„Einer, der für immer fortgeht – das schmerzt“ 

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Vor der umgesetzten Gedenkstelle im Böhler Park sprach Bürgermeister Ulrich Schulte anlässlich des Volkstrauertages.

Plettenberg – Die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft standen am Volkstrauertag im Mittelpunkt. Dazu gab es Gedenkveranstaltungen in Plettenberg, Ohle, Eiringhausen, Landemert und dem Oestertal.

Bei der zentralen Gedenkfeier an der Böhler Kirche konnten Bürgermeister Ulrich Schulte und Pfarrer Patrick Schnell Abordnungen der Schützenvereine Grüne und Sundhelle, der PSG, der Feuerwehr sowie der Reservistenkameradschaft begrüßen. „Der Volkstrauertag ist ein Gedenktag, mit dem viele Menschen in unserer heutigen Gesellschaft nichts mehr anzufangen wissen, weil sie den Sinngehalt dieses Tages nicht kennen“, betonte Schulte eingangs. 

Doch der Tag sei keineswegs ein Relikt des 20. Jahrhunderts, sondern habe seine Bedeutung. Vor allem angesichts von über 55 Millionen getöteten Menschen allein im 2. Weltkrieg. Das Stadtoberhaupt zitierte in dem Zusammenhang Antoine de Saint-Exup´ery: Hunderttausende Tote, das ist eine Statistik. Aber einer, der fortgeht und nicht wiederkommt, das schmerzt – das ist viel mehr.“ Schulte erinnerte an Millionen Frauen, die nach dem Tod ihres Mannes Not litten und die Kinder alleine erziehen mussten. „Millionen Kinder haben ihren Vater nie kennengelernt und mussten ohne ihn aufwachsen. Millionen starben an den Kriegsfolgen, in den KZs oder als Zwangsarbeiter“, so Schulte. 

„Der Volkstrauertag unserer Zeit ist kein Heldengedenktag, denn nicht Kriegshelden stehen im Mittelpunkt, sondern die Kriegsopfer, die Opfer von Gewalt und Terror.“ Im Rahmen der Gedenkfeier wies der Bürgermeister auf eine Neuerung hin. So sei in Absprache zwischen Stadt und evangelischer Kirchengemeinde die Gedenkstele für alle Kriegsheimkehrer von der Christuskirche zum Böhler Friedhof versetzt worden. „Ich gebe zu, dass dies nicht bei allen Plettenbergern auf Zustimmung gestoßen ist, aber der heutige Tag zeigt, dass die Platzwahl gerechtfertigt war“, so Schulte.

 Pfarrer Patrick Schnell erinnerte in seiner Ansprache an einen Besuch in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem. In einer labyrinthartigen Anordnung von Mauern habe es auch eine Mauer gegeben, auf der die Stadt Plettenberg erwähnt wurde, als Stadt, von der aus Juden ins KZ geschickt wurden. „Wir haben dort einen Kranz für die Opfer von Gewalt hinterlegt“, so Schnell zu dem sehr bewegenden Besuch.

Pfarrer Schnell weiter: „Ich erinnere an die junge Frau, von der wir vor einiger Zeit lesen konnten, die als Opfer von Menschenhändlern zur Prostitution gezwungen worden war – eine von vielen ansonsten namenlosen Frauen. Oder an die Opfer sexualisierter Gewalt insgesamt, der Kinderporno-Skandal von Enschede oder der in diesen Bereich gehörende jüngste Verdacht gegen einen Mitbruder offenbaren auch hier einen erschreckenden und beschämenden Zustand unserer Gesellschaft!“

 Schnell betonte, dass er sich gar nicht vorstellen wolle, „was es bedeuten mag, mit der Erinnerung an erlebte Gewalt bzw. Erniedrigung leben zu müssen.“ Am gestrigen Montag wurde im Bistum Essen zum zweiten Mal ausdrücklich ganz besonders dieser Opfer gedacht. Abschließend betonte Schnell folgendes: „Solche Gedenktage sollen uns ermahnen, dass für Gewalt gegen Menschen, in welcher Form auch immer, bei uns kein Platz sein darf, übrigens auch nicht dafür, sich an solcher Gewalt gleichsam passiv im Internet zu ergötzen.

Musikalisch umrahmt wurde die neben den Abordnungen von gut zwei Dutzend Bürgern besuchte Gedenkstunde vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr unter Leitung von Sebastian May, der zum Abschluss der Gedenkveranstaltung das Stück „Ich hatte einen Kameraden“ spielte.

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