Umfrage im Seniorenzentrum

Wie Senioren in Corona-Zeiten Weihnachten feiern

Im Seniorenzentrum St. Josef wird das Weihnachtsfest in diesem Jahr anders gefeiert.
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„Dann ist das Weihnachtsprogramm eben für ein Jahr gestrichen“, sagen Johannes und Inge Müller.

Plettenberg – Die ersten Türchen des Adventskalenders sind bereits geöffnet, das Weihnachtsfest rückt immer näher. Für viele Plettenberger ist das Fest der Liebe ohne die Familie undenkbar. Doch gerade die älteren Menschen gehören zu jener Gruppe, die durch das Coronavirus besonders gefährdet sind.

Deshalb werden nicht nur in den Familien, sondern auch in den Altenzentren jetzt und zu Weihnachten eine ganze Reihe von Schutzmaßnahmen ergriffen, damit sich niemand ansteckt. Dennoch soll auch in den Einrichtungen Weihnachtsstimmung verbreitet werden. Im Altenzentrum St. Josef zum Beispiel freuen sich viele Bewohner und Mitarbeiter schon jetzt auf Heiligabend. Dann nämlich wollen sie intern ein kleines Fest mit Gedichten, Musik und einer großen Bescherung mit vielen Geschenken feiern. „Es wird anders, aber gemütlich“, sagt die Pflegedienstleiterin Corinna Flüs.

Am ersten und zweiten Weihnachtstag erwarten viele Senioren dann den Besuch ihrer Angehörigen oder werden von der Familie abgeholt. Beides ist nach jetzigem Stand möglich, wobei die Besuche auf zwei pro Tag mit je maximal zwei Personen begrenzt sind. Die Frage ist: Wie blicken die Senioren selbst angesichts dieser besonderen Zeiten auf das Weihnachtsfest? Die Heimatzeitung konnte über diese Frage mit vier Bewohnern von St. Josef sprechen: Margret Heinrichs, 82, Hildegard Otto, 93, und dem Ehepaar Inge und Johannes Müller, 84 und 91. Was sie bewegt, lesen Sie in den nachfolgenden Berichten.

So feiert das Ehepaar Müller Weihnachten

„Für uns wird sich das Meiste an Weihnachten hier abspielen. Die Gefahr der Ansteckung ist sehr groß, da machen wir kein großes Federlesen – dann ist das Weihnachtsprogramm eben für ein Jahr gestrichen. Normalerweise trifft sich an Weihnachten die ganze Familie, aber wir wollen die Kleinen, allen voran unsere jüngsten Urenkel, die zweieinhalb Jahre und acht Monate alt sind, nicht der Gefahr aussetzen, dass etwas passiert. An sich ist uns Weihnachten immer sehr wichtig gewesen, aber es ist nun mal so, was willst du machen? Es ist nicht wie früher, das ist vorbei. Ein Teil der Familie kommt uns auf jeden Fall an Weihnachten besuchen. Wichtige Anliegen und Gespräche werden über das Telefon geführt, aber trotzdem besuchen uns die Kinder regelmäßig, das tut gut. Auf die Straße dürfen wir auch, die Mitarbeiter sind nett, was wollen wir mehr?

Und wir haben natürlich den Vorteil, dass wir hier in St. Josef als Ehepaar zusammenleben können. Das ist schon schön. Wir sind jetzt auch schon seit 66 Jahren verheiratet. Wir wollen hoffen, dass nächstes Jahr alles vorbei ist – dass wir wieder ganz normal Weihnachten feiern können und dass wir im Sommer noch einmal nach Norderney fahren können. Unser Wunsch ist, dass alle gesund und so zusammenbleiben und dass es allen Menschen gut geht.“

Inge, 84, und Johannes Müller, 91, leben seit Januar gemeinsam im Altenzentrum St. Josef. Besonders freuen sie sich immer in der Vorweihnachtszeit über eine Plätzchenlieferung ihrer jüngsten Enkeltochter. Eine ganze Kiste voll gibt es immer für die beiden – so viele, dass sie allein gar nicht alles essen können und die Kekse gerne mit ihren Mitbewohnern teilen. Jetzt ist die erste Lieferung schon leer. Aber Nachschub ist laut den Müllers schon in Arbeit.

„Ich habe gesagt, ich werde Heiligabend hier bleiben“, sagt Hildegard Otto.

Hildegard Otto: „Lasse mir die Laune nicht verderben“

„In den letzten drei Jahren habe ich Heiligabend mit meinen beiden Töchtern und meinen beiden Enkelkindern gefeiert und habe dort geschlafen. Jetzt ist das etwas anders. Ich habe gesagt, ich werde Heiligabend hier bleiben. Die Kinder holen mich dann am ersten Weihnachtstag mittags ab und dann werde ich zum Kaffeetrinken wahrscheinlich wieder zurück sein. Am zweiten Weihnachtstag mache ich es mir hier wieder schön. Ich möchte da auch Rücksicht auf meine Kinder nehmen. Wir halten uns streng an die Corona-Regeln und wenn man sie einhält, was alle tun, dann ist das schon in Ordnung. Und meine Kinder haben sich so viel um mich gekümmert, als ich noch zuhause war, dafür muss man auch mal Danke sagen für alles, was für einen getan wird.

Ich habe 27 Jahre in meiner Wohnung gelebt und bin jetzt seit drei Monaten hier. Es war in der ersten Zeit alles etwas anders, eine große Umstellung. Aber jetzt habe ich alles so ein bisschen durchschaut. Ich fühle mich hier wohl und bin sehr zufrieden. Ich setze mich an den gedeckten Tisch, ich werde hier versorgt – ich hoffe, dass der liebe Gott mir noch etwas Zeit gibt, denn ich werde hier richtig verwöhnt (lacht). Deshalb freue ich mich auch auf Heiligabend und die Weihnachtstage. Von Corona lasse ich mir die Laune nicht verderben. Ich habe den Zweiten Weltkrieg hautnah miterlebt – da lasse ich mich von so etwas nicht fertig machen..“

Hildegard Otto ist stolze 93 Jahre alt und eine wahre Frohnatur. Bei unserem Interviewtermin hat sie gerade Besuch von einer alten Freundin und lässt sich ein kleines Gläschen Rotwein schmecken. Darüber hinaus liebt sie das Schreiben. Ob Gedichte für Feiern oder Gastbeiträge für die Heimatzeitung – Hildegard Otto greift stets gerne zu Stift und Papier.

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