Problemfall Dura-Gelände

Wird riesige Industriebrache zum ökologischen Modellprojekt?

Makler Ralf Beßler mit den Plänen für die Vermarktung des Dura-Areals in Plettenberg.
Die Dura-Flächen in Selbecke hat er bereits erfolgreich veräußert.
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Makler Ralf Beßler mit den Plänen für die Vermarktung des Dura-Areals in Plettenberg. Die Dura-Flächen in Selbecke hat er bereits erfolgreich veräußert.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren gingen in den Dura-Werken in Plettenberg und Selbecke die Lichter aus. In Plettenberg endete eine 135-jährige Geschichte, knapp 90 Jahre am Standort Königstraße, als der einst größte Arbeitgeber der Stadt, die heutige Firma Dura, für immer seine Tore schloss

Plttenberg - Doch was passiert nun mit dem riesigen Firmenareal in Plettenberg? Das Angebot der Stadt Plettenberg, das rund zehn Hektar große Gelände für einen symbolischen Euro zu übernehmen, lehnten die Verantwortlichen ab. Doch auch wenn die Stadtverwaltung aus dem Rennen um die Übernahme ist und es auch laut Bürgermeister Ulrich Schulte „nichts Neues gibt“, hält der Immobilienmakler Ralf Beßler die Plettenberger Fahne hoch und setzt sich für die Vermarktung der Flächen an heimische Betriebe ein. Auch sollen weiterhin die Interessen der Stadt Plettenberg Berücksichtigung finden, wenn es etwa um die beabsichtigte Renaturierung der Oester geht.

Interessent für Dura-Parkplatz

„Ich bin mir sicher, dass ich bis Ende des Jahres mit den Interessenten alles geregelt habe. Und wenn die Bezirksregierung und die Stadt ähnlich schnell arbeiten, dann wissen wir Ende des Jahres mehr“, sagt Beßler, der konkrete Anfragen von einer Handvoll namhafter Plettenberger Industriebetriebe zusammengetragen hat, die Interesse an den Flächen haben. Verbindliche Interessensbekundungen hat der Makler bereits für drei kleinere Hallen, die sich unmittelbar hinter dem Werk II der Firma Langenbach & Köster an der Königstraße befinden. Hier haben ein heimischer Metallfachbetrieb sowie weitere einzelne Personen Interesse bekundet die Hallen erwerben zu wollen. Und auch für den rund 12000 Quadratmeter Dura-Parkplatz an der Königstraße hat Beßler einen Interessenten aus Plettenberg.

Aufgrund der vorherigen jahrzehntelangen industriellen Nutzung des gesamten Dura-Geländes steht eine Veräußerung der Dura-Flächen allerdings unter dem Vorbehalt der Überprüfung etwaiger Altlastenverdachtsfälle und der Abstimmung des Umgangs mit solchen mit den zuständigen Behörden. Dabei steht die Firma Dura – auch im Hinblick auf die geplante Folgenutzung – im engen Kontakt mit der Bezirksregierung Arnsberg. Den Vermarktungsauftrag für die Dura-Flächen erhielt Beßler durch den Chefjustiziar der Dura-Gruppe, Dr. Pierre Glozbach. Den Fuß in die Tür bekam der Makler, in dessen Büro es jüngst einen personellen Umbruch gab, durch den Kauf des Dura-Grundstückes in Kirchhundem-Selbecke. Beßler erwarb das Firmenareal im Juni vergangenen Jahres und verkaufte das Gelände Anfang des Jahres weiter an den Fels- und Forstservice Kühr, ein Dienstleistungsunternehmen aus Kirchhundem. „Mit dem bisherigen Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr bin ich mehr als zufrieden“, sagt der Plettenberger, der mit verkleinerter Mannschaft einige Objekte erfolgreich veräußerte und weitere Projekte in Plettenberg und Umgebung vorantreiben will.

Abriss der großen Hallen

Laut Beßler sehen die neuesten Überlegungen hinsichtlich der Dura-Flächen einen Abriss der großen Dura-Hallen und des Bürotraktes vor. Das Mauerwerk soll vor Ort geschreddert und direkt wieder eingebracht werden, was möglich sei, da sich die Bodenplatte derzeit deutlich unterhalb des Straßenniveaus befinde. Bei kontaminierten Bereichen sei es ohnehin besser und wirtschaftlicher, die Stellen nicht aufzubaggern und freizulegen, sondern abzudecken und zu versiegeln, sagt Beßler. Allerdings stünden die Planungen unter dem Vorbehalt der Abstimmung und Freigabe durch die zuständigen Behörden, namentlich der Bezirksregierung Arnsberg als oberster Aufsichtsbehörde. Entscheidend sei aber auch noch die Frage, wie der hinter dem Firmengelände liegende Oesterbach renaturiert werde und welche Flächen die Stadt dafür benötige. Ursprünglich war die Renaturierung nur in einem Teilabschnitt im rückwärtigen Bereich des Geländes von der Stadt Plettenberg geplant, doch nun könnte das Gewässer auf einem fast 1000 Meter langen Abschnitt renaturiert werden.

Die Vermarktung einiger Hallen auf dem Dura-Gelände läuft langsam an.

Nach einer Ortsbegehung mit Vertretern der Unteren Wasserbehörde des Märkischen Kreises sei die Idee gereift, ein Modellprojekt auf dem Dura-Gelände zu verwirklichen, das landesweiten Vorbildcharakter haben könnte. Aus dem einst bis in den letzten Winkel bebauten Areal würde dann ein moderner Firmenkomplex mit angrenzendem Bachbiotop entstehen, dessen Einrichtung zu 90 Prozent gefördert werde. Anders als bisher soll der Bach dann nicht unterirdisch in Richtung Pförtnerhaus verlaufen, sondern in geschwungenen Linien in Richtung der Straße Unterm Grünen Berg verlegt werden.

Da durch die Renaturierung einige Flächen für die Gewerbebebauung wegfallen, rechnet Beßler noch mit einer verbliebenen Restfläche von gut 40 000 Quadratmetern. Dass Dura das Areal zur Vermarktung noch vor der Sanierung und dem Abriss verkaufe, sei nach derzeitigem Stand unwahrscheinlich. Stattdessen werde das Gelände für die zukünftige Nutzung vorbereitet. „Und wir kümmern uns dann um die Vermarktung und darum, dass hier eine vernünftige Nutzung entsteht“, sagt Beßler, der viel Wert darauf legt, dass die Gewerbeflächen an heimische Unternehmen veräußert werden. Begonnen hat der Makler im Auftrag des Dura-Chefjustiziars bereits damit, die ebenfalls zum Dura-Konzern zählenden Erbbaugrundstücke und sonstigen Liegenschaften zu veräußern.

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