1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

„Ziemlich blamabel“: Ratsherr rügt Plettenberg für schleppenden Brückenbau 

Erstellt:

Von: Georg Dickopf

Kommentare

An dieser Stelle der Wallumgehung  ist seit 14 Jahren eine Fußgängerbrücke geplant. Wann sie gebaut wird, ist weiter offen.
An dieser Stelle der Wallumgehung ist seit 14 Jahren eine Fußgängerbrücke geplant. Wann sie gebaut wird, ist weiter offen. © Dickopf, Georg

Wir schreiben das Jahr 2007, als der damals 66-jährige CDU-Ratsherr Klaus Ising eine Fußgängerbrücke forderte, mit der die Wallumgehung fußläufig an die Kaiserstraße angebunden und mit der der Parkdruck dort gesenkt werden sollte.

Plettenberg - Es war das Jahr, in dem Tony Blair in England zurücktrat, Henry Maske seinen Revanche-Kampf gegen Virgil Hill gewann, der Sturm Kyrill in Deutschland tobte und das letzte Buch der Harry-Potter- Reihe erschien.

Der Antrag von Klaus Ising wurde vor 14 Jahren und auch den folgenden Jahren mehrfach abgelehnt. Doch ein erneuter CDU-Antrag im Jahr 2017, der weiter zunehmende Parkdruck an der Kaiserstraße und ein für das Vorhaben aufgeschlossener Bürgermeister Ulrich Schulte brachten zehn Jahre nach dem ersten Vorstoß viel Bewegung in die Sache – die Brücke sollte nun tatsächlich gebaut werden. Entsprechende Mittel wurden bereits 2018 in den Plettenberger Haushalt eingestellt. Zusätzlich sollten Fördermittel genutzt werden – Stichwort Stadtkante.

Mitte Februar 2019 titelte die Heimatzeitung, die das Vorhaben zwischenzeitlich in Ising-Brücke getauft hatte, dass die besagte Brücke noch in 2019 gebaut werde. Im Planungs- und Umweltausschuss sicherte Bauamtsleiter Sebastian Jülich auf Nachfrage von Dörte Kaul der Seniorenvertretung eine Umsetzung noch im gleichen Jahr zu. Dies bestätigte seinerzeit auch Bürgermeister Ulrich Schulte, der betonte: „Wir werden das dieses Jahr umsetzen, auch ohne Förderung.“

Statik-Probleme

Zeitsprung: Wir schreiben das Jahr 2021. Es steht wieder eine Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses an. Unter Punkt Verschiedenes sagt Klaus Ising, mittlerweile das älteste Ratsmitglied, dass die Brücke eigentlich bis zum Jahr 2020 umgesetzt werden sollte. „Wird das jetzt was bis 2021?“, wollte er von Sebastian Jülich wissen.

Der antworte: „Ich fürchte nicht.“ Es gebe noch Probleme mit der Statik der Stützmauer und Abstimmungsbedarf mit Straßen.NRW als Baulastträger. Man könne die Brücke „nicht einfach oben drauf legen“.

Klaus Ising, der ansonsten eher für moderate Äußerungen bekannt ist, platzte in dem Moment der Kragen. „Sie sind schon sehr lange dran für dieses kleine Objekt. Es ist ziemlich blamabel, wie Sie diesen Punkt behandeln“, sagte das älteste Ratsmitglied in Richtung des Bauamtsleiters. Im Nachgang ließ der CDU-Ratsherr die Redaktion wissen, dass er den Begriff Ising-Brücke selbst nicht besonders mag, weil es ein Paradebeispiel für eine langatmige Planung sei, die mit seinem Namen in Zusammenhang stehe.

Im Nachgang zu der Sitzung, die am 8. September stattfand, fragte die Heimatzeitung bei Straßen.NRW nach, warum die Statik der Stützmauer weiterhin Probleme bereite und ob die Verzögerung beim Landesbetrieb zu suchen sei.

Die Antwort von Sprecherin Julia Ollertz lautete wie folgt: „Die Planungen werden nicht von Straßen.NRW verzögert. Im Februar wurden der Stadt Plettenberg Unterlagen zu der Stützwand übergeben. Da es seitdem keine weiteren Anfragen dazu gab, sollte die Stadt Plettenberg aktuell in der Planungsphase sein.“

Planung bei der Stadt

Zu weiteren Fragen könne man sich nicht äußern, da man über kein Detailwissen verfüge. „Die Planung liegt aktuell bei der Stadt“, so Ollertz abschießend.

Damit konfrontierten wir Sebastian Jülich, um zu erfahren, warum über sechs Monate lang offenbar nicht weitergeplant wurde und warum bis heute nichts passiert sei. Zudem wollte die Heimatzeitung wissen, ob auch eine Gerüstbrücke, wie sie beim P-Weg-Wochenende an einem Tag aufgebaut wird, nicht Abhilfe schaffen könnte. Eine heimische Gerüstbaufirma hatte auf Anfrage erklärt, dass man eine selbsttragende und vergleichsweise kostengünstige Fußgängerbrücke liefern könne, bisher aber von der Stadt nicht angefragt worden sei.

Der städtische Bauamtsleiter ließ die Heimatzeitung dazu nach schriftlicher Anfrage wissen, dass der Entwurf einer Brücke aus Gerüstelementen bekannt sei. Ob eine solche Umsetzung auch dauerhaft möglich sei, müsse noch geklärt werden, da die Gerüstelemente unter anderem auch gegen Vandalismus gesichert werden müssten.

Bis wann dies geklärt werde, ließ er offen. Die Fragestellung sei aber eine andere, denn die bislang angedachte Konstruktion müsse auf die Stützmauer aufgelegt werden. Dafür benötige man einen statischen Nachweis ebendieser Stützwand. Dies gelte sowohl für eine selbsttragende Gerüstbrücke als auch eine andere Bauart.

Weiter führte Jülich an, dass die Betonkappe, auf der die Brücke zu liegen komme, mit einer Betonaufkantung versehen sei, auf der derzeit das Geländer befestigt sei. Beides müsse speziell angepasst werden. Damit die Brücke ohne Stufe begehbar sei, müsse die Aufkantung der Stützmauer im Brückenbereich entfernt werden.

Dazu laufe derzeit die Planung – konkret nannte Jülich hier die Anfrage, Vergabe und Beauftragung der Planungsleistungen/Statik und der Grundlagenermittlung vor Ort sowie die statische Berechnung. Diese Planung benötige auch bei externer Vergabe seine Zeit. In dem Zusammenhang verwies Jülich auf eine Reihe weiterer Baumaßnahmen. Der Bau der Elsebrücke an der Wallumgehung ist laut Jülich Bestandteil der Isek-Förderung mit einem Fördersatz von 60 Prozent. Die Brücke würde in einer Aluminiumkonstruktion rund 40 000 Euro kosten. Hinzu kämen Kosten für die Planung und die Anpassung der Stützmauer. Abschließend gab Jülich zu verstehen, dass es einen Termin für den Bau der Brücke noch nicht gebe.

Auch interessant

Kommentare