Hundeschule in Corona-Zeiten

Zu Besuch in einer Hundeschule: Training nur in kleiner Besetzung möglich

Im Moment wird nur in Minimalbesetzung trainiert.
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Im Moment wird nur in Minimalbesetzung trainiert: Von links nach rechts Mia (Irish Setter, 2 Jahre), Mira (Australian Shepherd, 8 Jahre), Cleo (Yorkshire Terrier, 6 Jahre) und Jana (Border-Collie-Mix, 7 ½ Monate).

Sitz, Platz, Slalomlaufen – das war in Hundeschulen auch unter Corona-Bedingungen möglich, doch eben nur mit viel weniger Hunden als sonst. So kommt auch hier das Soziale von Mensch und Tier infolge der Pandemie zu kurz, auch mit Folgen für die Ausbildung der Hunde.

Plettenberg/Herscheid – Die kleine Hundeschule CD Traumhund trainiert in Herscheid-Vogelsang auf einer Wiese direkt an der Schwarzen Ahe. „Wir machen nur kleines Training in Minimalbesetzung“, erklärt Tanja Cordt, Hundetrainerin aus Plettenberg. Vor der Winterpause, in der sich die Hundeschule inzwischen befindet, war es während des Lockdown Light für die Hundeschule noch möglich zu trainieren. Laut einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Arnsberg vom 25. November war Hundeschulen der Betrieb weiterhin gestattet. Bis zu sechs Hund-MenschTeams könnten gleichzeitig im Training sein, sagt Cordt. Das wird aber nicht ausgereizt. Es sind vier HundMensch-Teams, die an diesem Dezembernachmittag dort trainieren, oder genauer zweimal zwei.

Hunden fehlt das Gruppentraining

Die Hundetrainerinnen Tanja Cordt und Susanne Dimter betreuen jeweils ein anderes Hund-Mensch-Gespann. „Wir haben dann quasi Privattraining für zwei Leute mit einem Riesenabstand dazwischen.“ Denn die Wiese bietet dafür genug Platz. Cordt kann beim Training auf die Erfahrung von Mira zählen, einer acht Jahre alten Australian-Shepherd-Hündin. Gelassen und routiniert macht sie alle Übungen mit und hilft sogar beim Abbau des kleinen Parcours.

Jana, der siebeneinhalb Monate alte Border-Collie-Mix von Susanne Dimter, ist da das genaue Gegenteil. Sie ist nicht nur die Jüngste, sondern auch die Unruhigste auf dem Übungsplatz. Ständig zerrt sie an ihrer Leine, winselt, jault. Selbst der kleine Rahmen mit dem Privattraining ist für sie eine Herausforderung. Weil Jana in der Coronazeit geboren wurde, hat sie relativ wenig Erfahrung mit anderen Hunden. Es fehlt das Training in einer größeren Gruppe.

Es ist gut, wenn Hunde auch in einer Gruppe trainieren können und dadurch die Akzeptanz von anderen Hund.

Tanja Cordt, Hundetrainerin

„Am liebsten möchte sie mit allen anderen Hunden etwas machen“, erklärt Tanja Cordt. Jana fehle ganz klar die Welpenschule. Diese hat normalerweise die Form eines Gruppentrainings mit vier bis sechs Hunden. „Da lernen sie dann in der Gruppe soziales Verhalten.“ Doch coronabedingt ist auch die Welpenausbildung nur als Einzeltraining möglich. Und das merkt man Jana eben an. „Weil sie die normale Welpenschule nicht besuchen konnte, ist es für sie schwer auszuhalten, wenn sie stillstehen muss.“

Im Verein sind circa 45 Personen, die regelmäßig mit ihren Hunden an Trainings teilnehmen, soweit das momentan unter Corona-Bedingungen erlaubt ist. Nicht alle kommen aus Plettenberg wie Tanja Cordt oder aus Herscheid, wo sich der Trainingsplatz befindet, sondern auch aus Kierspe, Meinerzhagen, Attendorn oder Neuenrade.

Durch Corona leidet die Geselligkeit im Verein insgesamt, sagt Cornelia Obermann, die mit Mia beim Einzeltraining ist, einer zweijährigen Irish-Setter-Hündin. „Mir fehlt das Vereinsleben“, sagt Obermann. „Man freut sich immer auf die anderen und darauf, dass die Hunde miteinander spielen können.“

Partnerschaftliches Hundetraining

Das können sie in der kleinen Besetzung nur sehr bedingt. Da bietet der Besuch eines Reporters eine Abwechslung beziehungsweise eine Ablenkung. Besonders Mia, die sich sonst so diszipliniert verhält, ist sehr neugierig und hört nicht immer auf Anhieb, möchte stattdessen die Kamera genauer inspizieren. Da muss Besitzerin Cornelia Obermann ihre Hündin schon ein paarmal zurückrufen, doch wenn sie dann gehorcht, gibt es auch wieder ein Leckerchen zur Belohnung.

