und habe mich von meinen beiden Bekannten überreden lassen. Dann habe ich einfach die Kapuze aufgezogen und bin rein“, versuchte er seine Tat vor Gericht zu erklären.

Die Pistole, die der Lüdenscheider vor sich sehen musste, sei auch nur ein Feuerzeug in Form einer Pistole gewesen, erklärte der junge Mann weiter.

Die Beschreibungen des Opfers und die Vorgeschichte hatten die Polizei damals auf die Fährte des Angeklagten geführt, der bei der Polizei noch versucht hatte, alles zu leugnen. Doch auf Anraten seines Verteidigers erzählte er gestern seine Geschichte, versicherte auch, dass er mittlerweile klüger und Vater eines kleinen Sohnes sei, sich bessern wolle.

Allerdings sitzt der junge Mann bereits wegen einer ähnlichen Tat hinter Gittern. Er hatte ein älteres Ehepaar in dessen Wohnung bedroht und zur Herausgabe ihrer Wertsachen gezwungen. Wie berichtet, wurde er dafür vor kurzer Zeit zu sechs Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Da die zu erwartende Strafe im gestrigen Verfahren bei dieser erheblichen Haftstrafe nicht mehr ins Gewicht fallen würde und der 22-Jährige sich voll geständig und einsichtig zeigte, wurde diese Verfahren gegen ihn vorläufig eingestellt.

Der Vorsitzende Richter Teich ermahnte den Angeklagten aber nach dem Beschluss des Gerichts noch einmal eindringlich: „Damit Sie das nicht falsch verstehen: Das ist kein Freispruch. Beide Taten waren sehr schlimm. Und es ist gut, dass Sie sich jetzt endlich dazu bekannt haben!“ ▪ Anja Grevener

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