Unwissenheit schützt nicht vor der Konsequenz

„Wussten nicht, dass es ein Kampfhund ist“

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Staffordshire Terrier

Plettenberg - Nachdem das Ordnungsamt der Stadt Plettenberg in dieser Woche vermeldet hatte, dass sie einen Kampfhund wegnehmen mussten, meldete sich die Besitzerin bei der Heimatzeitung zu Wort.

„Wir wussten nicht, dass es ein Kampfhund ist. Er wurde uns als Labrador-Boxer verkauft“, versichert Sedef Kanik, die Besitzerin des Hundes. Die 25-Jährige hätte ihren Hund „Meilo“ vor drei Jahren im Internet gesehen und den acht Wochen alten Welpen dann in Lippstadt gekauft.

Danach habe sie diesen bei der Stadt angemeldet und beim Tierarzt chippen lassen. „Der Tierarzt hatte keine Einwände bei der Rasse“, meint Sedef Kanik. Ein paar Wochen später sei allerdings das Ordnungsamt auf sie zugekommen, das man erfahren habe, dass Sedef Kanik einen Staffordshire Terrier habe, also einen Kampfhund und sie diesen abgeben müssten.

Nachdem es Anfang 2000 mehrere Vorfälle mit Kampfhunden gegeben hat, wurde das Landeshundegesetz eingeführt. Es sei erwiesen worden, dass diese Hunderassen eine niedrigere Reizschwelle als andere Hunde hätten und eine stärkere Beißkraft.

Nach der Benachrichtigung der Stadt habe Sedef Kanik zum Kreisveterinäramt in Lüdenscheid fahren müssen, wo eine vorläufige phänotypische (anhand des Erscheinungsbildes und Verhaltensmerkmalen) Bestimmung stattfand. Zudem habe man dem Ordnungsamt die Unterlagen zum Hundekauf gegeben. Die Stadt habe ihr dann jedoch gesagt, bei der angegebenen Adresse sei niemand vorzufinden.

Hund sollte bis Juli angegeben werden

„Ich habe dem Ordnungsamt angeboten, dass ich den Hund abgeben würde, bis ich die Voraussetzungen erfülle, wenn ich Meilo dann wieder bekomme“, schildert Sedef Kanik. Das habe man ihr jedoch nicht versprechen können und der Anwalt, den die 25-Jährige mittlerweile eingeschaltet hatte, habe ihr geraten, sie solle erst einmal nichts unternehmen.

Im März habe ihr Anwalt jedoch mitgeteilt, dass es keinen weiteren Zweck habe, weiter zu verhandeln. Das Gerichtsverfahren zum Kampfhund wurde durch einen Beschluss eingestellt. Es folgte ein neues Schreiben vom Ordnungsamt, dass Sedef Kanik den Hund bis Juli abgeben müsse, da das Ordnungsamt den Hund sonst holen müsse. „Danach wollte ich den Hund selbst vermitteln. Ich wollte nicht, dass er ins Tierheim kommt. Er ist so sensibel, da wäre er untergegangen“, schildert die Plettenbergerin. Im Juli sei sie deshalb zu einer Vermittlungsstelle für Staffordshire in Köln gefahren. Es sei allerdings kein reinrassiger Stafford, sondern ein Stafford-Boxer. Bis zur Vermittlung wollte sie, dass der Hund bei ihr bleibt. Am vergangenen Montag kamen jedoch das Ordnungsamt und die Polizei, um den Hund abzuholen.

„Wir haben alles versucht, um unseren Hund zu behalten“, sagt die 25-Jährige unter Tränen im ST-Gespräch. Schließlich haben sie und ihre Familie Meilo ins Herz geschlossen. Sie sei auf den Verkäufer reingefallen.

Da derzeit ein Bußgeldverfahren gegen die Besitzerin läuft, kann sich das Ordnugnsamt noch nicht öffentlich zu dem Fall äußern. Generell zum Thema Kampfhunde sagen Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel und seine juristische Mitarbeiterin Dr. Anja Gräve: „Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung. Deshalb sind die Anforderungen zur Anschaffung auch höher.“ Generell sei es richtig, dass Besitzer das Tier nicht wieder bekommen können, da man nicht mehr als zuverlässig gelte, wenn man gegen die Anforderungen verstoßen habe. Unwissenheit schütze nicht vor Strafe, da man sich bevor man einen Hund anschaffe auch zuvor genau informieren müsse. „Wir sehen uns im Ordnungsamt als Berater. Wer sich einen Hund anschaffen möchte, kann sich vorher gerne bei uns informieren, welche Nachweise zu erbringen sind. Wir nehmen uns Zeit und vereinbaren einen Termin“, sagt Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel. So könne es nicht zu einer solchen Fehlentwicklung kommen. Leider gebe es immer wieder solche Fälle, in denen die Käufer reingelegt würden, aber es käme auch öfter vor, dass die Leute genau wüssten was sie kaufen und die falsche Rasse anmelden würden.

Ordnungsamt berät auch im Vorfeld

Die Wegnahme sei die letzte Option, da der Besitzer zuvor die Möglichkeit bekomme, das Tier selbst abzugeben. „Es macht uns keine Freude, aber es ist unsere Pflicht“, erklärt Spiegel. Zudem sei es grob fahrlässig, keinen Versicherungsschutz zu haben, selbst wenn die Chance bestehe, dass man den Hund nicht behalten dürfe. Nicht nur der Halter eines illegal und ohne Versicherung gehaltenen Kampfhundes gehe ein zivil- und strafrechtliches Risiko ein, sondern auch die Behörde, wenn sie trotz Kenntnis nicht entziehe.

Wenn man einen Kampfhund aus einem Tierheim aufnehme, könne das eine gute Sache sein, aber auch dann müsste man sich vorher erkundigen und die Voraussetzungen erfüllen.

Zucht von Kampfhunden verboten

Die Auflagen um einen „gefährlichen Hund“, wie er im Landeshundegesetz bezeichnet wird, zu halten, sind im Vergleich zu „normalen“ Hunden sehr hoch. Zum Beispiel muss schon im Vorfeld ein Antrag auf die Haltungserlaubnis gestellt werden, ein Führungszeugnis des Besitzers ist unter anderem notwendig, sowie ein Versicherungsnachweis mit Rassenangabe.

 Außerdem dürfen in der Regel nur Kampfhunde, die aus dem Tierheim kommen gehalten werden, um diese zu entlasten (öffentliches Bedürfnis). Die Zucht von Kampfhunden ist zudem in Nordrhein-Westfalen verboten.

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