18-jähriger Werdohler will als Filmemacher ins Kino

Muhammet Yildirim nimmt gerne noch weitere Aufträge an „vom Kindergeburtstag bis hin zur Silberhochzeit“. Anfragen sind möglich unter der Rufnummer 0 15 78 / 9 63 96 84. Die fertigen Filme brennt der 18-Jährige seinen Kunden dann auf CD.

Werdohl - Ins Kino wollen viele 18-Jährige. Muhammet Yildirim aber sagt: „Im nächsten Jahr habe ich das geschafft.“ Der Werdohler erklärt, sein Ehrgeiz sei sein stärkster Antrieb. Seine Begeisterung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er sitzt in seinem kargen Kinderzimmer auf dem Bett, redet ohne Punkt und Komma, dafür mit Händen und Füßen. Er will kein Leinwandstar werden, sondern ein großer Filmemacher.

Nach seinem Vorbild gefragt, muss Yildirim nicht überlegen: „Michael Bay, der die Transformers-Filme gemacht hat.“ Den würde er gerne einmal treffen und mit ihm plaudern. In Dokumentationen habe er Bay schon beim Filmen beobachten können: „Der plant alles so strukturiert, das imponiert mir. Das macht er so wundervoll. Er arbeitet so penible und perfekt.“

Yildirim ist gebürtiger Berliner. Vor sechs Jahren zog er aus der Hauptstadt ins Sauerland. „Werdohl ist schön. Ich will hier nicht mehr weg“, erklärt er strahlend. Ein Großteil seines Lebens findet derweil in Lüdenscheid statt: „Dort sind meine Schule und mein Betrieb.“ Der 18-Jährige beginnt gerade sein zweites Lehrjahr auf dem Weg zum Werkzeugmacher und parallel sein Fachabitur. Sein Ehrgeiz habe ihn dort auch dazu gebracht, einer der Klassenbesten zu sein, verrät der ehemalige Hauptschüler.

„Vor vier oder fünf Jahren aber hat meine Mutter eine einfache Videokamera geschenkt bekommen. Damit habe ich heimlich immer experimentiert.“ Die ersten Versuche hinter der Kamera hielt der heute 18-Jährige geheim, „denn meine Mutter war davon nicht begeistert. Damals waren meine Schulnoten einfach grottenschlecht.“

Das ist Geschichte – und auch Mamas Kamera braucht Yildirim schon lange nicht mehr. 2012 gründete er seinen eigenen Youtube-Kanal. Er machte fortan Kurzfilme – mit einer geliehenen Kamera, die ihm „ein Kumpel“ überlies. Heute hat Yildirim 100 Verfolger auf Youtube und auf Facebook, wo er seit einem Vierteljahr zudem präsent ist, sind es sogar drei Mal so viele.

Seine Filme macht der junge Mann unter dem Signet Phoenix Films, die Idee zum Namen habe eine frühere Freundin von ihm gehabt. Der erste Kurzfilm, den er erstellte, habe Freunde gezeigt, die sich mit Plastikwaffen eine Verfolgungsjagd lieferten. Heute produziert der Nachwuchsfilmer Party-Videos in Lüdenscheid, Musik-Clips in Plettenberg und erhält Anfragen aus ganz Nordrhein-Westfalen. Andere Filmemacher bitten ihn online um Rat, „sogar schon mal jemand aus Amerika“.

Wenn der 18-Jährige etwa ein Rap-Video dreht, ist er voll in seinem Element. Und er weiß, was er kann und wie: „Ich sage zu denen dann immer: ‘Ihr könnt die Musik, das Filmen kann ich’. Solch ein Video entsteht nach meinen Vorstellungen: Mein Wort gilt.“ Ein oder zwei Wochenenden brauche er für einen dreieinhalb oder vier Minuten langen Clip.

Doch Yildirim will mehr. Filmchen mit Gleichaltrigen erfüllen ihn letztlich nicht. „Ich will zeigen, was die Leute wirklich sehen wollen. Ich will ernsthafter und erwachsener arbeiten.“ Naturaufnahmen und Stadtansichten schweben ihm dabei vor.

Ins Kino möchte er mit einem Film, in welchem es um jugendliche Fußballer geht, die einen anderen nicht mitspielen lassen, weil er arm und seine Hose zerrissen ist. In Meinerzhagen habe es mal jemand mit einem 30-minütigen Streifen ins Lichtspiel-Theater geschafft. „Und jetzt sage ich mir: Wenn der das kann, bekomme ich das auch hin.“

Erst Ende April hat sich der 18-Jährige für 600 Euro seine erste eigene Kamera gekauft: ein Fotoapparat, keine reine Videokamera, aber ein Anfang. Yildirim hat keine Produzenten: „Ich finanziere alles aus eigener Tasche.“ Gagen kassiert er nicht mit jedem Auftrag – „und wenn, dann nur ein Taschengeld. Aber alles, was ich einnehme, stecke ich ins Equipment.“ Sponsoren dürften sich aber auch bei ihm melden, per E-Mail an: ymuhammet96@gmail.com.

Unter der Woche konzentriert sich der junge Mann auf seine Ausbildung: „Ich gehe jedem Morgen um 6 Uhr mit einem Lächeln zur Arbeit“, sagt er mit einem Nachdruck in der Stimme, der keinen Zweifel an dieser Aussage zulässt. Das gesamte Wochenende filmt er, was ihm vor die Linse kommt: „Ich kriege nie genug davon. Ich will schon groß rauskommen.“ Und dafür bringt er auch Opfer: „Ich habe keine Freundin, dafür habe ich auch gar keine Zeit.“

Einer seiner letzten Aufträge war der Mitschnitt eines Band-Konzertes auf dem Lüdenscheider Schützenfest. Am 13. September will der 18-Jährige das Lüdenscheider Stadtfest in bewegten Bildern festhalten.

Von Michael Koll

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