500 Zuschauer beim NN-Theater

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Rotkäppchen, Großmutter und der Wolf(gang) erzählen Peter vom bösen Holzfäller Michl im dunklen Tannenbühl.

Plettenberg - Die Resonanz auf das NN-Theater war wieder einmal überwältigend: Die ersten Zuschauer kamen am Donnerstag bereits um 17.30 Uhr und damit zweieinhalb Stunden vor Beginn der Vorstellung zum Rathaus-Innenhof, um sich einen Platz für das Stück zu sichern. Die rund 500 Sitzplätze waren bis zum Beginn komplett belegt, sodass einige das Schauspiel sogar im Stehen verfolgen mussten.

Und das Kommen hatte sich gelohnt: Das Kölner Ensemble sorgte bei den Zuschauern für viele Lacher und erntete zahlreichen Szenenapplaus. Vor allem die Wandlungsfähigkeit amüsierte das Publikum. Während Michl Thorbecke zum Beispiel erst die Mutter der Hauptfigur spielte – gebrechlich mit Kopftuch oder Hut – schlüpfte er in der nächsten Minute in die Rolle des bösen Wolfs aus dem Märchen Rotkäppchen und wechselt dann wieder in die Rolle des Holzfäller Michl, dem Bösewicht des Stücks. Doch auch Irene Schwarz sorgte in ihrer Verkleidung als Loreley für Erheiterung. So trug sie nicht nur eine Perücke aus langen blonden Haaren, sondern auch ein Gewand, auf das ein nackter Frauenkörper aufgemalt war, der die armen Angestellten vor lauter (Un-) Aufmerksamkeit ins Ertrinken führte.

Die Erheiterung zog sich trotz des ernsten Themas durch das gesamte Stück. Peter (Oliver Schnelker), ein armer Kohlenbrenner aus dem Schwarzwald, erfährt aufgrund seines Handwerks immer wieder Zurückweisung. So auch auf dem dreitägigen Volksfest, für das das NN-Theater mit lebensgroßen Handpuppen die bisher vier Schauspieler um eine doppelt so große Feier- und Tanzgesellschaft vergrößert.

Auf der Suche nach mehr Anerkennung landet Peter dann im Tannenbühl, um der Schatzhauserin zwei seiner drei Wünsche vorzutragen. Doch zuvor begegnet er dort Rotkäppchen und anderen Märchenfiguren wie Rapunzel, Rumpelstilzchen und Hänsel und Gretel. Dabei brachten die bekannten Reime aus den Märchen – beziehungsweise was die Schauspieler durch Buchstabenverdrehungen daraus machten – das Publikum zum Lachen und Applaudieren.

Das Publikum war begeistert vom NN-Theater.

Die Schatzhauserin macht Peter zum gewünschten Glasmacher. Seine Idee, nicht nur nützliche Flaschen, sondern auch Kunst, wie Eichhörnchen und andere Tiere, aus Glas herzustellen, kommt im Schwarzwald zwar nicht gut an, dafür aber beim Publikum. Denn die Glaskunst wurde durch Luftballontiere dargestellt, die durch eine Stange aufgeblasen wurden.

Peters Euphorie hält allerdings nicht lange an. Da er seine beiden Wünsche nicht mit Verstand gewählt hat, besitzt er bald kein Geld mehr. So lässt er sich vom Holzfäller Michl überreden, sein lebendiges Herz gegen eines aus Stein einzutauschen, um erfolgreich zu werden. Es funktioniert, aber Peter wird auch abgestumpft, wie eine Gesangseinlage des NN-Theaters demonstriert. „Was kümmert es mich, wenn andere Hunger, Durst oder Schmerzen haben oder sich gar gegenseitig massakrieren. Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht“, ist die ironische Botschaft.

Erst als seine Frau Lisbeth ihn verlassen will und er sie daraufhin in einer dunklen, dramatischen Szene erschlägt, kommt er wieder zur Besinnung. Er sucht die Schatzhauserin erneut auf, um seinen dritten Wunsch zu äußern und durch eine List kann er sein Herz schließlich vom Holländer Michl zurück erlangen. Das Ensemble erntet für seine Vorstellung tosenden Applaus und stehende Ovationen. Auch dieser Besuch in Plettenberg war ein voller Erfolg – auch ohne den üblichen Stephansdachstuhl als Veranstaltungsort.

Nicht nur die Zuschauer waren mit der heiteren Darstellung des doch ernsten Themas zufrieden, auch die KulTour GmbH, für die es als Veranstalter die erste NN-Theater-Aufführung war. „Das Wetter passt, die Leute sind glücklich und das Stück ist schön“, freute sich Sylvia Eick am Donnerstagabend über die positive Resonanz.

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