Die Kommandos an die Hunde wirken keinesfalls hart oder zurechtweisend, sondern ermutigend und immer freundlich. „Wir machen ein gewaltfreies, partnerschaftliches Training“, erklärt Tanja Cordt das Konzept. Alles, was ohne Zwang geschehe, machten die Hunde gerne. „Tier und Mensch sollen beide Spaß daran haben.“

Trainerkollegin Susanne Dimter ergänzt: „Sodass sie am Ende eine schöne Einheit aus Hund und Mensch bilden.“ Das CD im Namen der Hundeschule steht übrigens für die Nachnamen der Schwestern Tanja Cordt und Steffi Dattoli, die ebenfalls zum Trainerteam gehört. Inzwischen könne das D aber ebenso für Dimter stehen.

Der Bereich Mantrailing und Fährtenarbeit, auf den Steffi Dattoli spezialisiert ist, kann momentan wegen Corona nicht angeboten werden. „Dabei kommt man sich zum Teil sehr nahe“, erklärt Cordt. Aber das Mantrailing ist nicht der einzige Trainingsbereich der von den Einschränkungen betroffen ist. Auch der Hundesport Agility sei nicht durchführbar, da Mindestabstände nicht eingehalten werden könnten, wenn die Hunde dicht hintereinander durch einen Parcours laufen.

Doch ganz auf einen Parcours muss auch im Einzeltraining nicht verzichtet werden, nur ist immer nur ein Hund mit Herrchen dabei unterwegs und es geht etwas langsamer zu. Dabei geht es unter anderem um Beweglichkeit – zum Beispiel, dass die Hunde die Beine richtig nach oben nehmen, wenn sie über bunte Schaumstoffstangen laufen, oder dass sie lernen, sich beim Slalom um Stangen und Hütchen herum auch immer ein Stück vom Herrchen zu entfernen.

Die siebeneinhalb Monate alte Jana von Trainerin Susanne Dimter ist beim Gang durch den Tunnel noch sehr unruhig.

Übungsvideos als Ergänzung 

Das Training in kleiner Besetzung hat auch gewisse Vorzüge. Christian Benz, der mit seiner sechsjährigen Yorkshire-Terrier-Dame Cleo trainiert, weiß das zu schätzen: „Einzeltraining ist von Vorteil, weil sich die Trainerin mehr um einen kümmern kann.“ Und das Training auf dem Platz ist nicht alles. „Die Trainerinnen schicken uns Videos zu Übungen, die wir zuhause machen können“, sagt Benz. Dazu gehören etwa Suchspiele oder Anti-Giftködertraining.

Dass sich im Einzeltraining besser auf die komplette Situation eines Hundes eingehen lässt, bestätigt auch Cordt. Geübt werden zum Beispiel Begegnungen: Die Hunde müssen sich, wenn sich die Menschen in ein paar Metern Abstand begegnen und begrüßen, still und ruhig verhalten. Sie machen dann Platz hinter Herrchen oder Frauchen oder neben ihnen Sitz. Es geht darum, den Hunden Gelassenheit beizubringen, also insbesondere andere Hunde zu tolerieren.

Training in größerer Gruppe von Vorteil

In einer größeren Gruppe ließe sich das eigentlich besser trainieren als im Privattraining, erklärt Tanja Cordt: „Es ist gut, wenn Hunde auch in einer Gruppe trainieren können und dadurch die Akzeptanz von anderen Hunden lernen.“ Hunde müssten es zum Beispiel aushalten, wenn sie selbst mal sitzenbleiben müssen, während ein anderer Hund in der Nähe herumläuft oder durch den Parcours geführt wird. Auch das lässt sich in der Minimalbesetzung nur bis zu einem gewissen Punkt trainieren.

„Wenn man nur einzeln Training hat, hat der Hund keine Ablenkung oder zu wenige“, erklärt die Hundetrainerin. „Wann hat man das draußen schon? Wenn man in der Stadt oder im Wald mit dem Hund unterwegs ist, gibt es immer Ablenkungen oder man begegnet Menschen und anderen Hunden.“ Und die beste Vorbereitung darauf ist eben das Training in einer größeren Gruppe. Wann das wieder möglich ist, wird sich wohl erst nach der Winterpause zeigen. 

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