1,36 Millionen Euro sind unauffindbar

Die Volksbank-Vorstände Josef-Werner Schulte (l.) und Karl-Michael Dommes waren bestürzt über die kriminelle Energie ihres früheren Mitarbeiters und wollten mit einer offensiven Aufklärung die Reputation der Bank wiederherstellen. ▪ Heyn

WERDOHL ▪ Die Volksbank-Vorstände Josef-Werner Schulte und Karl-Michael Dommes haben am heutigen Mittwoch die näheren Umstände der mutmaßlichen Veruntreuung von 1,36 Millionen Euro durch einen ehemaligen Mitarbeiter erklärt.

Wie bereits vergangenen Samstag berichtet, soll seit dem Jahr 2000 ein Werdohler Mitarbeiter der Bank insgesamt fünf Kunden um diese Summe betrogen haben. Nach Darstellung der Volksbank-Vorstände haben diese fünf Kunden dem Mitarbeiter im Zeitraum von neun Jahren die Summe von 1,36 Millionen Euro in verschiedenen Teilbeträgen teils in bar, teils in Form von Vollmachten bei anderen Banken übergeben. Der Mitarbeiter habe diese Beträge lediglich handschriftlich und manchmal mit Benutzung eines Volksbank-Stempels quittiert. Zu keiner Zeit sei auch nur ein Euro der veruntreuten Summe über ein Konto der Volksbank geflossen. Demnach habe es niemals Kontoauszüge oder sonst welche Unterlagen über diese Kundeneinlagen gegeben. Die Geschäfte seien ausschließlich zwischen den Kunden und dem Mitarbeiter abgewickelt worden. Den fünf betroffenen Kunden, so Dommes in einer Presseerklärung, haben die selbst geschriebenen Quittungen und mündliche Auskünfte des Mitarbeiters scheinbar über Jahre hinweg ausgereicht. Saldenmitteilungen der Bank über die Kundenkonten seien von den fünf betroffenen Personen niemals beanstandet worden.

Wo sich die 1,36 Millionen Euro heute befinden und ob sie von dem früheren Mitarbeiter je für die Kunden angelegt worden sind, entziehe sich der Kenntnis der Bankvorstände.

Am 27. April 2011 sei ein Kunde in die Bank gekommen und hätte sich nach seinen Einlagen erkundigt. Kurz darauf sei der zweite Kunde erschienen. Beide konnten nur „bankuntypische Quittungen“ vorlegen, so Dommes. Interne Recherchen hätten ergeben, dass die besagten Einlagen bei der Bank gar nicht existierten. Der frühere Mitarbeiter, der nach wie vor in Werdohl wohnt, wurde daraufhin vom Innenrevisor und vom Vertriebschef nach den Vorgängen befragt. In diesem Zusammenhang habe der Mann von selbst drei weitere Kunden benannt.

Am 12. Mai vormittags hatte die Volksbank die Staatsanwaltschaft über den Vorfall verständigt und dabei auch die Zahl der Kunden und die Schadenshöhe genannt. Wenige Stunden später informierte die Marketing-Direktorin Lavinia Wolff die Presse. Am darauf folgenden Donnerstag, 19. Mai, habe der ehemalige Mitarbeiter auf Drängen der Bank ein notarielles Schuldanerkenntnis unterschrieben.

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