Nachfrage in heimischen Firman

Wie sehen die Plettenberger Unternehmer das Home-Office?

Niklas Späinghaus ist für die Firma IWM im Innendienst und Vertrieb tätig.
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Niklas Späinghaus ist für die Firma IWM im Innendienst und Vertrieb tätig. Er ist meist direkt mit den Kunden in Kontakt und kann seine Aufgaben ohne Probleme im Home-Office durchführen.

Kanzlerin Angela Merkel hat am Mittwoch vergangener Woche bei der Vorstellung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen für Dezember explizit dazu aufgerufen: Arbeitgeber sollten ihren Angestellten wenn möglich die Arbeit von zu Hause aus ermöglichen, neudeutsch: im Home-Office.

Plettenberg – In Plettenberg stößt die Kanzlerin damit auf offene Ohren – zumindest bei den IT-Experten von IWM Solutions mit Sitz neben der katholischen Kirche in der Papenkuhle. Sie gehören zu den Vorreitern und ihr Chef Frank Wortmann bricht im Gespräch mit der Heimatzeitung eine Lanze für das Home-Office.

Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März arbeiten die Angestellten, wenn sie denn möchten, von Zuhause aus, aber seitdem noch mehr. „Es gibt diverse Mitarbeiter, die habe ich seit Wochen nicht mehr persönlich gesehen“, sagt Frank Wortmann, Geschäftsführer und damit Chef von 20 Mitarbeitern, und er meint das gar nicht negativ. Denn: „Es funktioniert.“

Sämtliche Vorbehalte, die existieren und die auch er zu Beginn hatte, hätten sich nicht bestätigt. „Die größte Hürde ist die gedankliche“, sagt Wortmann, „die Frage: Arbeitet mein Mitarbeiter dann auch?“ Seine Erfahrung: Die Produktivität sei meist noch besser als am Arbeitsplatz im Büro.

Denn die Mitarbeiter ersparen sich den oft stressigen Fahrtweg, sie werden nicht durch Telefonate der Kollegen gestört und Ablenkung könne sowohl zuhause als auch bei einem Plausch oder bei einem Kaffee im Büro auftreten.

Weitere Vorteile: CO2 wird eingespart und Eltern können durch ihre Anwesenheit zuhause sogar eine Kinderbetreuung sicherstellen. „Für die Arbeitnehmer und den Arbeitgeber ist das eine tolle Sache“, ist Wortmann überzeugt und sagt angesichts vielerorts guter Internetverbindungen, Videobesprechungen und Telefonumleitungen: „Die Technik ist mittlerweile so weit, das auch umzusetzen.“

Insofern kann Wortmann, das Arbeiten von Zuhause nur empfehlen: Natürlich gehe das nicht in allen Bereichen, aber: „Wer ein bisschen pfiffig ist, der setzt bei Bürojobs auf das Home-Office.“

Nachfrage bei Junior und Seissenschmidt: „Home-Office da, wo es geht“

So schön das mit dem Home-Office alles klingt, aber lässt sich das in einer Stadt wie Plettenberg, die von Industrie geprägt ist und in der viel produziert wird, flächendeckend umsetzen? Können und werden die Firmen dem Aufruf von Angela Merkel nachkommen? Fragen, mit denen die Heimatzeitung in den letzten Tagen zwei große Unternehmen beispielhaft konfrontiert hat.

Im Verwaltungstrakt der Firma Junior an der Ziegelstraße ist inzwischen jedes Büro nur noch mit einer Person besetzt. Alle, die vorher zu zweit oder zu mehreren in einem Raum gesessen haben, wechseln sich nun im Home-Office ab. Beispielsweise die Buchhaltungs-Abteilung kann komplett von zu Hause aus arbeiten. „In normalen Zeiten haben wir fast gar kein Home-Office gemacht“, erklärt Junior-Prokurist Jörg Frommann. Durch die Corona-Pandemie versucht man es nun – „und es klappt besser als erwartet“, sagt Frommann.

Bei der Firma Junior sind die Büros nur noch mit jeweils einem Mitarbeiter besetzt. Teilweise wird zur Entzerrung das Home-Office eingesetzt.

Der überwiegende Teil der Belegschaft kommt aber weiter morgens zu seinem gewohnten Arbeitsplatz. „In vielen Bereichen ist das Home-Office gar nicht möglich“, erklärt Frommann und zählt zum Beispiel die Mitarbeiter auf, die sich um Exportpapiere kümmern, wofür immer die Originale benötigt werden; oder diejenigen, die Kundenkontakt haben; oder die Verlader.

Und selbst wenn Home-Office möglich ist, heiße das nicht, dass alle Hurra schreien. Frommann berichtet von einem Mitarbeiter, der lieber weiterhin ins Büro komme. Denn klar ist: Wer von zu Hause aus arbeitet, dem fehlt oft der Austausch mit den Kollegen, der gemeinsame Kaffee (mit Abstand) oder der Plausch in der Frühstückspause.

Beim Automobilzulieferer Linamar Seissenschmidt ist die Anzahl der Mitarbeiter mit rund 1000 mehr als doppelt so hoch wie bei Junior – aber die Umsetzung des Home-Office ist sehr ähnlich. Sabrina Stockebrands Telefon ist auf ihr Handy umgestellt, als wir sie erreichen; die Marketing-Leiterin sitzt im Home-Office. „Da, wo es geht, setzen wir das Home-Office um“, berichtet sie. Betriebsrat und Geschäftsführung arbeiten in diesen Tagen an einer Betriebsvereinbarung, die das Arbeiten von zu Hause zum Thema hat. Das Papier steht kurz vor der Unterschrift, erklärt Sabrina Stockebrand.

So oder so gilt aber auch bei Linamar Seissenschmidt: Das Home-Office wird eher eine Ausnahme bleiben. Der Großteil der Angestellten arbeitet in der Produktion, kommt daher nicht für das Arbeiten von zu Hause in Frage. „Es betrifft einen geringen Prozentsatz“, erklärt die Marketingleiterin.

Aber es gibt sie auch in Plettenberg – jene Unternehmen, die voll auf das Arbeiten von zu Hause setzen. zum Beispiel gehören da zu den Vorreitern. sep

Arbeiten zwischen den Feiertagen

Gerade zwischen Weihnachten und Silvester sollen die Unternehmen ihren Angestellten ermöglichen, von zu Hause aus zu arbeiten und Urlaub zu nehmen – so lautete am Mittwoch vergangener Woche der Wunsch der Bundeskanzlerin.

Bei den von uns befragten Firmen kann man diesem Rat sehr gut nachkommen. Die Firma Junior wird laut Prokurist Jörg Frommann rund um die Feiertage schließen – und zwar wegen der Corona-Pandemie analog zu den Schulferien schon ab dem 18. Dezember.

Auch bei Linamar Seissenschmidt wird der Betrieb mit dem 19. Dezember weitestgehend ruhen, aber nicht komplett. Diese Betriebsvereinbarung wurde unabhängig von Corona bereits zum Jahresende 2019 festgelegt.

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