200. Bürgerstammtisch verläuft locker vom Hocker

Bürgerstammtisch-Sprecher Manfred Hoh höchstpersönlich bewirtete die Gäste des Jubiläumstreffens.

WERDOHL ▪ Knapp 50 Gäste zählte der Jubiläums-Bürgerstammtisch am Montagabend. Unter den Besuchern der 200. Auflage dieser Werdohler Traditionseinrichtung befanden sich auffällig viele Frauen. Der amtierende Weinkönig Hermann Vielhaber brachte die große Gruppe zum gemeinsamen Ständchen.

Als Lied hatte er „Kein schöner Land“ von Anton Wilhelm von Zuccalmaglio ausgesucht, der im benachbarten Nachrodt-Wiblingwerde begraben liegt. Und Dank der lieblichen Unterstützung der Stammtisch-Freundinnen staunte wohl manches Ohr: Der gemischte Werdohler Bürgerchor klang vollmundig und traf mühelos die Töne.

Zur Welt kam der Bürgerstammtisch bereits am 9. Oktober 2006. Einige Startschwierigkeiten waren zu überwinden. So kamen zur vierten Runde gerade einmal zwei Gäste, die unter vier Augen berieten. Ein fleißiger Besucher in den vergangenen vier Jahren war Werner Struck. Der hatte dann auch für Montag ein dreiseitiges Gedicht vorbereitet, mit welchem er auf die Geschichte des Stammtisches zurückblickte. An die ausnahmsweise einmal zahlreich erschienenen Frauen gerichtet reimte er darin etwa: „Sie sind, und das sei nicht verhehlt, noch immer etwas, was uns fehlt.“

Was die Funktion des Bürgerstammtisches angeht, erklärte Struck in seinem Gedicht: „Politik wird nicht gemacht, nur so drum herum gedacht, was der Stadt wohl dienlich wäre; teils zum Nutzen, teils zur Ehre.“ Und der Hobby-Poet vergaß auch die herausragenden Namen der Stammtischrunde nicht. Zu Jürgen Hennemann reimte er: „Da ist auch einer, der bestimmt und sich oft opponent benimmt. Als Führer durch die Straßen keucht er, im Hobby ist er gern Beleuchter. War einer unsrer Gründungsväter, sonderbar wurd' er erst später.“ Manfred Hoh, „der die meiste Arbeit macht“, bedachte Dauer-Gast Struck schließlich mit den Worten: „Um ihn kann jeder uns beneiden; ich seh‘ schon, er winkt ab, bescheiden“ – was Hoh dann auch tatsächlich tat.

Im Anschluss lud Bürgerstammtisch-Sprecher Hoh dann auch die vielköpfige Gäste-Schar des Jubiläums-Stammtisches zum Essen: Schnittchen, Suppe und Frikadellen gab es kostenlos für jeden Hungrigen – und zum Nachtisch kleine Pralinen mit alkoholischer Füllung. Beim Schmaus wurden reichlich Anekdoten ausgetauscht. Anhand alter Bürgerstammtisch-Gästebücher wurde manche Erinnerung wieder lebendig. Jürgen Hennemann lobte bei einem kurzen Grußwort die Küche des Versevörder Hofes und nannte das Lokal „das Mutterhaus des Bürgerstammtisches“.

Zur Erheiterung erhob letztlich Barney Hallmann die Stimme. Der leidenschaftliche Rezitator interpretierte etwa ein Gedicht, in welchem Heinz Ehrhardt sich über das Jahr hinweg immer die Jahreszeit wünschte, die gerade nicht herrschte. „Ach, wenn doch nur schon Winter wäre...“, sprach Hallmann, während draußen bereits die Scheiben der Autos zufroren. Später sang Hallmann die Matrosen-Ode „Der Priem“ von Kurt Tucholsky – einer der ganz wenigen Texte, wie der Intonations-Künstler bedauerte, in der seine Heimat Kiel Erwähnung fände.

Dann schwelgten die Bürgerstammtischler in Zukunftsträumen. So wäre doch ein Gegenbesuch bei Hallmann im hohen Norden noch ein Ziel – jetzt wo der Stammtisch auf die 300. Auflage zugehe.

Michael Koll

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