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2023 wird ein teures Jahr: Was auf Familie Mustermann zukommt

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Von: Maximilian Birke

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Gas- und Stromkosten schießen in die Höhe: 2023 wird ein teures Jahr für die Familie Mustermann aus Werdohl.
Gas- und Stromkosten schießen in die Höhe: 2023 wird ein teures Jahr für die Familie Mustermann aus Werdohl. © dpa

Das sind keine guten Nachrichten für die Werdohler: 2023 wird das Leben in der Stadt an Lenne und Verse erheblich teurer. Was sich genau ändert, zeigen wir anhand der Familie Mustermann auf, einer durchschnittlichen, vierköpfigen Familie aus Werdohl.

Werdohl – Claudia und Ralf Mustermann leben mit ihren Söhnen Tobias (4) und Tim (8) in einem Einfamilienhaus. Heftig zu Buche schlagen im kommenden Jahr die steigenden Kosten für Strom und Gas. Allein für Strom werden über 300 Euro mehr fällig. Unterm Strich muss die Familie im Vergleich zu 2022 einen vierstelligen Betrag draufzahlen.

Strom

Als Stromkunden des Grundversorgers Mark-E mussten die Mustermanns für ihre durchschnittlichen 3500 Kilowattstunden bis Ende 2022 noch 1214,05 Euro bezahlen. Mit dem 1. Januar 2023 wird der Preis aber kräftig steigen, erklärt Andreas Köster als Sprecher des Mutterkonzerns Enervie. 1718,50 Euro und damit satte 504,45 Euro mehr würden normalerweise für die Familie fällig. Dank der Strompreisbremse kann diese Steigerung etwas abgemildert werden: So belaufen sich die tatsächlichen Mehrkosten auf 349,61 Euro.

Erdgas

Ihr Haus heizt Familie Mustermann mit Erdgas, das sie von den Stadtwerken Werdohl bezieht. Bei einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden im Jahr wurden dafür im Jahr 2022 im Tarif „Lennegas Clever“ 1619,96 Euro fällig. Richtig teuer wird es 2023: Enervie, die das Gasnetz der Stadtwerke Werdohl und Plettenberg gepachtet hat und ab Jahresbeginn als Versorger auftritt, teilt mit, dass der Gaspreis sich von 7,60 Cent auf 15,09 Cent verdoppelt.

Auch die Grundgebühr steigt. Im neuen Jahr würden damit 3138 Euro fällig, jedoch kann auch hier eine Preisbremse für etwas Milderung sorgen. In der Realität werden 2643,60 Euro für Familie Mustermann fällig, was immer noch ein kräftiges Plus von 1023,64 Euro bedeutet.

Trinkwasser

Ihr Trinkwasser bezogen die Mustermanns bislang über die Stadtwerke Werdohl und verbrauchen davon 180 Kubikmeter pro Jahr. Auch in diesem Bereich übernimmt zum Jahreswechsel Enervie die Versorgung. Preisänderungen werde es beim Trinkwasser aber vorerst keine geben, teilte Enervie-Sprecher Andreas Köster auf Nachfrage mit. Familie Mustermann zahlt damit auch 2023 wieder 499,85 Euro.

Abwasser

Im Vergleich zu 2022 sinkt die Schmutzwassergebühr für private Haushalte in Werdohl um 10 Cent pro Kubikmeter. Familie Mustermann zahlt jetzt 2,92 Euro für den Kubikmeter, statt wie bisher 3,02 Euro. Gemessen wird der Verbrauch am benötigten Frischwasser. Für ihre 180 Kubikmeter zahlt die Familie also jetzt 525,6 statt wie bisher 543,60 Euro.

Regenwasser

Die Gebühr für Niederschlagswasser sinkt 2023 leicht. Pro Quadratmeter versiegelter Grundstücksfläche kostet das abfließende Regenwasser 1,11 Euro und damit 5 Cent weniger als noch im Vorjahr. Für die Familie Mustermann, die ein Grundstück mit 130 gepflasterten Quadratmetern für Terrasse, Autostellplatz und Wege besitzt, sinken die jährlichen Kosten von 150,80 Euro auf 144,30 Euro. Immerhin eine kleine Ersparnis.

Abfall

Die Müllgebühr wird in Werdohl pro Einwohnergleichwert, also pro Person berechnet. 2022 lag die Gebühr bei 86,48 Euro; zum Jahreswechsel 2023 wird sie um mehr als neun Prozent angehoben. Ab Januar liegt die Gebühr pro Einwohnergleichwert bei 95,09 Euro. Für die vierköpfige Familie bedeutet das 380,36 Euro im Jahr, 2022 waren es 345,92 Euro.

