Nachgefragt bei Novelis, Sparkasse und Stadtverwaltung

Wie die Homeoffice-Realität aussieht

Auch Bürgermeister Ulrich Schulte nutzt bisweilen die
Möglichkeit, seine Arbeit per Homeoffice zu erledigen.
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Auch Bürgermeister Ulrich Schulte nutzt bisweilen die Möglichkeit, seine Arbeit per Homeoffice zu erledigen.

Plettenberg – Das Thema Homeoffice war bei den neuen Corona-Maßnahmen ein wichtiges Thema. Demnach müssen Arbeitgeber künftig wo immer es möglich ist, Arbeit im Homeoffice ermöglichen. Lässt sich das in Plettenberg umsetzen? Und wenn ja, wie? Wir haben uns umgehört.

In einer von Industrie geprägten Stadt lässt sich das Arbeiten von Zuhause nur schwer umsetzen – sollte man meinen. Ein Gegenbeispiel für diese Annahme liefert die Firma Novelis. Mobiles Arbeiten ist in dem Werk in Ohle nicht neu, bereits im Jahr 2019 hat die Firma in einem Pilotprojekt in Ohle intensive, positive Erfahrungen gesammelt. Seit Beginn der Pandemie hat Novelis eine Vielzahl von Laptops zusätzlich angeschafft. „Wir haben gute Erfahrungen mit dem mobilen Arbeiten von zuhause gemacht und werden mobile Arbeitskonzepte auch nach der Pandemie weiter anbieten,“ betont Eric Tonkowski, Werkleiter des Aluminiumwalzprodukte-Herstellers mit seinen über 400 Mitarbeitern am Standort Ohle. Natürlich lasse sich das mobile Arbeiten nur dort umsetzen, wo es die Tätigkeit zulasse. Das gelte insbesondere für administrative Aufgaben in der Verwaltung, Supply Chain (Lieferketten-Management), Controlling, Einkauf und Personalwesen. In den Bereichen Produktion, Instandhaltung, Qualität sei das Arbeiten von zuhause in der Regel nicht möglich.

Maximale Sicherheit bei Firma Novelis

„Hier sorgen Desinfektion, Maskenpflicht und entzerrte Zeiten für Arbeitsbeginn und Pausen für maximale Sicherheit“, berichtet Unternehmenssprecherin Anke Höbelmann und ergänzt: „Ist die Mitarbeiterpräsenz vor Ort essentiell, so arbeitet nach den Novelis Pandemierichtlinien immer nur ein Mitarbeiter pro Raum rollierend. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz stehen bei Novelis an erster Stelle.“ Trotz dieser Maßnahmen könne der Betrieb ohne Einschränkungen aufrechterhalten werden, unterstreicht Werkleiter Tonkowski. „Allerdings sind die sozialen Kontakte bei der Arbeit nicht zu unterschätzen. Diese Kontakte über einen längeren Zeitraum, rein über virtuelle Techniken aufrechtzuerhalten, ist für die Kollegen eine Herausforderung“, sagt er. Deshalb sollen zum Beispiel Schulungen zum Einsatz des Kommunikationsprogramms MS Teams den Einsatz von virtuellen Teamtreffen erleichtern.

So läuft es bei der Stadtverwaltung

Bei der Stadtverwaltung Plettenberg sieht man sich in Sachen Homeoffice gut gerüstet. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff. Man habe insgesamt 50 Software-Homesticks gekauft, mit denen sich die insgesamt 130 Rathaus-Mitarbeiter von ihrem heimischen Rechner direkt in den Rathaus-Rechner einwählen können, ohne dass dabei auf die Festplatten des privaten Systems zugegriffen werde. „Das System ist datenschutzkonform und läuft stabil“, ist Steinhoff zufrieden mit der Investition in Höhe von 30 000 Euro. Bürgermeister Ulrich Schulte nutzt die Homeoffice-Möglichkeit vor allem am Wochenende. „Wir machen keine genauen Vorgaben, wer ins Homeoffice soll und wer nicht, sondern geben die Sticks an die jeweiligen Abteilungsleiter weiter, die diese dann unter den Mitarbeitern verteilen.“ Der Stick werde dann je nach Bedarf wie ein Staffelstab weitergegeben, sagte Schulte. „Als moderner Arbeitgeber muss man heute Homeoffice anbieten. Wer werden das, was positiv gelaufen ist, auch in Zukunft weiterführen“, erklärt der Bürgermeister.

Wie Hauptamtsleiter Matthias Steinhoff ergänzte, habe sich die Stadtverwaltung bereits beim ersten Lockdown entsprechend vorbereitet. „Wir haben so weit wie möglich Doppelbüros aufgelöst und die Mitarbeiter auf freie Büros verteilt. Die Arbeitszeiten wurden ausgeweitet und wo nicht möglich, wurden Spuckschutzscheiben in Doppelbüros installiert“, sagt Steinhoff. In Kombination mit der HomeofficeRegelung sehe man sich gut gerüstet, so Steinhoff abschließend.

Homeoffice bei Sparkasse nur in Teilbereichen

Bei der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis gibt es Homeoffice ebenfalls, allerdings nicht auf breiter Front, sondern bislang nur vereinzelt. Stattdessen habe man die insgesamt 300 Mitarbeiter in Teilbereichen auf verschiedene Büros verteilt, um so das Ansteckungsrisiko deutlich zu minimieren. „Auf diese Weise sind unsere Mitarbeiter immer erreichbar“, sagt Kai Hagen, Vorstandsvorsitzender der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis.

„Homeoffice empfinde ich in einer Bank nur schwer realisierbar, weil die Arbeit unserer Vertriebsmitarbeiter nicht komplett digital umsetzbar ist.“ Bestimmte Bereiche ohne direkten Kundenkontakt könnten ihre Arbeit im Homeoffice vollziehen, aber da nicht alle Unterlagen digital vorliegen, sei eine mehrtägige Abwesenheit nur schwer möglich. Aktuell prüfe man vor dem Hintergrund der neuen Verordnung die technische Umsetzbarkeit für das weitere Vorgehen.

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