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Glasfaser ist das einzige Problem: Hausarztpraxis in Ohle eröffnet am 1. Februar

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Von: Sabrina Jeide

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Auch Sebastian Dringenberg freut sich, dass in den Räumen an der Lennestraße wieder eine Arztpraxis einzieht.
Auch Sebastian Dringenberg (re.) freut sich, dass in den Räumen an der Lennestraße wieder eine Arztpraxis einzieht, die von Jan Landscheidt betrieben wird.. © Jeide, Sabrina

Jan Landscheidt eröffnet seine neue Praxis am 1. Februar an der Lennestraße in Ohle. Wenn es keine Probleme mit der Glasfaser-Leitung gegeben hätte, wäre die Praxis jetzt schon offen.

Plettenberg – „Wir hoffen, dass alles gut wird“: Es gehört in diesen Zeiten auch eine gehörige Portion Optimismus dazu, wenn man den Schritt in die Selbstständigkeit im Gesundheitsbereich wagen möchte – selbst wenn die Rahmenbedingungen eigentlich perfekt erscheinen. Der Allgemeinmediziner Jan Landscheidt eröffnet zum 1. Februar 2023 in Ohle wieder eine Hausarztpraxis (wir berichteten). Alleine diese Nachricht dürfte die meisten Plettenberger frohgemut zurücklassen. Dazu der perfekte Rahmen: Der Arzt bewirbt sich erfolgreich um einen Kassensitz, die Praxis soll in den ehemaligen Räumlichkeiten der Praxis Csapo/Hülsmann entstehen, Jan Landscheidt kann sich der Unterstützung der Stadt Plettenberg sicher sein...

Wenn Glasfaser Probleme macht

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Und ausgerechnet das, was für Schnelligkeit sorgen soll, erweist sich als Verhinderer eines möglicherweise reibungslosen Starts: Der fehlende Glasfaseranschluss ins Haus. Doch der Optimismus ist Jan Landscheidt nicht abhanden gekommen, er hält nun am Starttermin fest, den er zuvor extra verlegt hatte, um die Glasfaser-Problematik zu umgehen. Jetzt hofft er, Ende Februar angeschlossen zu sein.

Doch von Anfang an: Trotz langer Suche konnten Rodica Csapo und Ute Hülsmann keinen Nachfolger für ihre Praxis in Ohle finden, die Praxis schloss Anfang 2020. Im Mai 2021 erwarb Familie Dringenberg die Immobilie an der Lennestraße und für Eigentümerin Wendy Joana Díaz Gómez-Dringenberg und ihren Mann Sebastian war schnell klar, dass sie die Räumlichkeiten gerne an einen Arzt oder eine Ärztin vermieten möchten. In Selscheid beginnen derweil die Landscheidt-Brüder – quasi vis à vis zu Dringenbergs – zu bauen.

Jan Landscheidt vor der Ohler Kirche, die genau gegenüber der Hausarztpraxis liegt.
Jan Landscheidt vor der Ohler Kirche, die genau gegenüber der Hausarztpraxis liegt. © s. jeide

Zufall, Schicksal? Man weiß es nicht, auf jeden Fall finden die Beteiligten zusammen. Die konkreten Planungen laufen bereits seit gut einem Jahr – im Raum stand auch eine Kooperation mit dem Hausarztzentrum, doch diese Idee hatte sich schnell zerschlagen. So wird es nun eine überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft von Jan und Kris Landscheidt. Das bedeutet, dass nicht ausschließlich Jan Landscheidt in Plettenberg praktizieren wird, sondern tageweise auch ein Wechsel mit den Altenaer Kollegen stattfindet.

Nicht nur die Ohler, die teilweise in der Hausarztpraxis von Dr. Pahde im Oestertal unterkamen, teilweise aber auch auf einen Nachfolger in Ohle hofften, sondern auch Bürgermeister Ulrich Schulte sind froh, dass sich endlich eine Lösung gefunden hat: „Die Schließung der Praxis in Ohle habe ich mit großem Bedauern mitverfolgt. Mehrere Versuche, hier eine Nachfolge zu finden, sind leider gescheitert“, erklärt das Stadtoberhaupt. Er stand sowohl mit Sebastian Dringenberg als auch mit Jan Landscheidt früh in Kontakt – wohlwissend, wie schwierig und eigentlich von Glück und Zufall es abhängig sei, einen Mediziner für eine Stadt wie Plettenberg zu finden. „Umso erfreuter war ich, als von Herrn Dringenberg die Nachricht kam: Ich habe da jemanden.“ Entscheidend sei, dass es damit wieder eine wohnortnahe ärztliche Versorgung in Ohle gebe und insgesamt die angespannte hausärztliche Situation in Plettenberg wieder etwas abgemildert werde. Dennoch: „Ich bzw. die Stadt können uns nicht entspannt zurücklehnen.“

Trend zu Versorgungszentren

Die Suche nach neuen Ärzten intensiviert die Stadt gerade zusehends, Ulrich Schulte sieht einen Trend hin zu medizinischen Versorgungszentren. „Wir versuchen als Stadt natürlich neue Ärzte bei der Ansiedlung zu unterstützen. Der Mangel ist enorm und eine Stellenanzeige im Ärzteblatt funktioniert schon lange nicht mehr“, erklärt der Bürgermeister. Daher unterstützt die Stadt Jan Landscheidt beispielsweise mit einem Mietzuschuss.

Dennoch ist auch für den 38-Jährigen das Abenteuer Selbstständigkeit ein finanzielles Risiko. Trotz weiterer Förderung durch Kassenärztliche Vereinigung und Land, musste er einen annähernd sechsstelligen Betrag in den Hand nehmen, um die Praxis einrichten zu können. 800 bis 1 200 Patienten wird er dann durchschnittlich im Quartal behandeln können, legt aber großen Wert darauf, „keine Minuten-Medizin“ anzubieten.

Neben der Akut-Sprechstunde müsse es die klassische Termin-Sprechstunde (z. B. für Check-ups) geben. Zur Wahrheit gehören aber eben auch: Hausbesuche, Auswertung von Laborergebnissen oder auch Verwaltungsaufgaben müssen erledigt werden. Jan Landscheidt weiß: „Mein Bruder arbeitet jeden Tag 12 Stunden.“

Der Praxis-Start

Los geht es am Mittwoch, 1. Februar. Die Praxis ist täglich geöffnet – mittwochs und freitags finden nachmittags keine Sprechstunden statt. Aufgrund der Glasfaser-Problematik wird voraussichtlich zu Beginn nur ein telefonischer Kontakt per Handy oder aber persönlich vor Ort möglich sein.

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