Grundsteuer B

Die Musterfamilie ist im Besitz eines Einfamilienhauses, in dem sie lebt und zahlt für die Immobilie 365,80 Euro an Grundsteuer an die Stadt. Gegenüber 2020 ist dieser Wert unverändert, weil die Stadt den Hebesatz, der weiterhin bei 668 Prozentpunkten liegt, nicht erhöht hat.

Straßenreinigung und Winterdienst

Eine gesonderte Gebühr für diese Dienstleistungen erhebt die Stadt Werdohl nicht. Die Kosten sind im Hebesatz für die Grundsteuer B enthalten.

Hundesteuer

Vierbeiner „Billy“ lebt seit vielen Jahren bei den Mustermanns und fällt als Golden Retriever nicht unter die Kategorie „gefährlicher Hund“. Seit Jahren zahlt die Familie daher 100 Euro im Jahr an die Stadt, um ihren Hund halten zu dürfen.

Busfahren

Mutter Claudia arbeitet in Lüdenscheid und fährt jeden Morgen mit dem Bus der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) in die Nachbarstadt. Für das Monatsticket, mit dem Claudia über die Stadtgrenze hinausfahren darf, zahlt sie im Abo 992,40 Euro pro Jahr. Das sind im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahrs 15,60 Euro mehr. Die MVG passt ihre Fahrpreise immer im August an.

Schwimmen

Die Familie Mustermann unternimmt gerne sportliche Aktivitäten. Dazu gehören auch regelmäßige Besuche im Schwimmbad. Im Sommer von Juni bis September besuchen sie das Bad dreimal pro Woche, im Winter alle 14 Tage. Normalerweise kaufen die Mustermanns für ihr Hobby vier Kombi-Jahreskarten. Die gelten für das Freibad und das Hallenbad.

Seit der Pandemie werden die Kombi-Jahreskarten nicht mehr vertrieben. Ob sich das 2023 wieder ändert, ist unklar. Für die insgesamt 66 Besuche (48 im Sommer und 18 im Winter) greifen Mustermanns deshalb auf Familienkarten zurück. Diese kosten pro Besuch 8 Euro. Im Jahr ergeben sich so Kosten in Höhe von 528 Euro. Für ihre Kombi-Jahreskarten zahlten Mustermanns zuletzt 530 Euro.

Kita-Gebühr

Der vierjährige Sohn Tobias wird 45 Stunden in der Woche in einer Kindertagesstätte betreut. Dafür zahlen seine Eltern bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 50 000 Euro monatlich 208 Euro. Hinzu kommen weitere 40 Euro (halber Beitrag für das zweite Kind) für den zweiten Sohn Tim (8), der das Offene Ganztagsangebot seiner Grundschule nutzt, sodass für Kita und Schule monatlich 248 Euro und für das ganze Jahr 2976 Euro fällig werden.

Das Mittagessen der Kinder ist da noch nicht eingerechnet. Seit Beginn des Kita-Jahres 2020/21 ist ein weiteres Kindergartenjahr beitragsfrei. Damit brauchen Eltern künftig nicht mehr nur das letzte, sondern auch das vorletzte Kita-Jahr nicht bezahlen.

Volkshochschule Lennetal

Die Mustermann-Eltern besuchen im Jahr zwei Kurse der Volkshochschule. Die Kosten für eine Kursteilnahme liegen pro Kurs bei durchschnittlich 50 Euro. Für 2023 kommen bei Mustermanns also rund 100 Euro zusammen.

Bücherei

Ralf Mustermann liest gern und zahlt für seinen Bücherei-Ausweis jährlich 15 Euro. Besäße er eine Ehrenamtskarte, müsste er nur die Hälfte bezahlen. Kinder, Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren und Inhaber des Werdohl-Passes entleihen ohnehin kostenlos. Das wird auch in 2023 so bleiben.

Gesamtrechnung und Bilanz

Insgesamt muss die Familie Mustermann im neuen Jahr 10 834,57 Euro bezahlen. Im Vergleich zu 2022 sind das 1398,79 Euro mehr, was einem Zuwachs von 14,82 Prozent entspricht. Zwar sinken manche der städtischen Gebühren geringfügig, die Explosion der Energiepreise kann dadurch aber bei Weitem nicht aufgefangen werden. Schon in den Vorjahren war das Leben in Werdohl stetig teurer geworden: nämlich um 2,3 Prozent (2021) und 2,5 Prozent (2022) beziehungsweise um insgesamt 440,72 Euro.

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