Verbrechen von Mitte Januar war bislang nicht öffentlich geworden

17-stündiges Martyrium im eigenen Haus: Werdohler litt nach Überfall Todesängste

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in maskierter Einbrecher mit Taschenlampe schaut durch eine Tür in eine Wohnung. Auf ähnliche Weise wurde Mitte Januar ein Werdohler in seinem eigenen Haus überfallen und überwältigt.

Werdohl - Mitte Januar wurde mitten in der Werdohler Innenstadt ein Hausbesitzer überfallen und von zwei maskierten Einbrechern ans Bett gefesselt. Das Opfer musste stundenlang ausharren, bis es befreit wurde. DNA-Spuren, die nach der Tag von der Polizei in der Wohnung sichergestellt wurden, sind bis heute nicht ausgewertet. 

Der Mann erinnert sich minutiös an alles, was tief in der Nacht am 17. Januar passierte. Nachts um drei schlief er in seinem Bett, als er durch merkwürdige Geräusche an der Wohnungseingangstür wach wurde. Auch die kleinen Hunde bellten. 

Als er die Tür öffnete, wurde er von zwei mit Sturmhauben und ganz in schwarz gekleideten Männern überwältigt. Sie waren offensichtlich vorher schon ins Haus eingedrungen und hatten sich überall umgesehen. 

Einfach überrumpelt

Gegen die beiden kräftigen Typen hatte der deutlich ältere Mann keine Chance, er wurde einfach überrumpelt. Einer der Täter zog das Kabel vom Computer ab und fesselte sein Opfer an das Eisenbett im Schlafzimmer. Ihm wurden die Hände auf den Rücken gebunden und die Füße gefesselt. Danach durchsuchten die beiden Täter die ganze Wohnung in aller Seelenruhe und verschwanden. 

Gestohlen wurden eine größere Menge wertvollen Familienschmucks und einige hundert Euro Bargeld. Schmuck und Geld fanden die Täter in einer Schublade. An anderen Wertgegenständen wie Computer, TV, Musikanlage oder teuren Einrichtungsgegenständen hatten die Täter kein Interesse. 

Täter schnell wieder verschwunden

Das Opfer berichtete, dass die Täter in perfektem Deutsch mit ihm sprachen. Mit einem dritten Täter, der möglicherweise draußen im Auto wartete, sei allerdings per Walkie-Talkie auf Russisch gesprochen worden. Nach relativ kurzer Zeit waren die Einbrecher aus dem Haus verschwunden, ohne Schäden an Möbeln und Einrichtungsgegenständen hinterlassen zu haben. 

Für den Gefesselten begann erst jetzt das eigentliche Martyrium. 17 Stunden lang musste er nahezu bewegungsunfähig ausharren, bis er erst am nächsten Abend gegen 22 Uhr von einem anderen Bewohner des Hauses befreit wurde. Er hatte Todesängste ausgestanden, zeitweilig habe er gedacht, dass er die Hände verlieren oder gar sterben werde. 

Mordkommission eingeschaltet

Nach der Befreiung rief der Hausbesitzer die örtliche Polizei, die aufgrund erster Verdachtsmomente die Mordkommission und die Staatsanwaltschaft Hagen einschaltete. Der Opfer wurde medizinisch an den Handgelenken versorgt und eingehend befragt. Erst viele Stunden später habe er zur Ruhe kommen können, konnte sich ausschlafen und seinen Hausarzt aufsuchen. 

Glücklicherweise hatte der Hausbesitzer sämtlichen Schmuck fotografiert und katalogisiert. Der Einbruch ist in diesem Teil zu einer Versicherungsangelegenheit geworden. Hier ist die Auseinandersetzung im Gange. 

Öffentlichkeit nicht um Mithilfe gebeten

Warum damals weder Polizei noch Staatsanwaltschaft die Öffentlichkeit um Mithilfe bei der Suche nach den noch immer unbekannten Tätern gebeten haben, lässt sich heute nicht klären. 

Weil die Mordkommission eingeschaltet wurde, habe die Polizei damals sofort die Hoheit der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft abgegeben, sagte Polizei-Sprecher Dietmar Boronowski jetzt auf Nachfrage. Die Schilderungen des Überfallenen seien jedenfalls mit den polizeilichen Erkenntnissen in jedem Punkt übereinstimmend. 

Letzteres bestätigte auch Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli von der Staatsanwaltschaft Hagen auf Anfrage. Die Dinge hätten sich damals so zugetragen, wie sie der Mann gegenüber der Redaktion schilderte. Dr. Pauli sagte, dass in der Wohnung DNA-Spuren von den Tätern sichergestellt worden seien. Diese Spuren seien aber noch nicht ausgewertet worden. 

Ermittlungstaktische Gründe

Man sei damals aus ermittlungstaktischen Gründen nicht direkt an die Öffentlichkeit gegangen. Aussagen von mutmaßlichen Tätern oder etwaigen Zeugen sollten nicht durch eine Berichterstattung beeinflusst werden, so Pauli. 

Dass die DNA-Spuren nach gut fünf Monaten noch nicht ausgewertet seien, habe etwas mit der Priorisierung des Falls zu tun. Mord und Totschlag hätten Vorrang, so der Oberstaatsanwalt. Der Werdohler Fall ist als Einbruchsdiebstahl mit Freiheitsberaubung zu sehen. 

Und wie geht es dem Opfer fünf Monate nach dem Überfall in seiner eigenen Wohnung? Trotz Anratens habe er keine psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Er leide weder in seiner Wohnung noch sonst wie unter Angstgefühlen, es gehe ihm gut. 

Die Wunden an den Unterarmen sind soweit verheilt, über die Vorfälle damals spricht er ruhig und gelassen. Nur Haus und Wohnung sind seitdem mit Alarmanlagen ausgestattet worden.

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