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Erdgeschichte erforschen: Geologie-Studenten durchstreifen heimische Wälder

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Von: Dirk Grein

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Für den ungeübten Blick wirkt das Gestein unauffällig. Doch für die Geologie-Studenten bietet es viele wichtige Informationen.
Für den ungeübten Blick wirkt das Gestein unauffällig. Doch für die Geologie-Studenten bietet es viele wichtige Informationen. © Wiechowski, Jona

Vielen Plettenbergern ist es vermutlich nicht bewusst, aber das heimische Ebbegebirge ist eines der interessantesten geologischen Gebiete des Rheinischen Schiefergebirges. Daher wird es in diesen Tagen erneut von einigen Studenten genau untersucht.

Plettenberg - Dieses Interesse verdankt das Ebbe insbesondere der Tatsache, dass hier auf eng begrenztem Raum so viele eindrucksvolle Zeugnisse aus der Erdgeschichte zu finden sind, die es erlauben, die Entstehung des Gebirges und regional des Sauerlandes lückenlos über nahezu 200 Millionen Jahre zu verfolgen.

Die fesselnde Zeitreise des Landschaftsraums beginnt vor rund 500 Millionen Jahren im Zeitalter des Ordoviziums. Ältestes Dokument aus dieser Zeit und zugleich das älteste Gestein des gesamten rechtsrheinischen Schiefergebirges ist der nur in Plettenberg vorzufindende, aber weit über die Grenzen Deutschlands hinaus in der Fachliteratur bekannte Plettenberger Bänderschiefer.

Damals befand sich der Ebberaum in der Nähe des Südpols, vor einem Avalonia genannten kleinen Kontinent. Angetrieben durch tektonische Kräfte driftete dieser Kontinent über die Jahrmillionen nach Norden in den Bereich des Äquators.

Von der Sundhelle bis Weiße Ahe in Herscheid: Diese Karte zeigt das Aufgabengebiet der Studenten.
Von der Sundhelle bis Weiße Ahe in Herscheid: Diese Karte zeigt das Aufgabengebiet der Studenten. © Karte: Prof. Dr. Martin Wiesner

Dabei lag das Gebiet zumeist unter Meeresbedeckung und durchlief mehrere Klimazonen, verbunden mit Meeresspiegelveränderungen und Vulkanausbrüchen. Dadurch kam es im Meeresraum zu verschiedenartigen Ablagerungen von Ton und Sand bis Kalk und vulkanischer Asche.

Durch die Kollision Avalonias mit dem Großkontinent Gondwana vor etwa 300 Millionen Jahre wurden die zu Tonstein, Sandstein, Kalkstein und Vulkanit verfestigten Ablagerungen aufgefaltet und auf eine Höhe von wahrscheinlich fünf Kilometern herausgehoben. Die anschließende Verwitterung trug das Gebirge ab und formt bis heute die Landschaft des Ebberaums. All diese Veränderungen lassen sich an den Gesteinen, die im Plettenberger Gebiet auftreten, ablesen.

„Diese Vielfalt hat dazu geführt, dass Studierende der Universität Hamburg das Ebbegebiet seit vielen Jahren zu Ausbildungszwecken regelmäßig besuchen“, erklärt Prof. Dr. Martin Wiesner, vom Institut für Geologie der Universität Hamburg. Dieses Jahr werden insgesamt 16 Studierende vom 23. Juli bis 3. August teilnehmen. Deren Aufgabe ist es, in Dreiergruppen in Gebieten von jeweils etwa drei Quadratkilometern Größe zwischen Sundhelle und Weiße Ahe die Verbreitung der Gesteine zu bestimmen und daraus eine Karte anzufertigen.

Dazu werden sich die Studierenden nicht nur auf den Wegen aufhalten, sondern auch die bewaldeten Gebiete betreten. Die Regionalforstämter Märkischer Kreis und Kurköln sind informiert, ebenso die entsprechenden Fachdienste der Stadt Plettenberg und der Gemeinde Herscheid. Die Universität Hamburg möchte auf diesem Weg insbesondere die Öffentlichkeit sowie die betroffenen privaten Waldeigentümer und Forstbetriebsgemeinschaften über die Ausbildung unterrichten.

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