Alkoholrausch kostet Plettenberger 4000 Euro

Ziemlich teures Vergnügen...

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Plettenberg -  Es ist nicht immer einfach, ein gerechtes Urteil zu fällen, wenn man dem Angeklagten schon in den ersten Sekunden der Verhandlung anmerkt, wie sehr er das bereut, was er getan hat. So eine Situation ergab sich am Dienstagvormittag vor dem Plettenberger Amtsgericht.

Angeklagt war ein 33-jähriger Eventmanager aus Plettenberg, der sich in einer Septembernacht letzten Jahres ziemlich daneben benommen hatte, was er auch vor Gericht mit keiner Silbe abstritt.

Im Gegenteil, schon zu Beginn der Verhandlung bekundete er, wie leid ihm das alles tue, und dass es „der größte Fehler seines Lebens“ gewesen sei, was er sich in der Nacht geleistet habe. Die Anklage lautete wie folgt: Der junge Mann hatte nach einer Familienfeier seine Taxifahrt, die 6,90 Euro kostete, nicht bezahlt, weshalb die Polizei verständigt worden war. 

Zwei Polizeikommissare standen wenig später vor der Haustür des Angeklagten, die von seiner Freundin geöffnet worden war. Der stark alkoholisierte Plettenberger beschimpfte die Beamten im Verlauf des Gespräches mit homophoben Beleidigungen und dem Begriff „Hampelmänner“ mehrfach, außerdem wurde er handgreiflich und wehrte sich so massiv gegen die beiden Polizisten, dass einer der beiden unter anderem eine Handzerrung davontrug.

„Es tut mir wahnsinnig leid, ich habe mich auch schon bei allen Beteiligten persönlich entschuldigt. Ich habe mir ein massives Fehlverhalten geleistet – das war der größte Fehler meines Lebens.“, so der junge Mann reumütig.

 Er sei in einer Ausnüchterungszelle aufgewacht, habe sich kaum an die vergangenen Nacht erinnern können. „Ich bin so eigentlich nicht, dieses Verhalten ist mir vollkommen fremd. Ich bin eigentlich ein sehr pflichtbewusster Mensch, deshalb war auch mein erster Gedanke: Wer füttert meine Pferde?“, so der Plettenberger, der mittlerweile immer verzweifelter aussah. Außerdem erwähnte er, dass er keinesfalls homophob sei, solche Äußerungen also nicht zu ihm passen würden.

„Ich habe an dem Abend noch mit meinem schwulen Onkel getanzt und mit ihm Schnaps getrunken. Das passt alles nicht zusammen!“ Richterin Sonja Elle unterbrach den aufgelösten Mann schließlich: „Also kann ich ihre Aussage als Geständnis werten?!“, woraufhin der 33-Jährige erwiderte: „Ja. Auf jeden Fall. Ich vermute, dass das alles genau so passiert ist. Ich glaube den Polizisten und auch meiner Freundin, schließlich hatte ich ja auch Blessuren – die müssen ja irgendwo hergekommen sein. Deshalb will ich für all das gerade stehen und eine gerechte Strafe dafür bekommen!“ 

Die Staatsanwältin forderte schließlich in ihrem Plädoyer eine Geldstraße von 50 Tagessätzen zu jeweils 80 Euro. Strafrechtlich bisher nicht aufgefallen Zugunsten des Angeklagten erwähnte sie, dass er bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, sich geständig eingelassen habe und Reue zeige. Dennoch habe er sich strafbar gemacht und dem Polizeibeamten erhebliche Verletzungen zugefügt, da der Beamte schließlich auch eine Woche lang dienstunfähig war.

 „Ich nehme das so hin!“, waren die letzten Worte des Angeklagten, bevor Richterin Sonja Elle schließlich zum Urteilsspruch kam. „Ich habe der Vertreterin der Staatsanwaltschaft eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Sie sehen, dass wir beide gerade etwas gerechnet haben – auch ich bin auf diese 4000 Euro gekommen, die Strafe berechnet sich nach ihrem monatlichen Nettoeinkommen“, begründete sie hinterher ihr Urteil.

„Ich nehme Ihnen ab, dass Ihnen alles leid tut, dennoch haben Sie sich strafbar gemacht und ich denke, dass diese Geldstrafe ein faires Urteil ist“, so Elle. Der 33-Jährige entschuldigte sich am Schluss noch einmal bei den geladenen Zeugen – unter ihnen die zwei Polizisten, die die Entschuldigung annahmen. 

So könne er nun endlich mit dieser Sache abschließen, so waren seine Worte zum Schluss, was ihm sicherlich auch jeder Einzelne im Gerichtssaal wünschte, denn – diese Verhandlung zeigte wieder einmal, dass Menschen durchaus Fehler machen, diese Fehler aber in den meisten Fällen wieder gutgemacht werden können – wenn man sie auch wirklich bereut und sich auch darum bemüht, sie wieder ausbügeln zu wollen.

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