Frühlingszeit heißt Zeckenzeit

Zeit der „Minivampire“

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Plettenberg - Sie lauern in Gebüschen und hohen Gräsern, warten geduldig bis eine neue Mahlzeit in ihre Nähe kommt und wenn sie zubeißen, sind sie nicht nur lästig, sondern auch gefährlich. Zecken sind gerade jetzt im Frühling überall – auch in der Vier-Täler-Stadt.

Kaum sind die ersten Temperaturen über acht Grad Celsius geklettert, wachen die Zecken aus ihrer Winterstarre auf. Spezielle Vorlieben haben die „Minivampire“ bei der Nahrungssuche nicht. „Von Zeckenbefall sind alle Tiere betroffen, die draußen frei herumlaufen können“, erklärt die Fachtierärztin für Chirurgie, Dr. Petra Knauff-Zöllner, Inhaberin der Plettenberger Kleintierpraxis. Zecken bleiben oft unbemerkt, genauso wie die Krankheiten, die sie bei Tier und Mensch auslösen. Die einzige Zecken-Krankheit, gegen die man seinen Vierbeiner impfen lassen kann, ist die Borreliose und wie immer heißt es: Vorsicht ist besser als Nachsicht, denn Symptome einer Borreliose-Erkrankung im Nachhinein zu erkennen sei unglaublich schwer. „Es gibt keine klassischen Lehrbuchsymptome, auf die man achten könnte“, verdeutlicht Knauff-Zöllner. Bei vielen Hunden wird die Erkrankung erkannt, ohne dass der Vierbeiner oder der Halter etwas davon mitbekommen. Erst nach Wochen zeigen sich Symptome wie Fieber oder angeschwollene Gelenke. Damit es gar nicht erst zu Infektionen kommt, gibt es die verschiedensten Zeckenvorbeugungen. „Wie man sein Tier am besten schützt, ist von Halter zu Halter unterschiedlich“, stellt Knauff-Zöllner klar. Bei besonders großen Hunden seien vor allem Halsbänder, die die Zecken abhalten sollen, sehr beliebt. Sie hielten lange und seien preisgünstig.

 Neben sogenannten „Spot-Ons“ (Medikamente in flüssiger Form), die dafür sorgen, dass die Zecken sich nicht in die Nähe des Tieres begeben, gibt es auch noch die Möglichkeit, Tabletten anzuwenden. „Tabletten haben eine gute Wirkung, halten die Zecken aber nicht vom festbeißen ab“, erklärt Knauff-Zöllner. Sobald sich die Zecke an der Haut des Tieres festsetzt, wirken die Medikamente, und die Zecke fällt direkt ab. Davon, zu Optionen aus Baumärkten oder Tierfutterläden zu greifen, rät Knauff-Zöllner stark ab, „lieber beim Tierarzt vorbeischauen und sich ein Rezept geben lassen.“ Bei denen gäbe es zumindest die Versicherung, dass sie wirken. Aber nicht nur Tiere haben unter den Zecken zu leiden, auch Menschen stehen auf der Speisekarte der Blutsauger. Gerade wenn in Gärten und Parks ausgedehnte Spaziergängeunternommen werden, wird das Risiko eines Zeckenbefalls unterschätzt. Kommt es dann trotzdem zu einem Zeckenbiss, sollte schnell gehandelt werden. „Bei Ringbildung um den Biss heißt es, dass der Körper auf das Tier reagiert“, meint Apothekerin Annemarie Hese von der Wieden-Apotheke. Ein Gang zum Arzt wird dann dringend empfohlen, am besten nimmt man den Blutsauger direkt mit. „Der Hausarzt nimmt eine Blutprobe und schickt sie ein, um zu überprüfen, um was es sich bei der Infektion handeln könnte“, so Hese. Neben Borreliose können Menschen durch den Zeckenbiss auch an einer Hirnhautentzündung (FSME) erkranken. FSME zu behandeln ist schwierig, deswegen sollte die Möglichkeit, sich vorher impfen zu lassen, unbedingt wahrgenommen werden. Vorbeugemaßnahmen, die Hese empfehlen kann, sind neben speziellen Sprays, die wie Insektenschutz wirken, auch die Wahl der „richtigen“ Kleidung: „Lange Ärmel, Socken über die Hose ziehen und nach Spaziergängen immer abtasten.“ Doch was tun, wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eine Zecke den Weg unter die Kleidung oder unters Fell gefunden hat? Das Prozedere bleibt bei Mensch und Tier gleich: „Zum Entfernen sind Zeckenkarten oder -pinzetten sehr praktisch“, erklärt Hese. Beim Entfernen der Zecke gilt: Übungssache. „Immer etwas drehen beim entfernen, bloß nicht rausreißen und so nah wie möglich am Kopf packen“, unterstreicht Knauff-Zöllner. Packt man die Zecke zu weit oben oder reißt sie mit starkem Zug raus, schüttet sie schädliche Krankheitserreger aus. 

Und was ist, wenn der Kopf noch drin steckt? Knauff-Zöllner: „Es wäre gut wenn der Kopf nicht drin bleibt“. Es könnte zu Entzündungen kommen, bei Tieren kommt es häufig dazu, dass sie anfangen an der Wunde zu beißen. In solchen Fällen muss oft der Haus- oder Tierarzt aufgesucht werden. Wenn aber am Ende auch die letzten Spuren der Blutsauger verschwunden sind, heißt es: Wunde beobachten, Heilsalbe auftragen und sich in Zukunft besser vor den lästigen „Minivampiren“ schützen.

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