Nach den Beschlüssen

 „Wir machen weiter“: So reagieren die Plettenberger auf die Lockdown-Verlängerung

Bei Mrs. Sporty findet Training derzeit nur online statt.
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Nach Luftsprüngen ist dem Team von Mrs. Sporty derzeit nicht zumute: Mit Online-Angeboten gibt es für die Kundinnen zwar ein Alternativprogramm, doch es bleibt ungewiss, wann und wie ein normales Training wieder möglich ist und wie viele Leute dann überhaupt kommen würden.

Plettenberg – Der Lockdown wurde verlängert bis in den Februar hinein. Das hat Konsequenzen in vielen Bereichen. Wir haben einige Reaktionen eingefangen, von der Betreiberin eines FitnessStudios, einem Eisdielen-Besitzer und auch von Bürgermeister Ulrich Schulte.

Mrs. Sporty

Carmen Breuer-Mentzel, Inhaberin zweier Mrs.SportyFilialen, geht davon aus, dass der Lockdown sogar noch länger dauern könnte als bis Mitte Februar, wie nun entschieden wurde. Sie gibt sich trotz aller Schwierigkeiten entschlossen: „Wir machen weiter, egal was kommt. Wir reißen uns beide Beine aus.“

Das Agieren der Politik bezeichnet sie als Hinhalten. Nach dem ersten Lockdown habe man gesagt, einen zweiten würde man wirtschaftlich nicht verkraften, und nun werde der immer weiter verlängert. „Es ist schon böse, wie lange dieses Spielchen jetzt geht“, sagt die Fitness-Studio-Betreiberin.

Sie hoffe, dass die Gelder, die vom Staat versprochen wurden, auch endlich fließen. Von den Überbrückungshilfen seien bisher nur kleine Beträge gezahlt worden. „Und ich hoffe, dass endlich an die Fitness-Branche gedacht wird“, sagt Breuer-Mentzel. Schließlich habe die Branche zur Gesundheit von Millionen von Menschen beigetragen. „Aber in den Überlegungen der Politiker wird unsere Branche völlig ausgeklammert.“

Mit ihrer Auszubildenden kümmert sich Breuer-Mentzel derzeit um die Organisation, die übrigen Mitarbeiterinnen sind in Kurzarbeit. Sie blieben aber weiter mit den Kundinnen in Kontakt, geben unter anderem Fitness- und Ernährungstipps. Außerdem gibt es für die Kundinnen Online-Kurse, die an sieben Tagen in der Woche von der Berliner Zentrale von Mrs. Sporty angeboten werden.

Trotz der Alternativ-Angebote zum normalen Studiobetrieb habe sie – als Entgegenkommen an die Kundinnen – im Januar keine Beiträge eingezogen. „Ich wollte nicht einfach die Tür zumachen und weiter die Beiträge einziehen“, erklärt sie.

Doch dadurch beliefen sich die Januar-Einnahmen auf null. Fixkosten wie die Studio-Miete liefen aber weiter. „Das ist schon bitter“, sagt sie. Aber irgendwann seien die Möglichkeiten auch erschöpft. „Im Februar kann ich mir das nicht erlauben“, sagt Breuer-Mentzel, möchte ihren Kundinnen aber stattdessen Gutscheine für einen beitragslosen Monat geben. Diese können dann später eingelöst werden, hoffentlichaber nicht schon alle im März, vorausgesetzt, dann ist Training wieder möglich.

Die Frage sei auch, wie viele Menschen wieder zum Trainieren kämen, wenn dies wieder möglich sei, und unter welchen Einschränkungen. „Wenn die Einnahmen minimal bleiben, wird es weiterhin ein Kampf ums Überleben“, sagt Breuer-Mentzel.

Es sei schwierig, das wieder aufzubauen, was sie sich vorher über zehn Jahre in Attendorn und sieben in Plettenberg erarbeitet hatte, sagt Breuer-Mentzel. Dabei setzt sie auf die Solidarität ihrer Kundinnen, doch manche hätten – trotz Entgegenkommen mit Januar-Beiträgen und Online-Training – gekündigt. Die wollten erst wiederkommen, wenn die Politik für Klarheit gesorgt habe, was für die Fitness-Branche gilt und wann sie wieder trainieren können.

Bürgermeister Schulte

Zum verlängerten Lockdown gab Bürgermeister Ulrich Schulte gestern am frühen Abend Folgendes zu verstehen: „Ich bin noch nicht über alle aktuellen Beschlüsse informiert. Dass der Lockdown verlängert wurde, hat sich aber schon relativ früh angedeutet und hat michnicht überrascht.“ Was die FFP2-Masken angeht, die nun nicht zwingend getragen werden müssen, hat Schulte durchaus Verständnis, „wenn einige Probleme damit haben, diese Masken zu tragen. Wichtig ist überhaupt eine Maske zu tragen“, findet Schulte, der selbst seit einiger Zeit die FFP2-Maske trägt. Auch im Rathaus sei der Anteil derjenigen, die diese Maske tragen, zuletzt deutlich gestiegen.

Das Problem mit dem Treffen der Entscheidungen bezüglich einer Verlängerung des Lockdowns sei, dass diese pauschal alle beträfen, sagte Schulte. Ein technisch gut ausgestattetes Einzelkind werde davon genauso getroffen wie eine alleinerziehende berufstätige Mutter mit vier Kindern, so der Bürgermeister. Er sei froh, dass er nicht tagtäglich im Lockdown diese schwierigen Entscheidungen treffen müsse.

Märcheneis

Einer, der mit gemischten Gefühlen auf die Verlängerung des Shutdowns blickt, ist Patrick Tussnat. Er habe die Entscheidungen von diesem Dienstag eher neutral verfolgt, „man hat sich ja mittlerweile schon an diese Konferenzen gewöhnt“, sagter.

Wirtschaftlich sieht es bei ihm derzeit mau aus: weder das Märcheneis-Café an der Neue Straße kann geöffnet werden, noch gibt es Aufträge für seine Videoproduktionsfirma Tussnat Pictures. „Die Maßnahmen sind für mich sehr spürbar“, sagt er. Er könne sich mit den finanziellen Bundeshilfen aber nun auch deshalb über Wasser halten, „weil ich immer darauf geachtet habe, die eigenen Fixkosten möglichst gering zu halten“.

Keine Frage: Die Situation sei nicht positiv und herausfordernd für alle. Trotzdem versuche er, das Positive zu sehen und auf eine bessere Zukunft zu hoffen, sagt Tussnat. Er nutzt die ShutdownZeit kreativ. Er schreibe neue Konzepte, entwickele neue Ideen, beschäftigt sich mit fortschrittlichen Techniken wie einem 3D-Drucker – alles mit dem Ziel, um nach der Pandemie neue Projekte zu verwirklichen. Worum es dabei konkret geht, hält Tussnat wie in der Vergangenheit auch, als es zum Beispiel um seine Bühnenshows Stadtschatten und Schloss Fabelstein ging, zunächst noch geheim.

Er will – sofern es denn möglich ist – auch anderen Mut machen. „Ich finde es wichtig für jeden: Jetzt kann vieles erledigt werden, wozu man vorher nicht gekommen ist“, sagt Tussnat und nennt Beispiele: „Man kann sich um sich selbst kümmern, um seine Wünsche und Ziele, seine berufliche Perspektive oder zum Beispiel um das Haus oder die Wohnung.“ 

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