Nach seiner Corona-Infektion

Drei Wochen Bettruhe: Wie der Bürgermeister Corona erlebte

Ein Bild von Sabine und Ulrich Schulte aus dem Sommer letzten Jahres.
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Ein Bild von Sabine und Ulrich Schulte aus dem Sommer letzten Jahres. Bis auf den ältesten Sohn infizierte sich die gesamte Familie mitsamt den Schwiegereltern mit der britischen Corona-Variante. Der 84-jährige Vater von Sabine Schulte verstarb an den Folgen der Erkrankung, die wenige Tage vor seiner geplanten Impfung ausbrach.

Drei Wochen lang war der Plettenberger Bürgermeister Ulrich Schulte nahezu von der Bildfläche verschwunden. Und das hatte seinen Grund, denn das Stadtoberhaupt infizierte sich innerhalb der Familie mit der hochansteckenden britischen Corona-Mutation

Plettenberg - Wie es ihm als Infiziertem in der Corona-Pandemie ergangen ist, darüber sprach Ulrich Schulte mit Georg Dickopf in seinem Büro.

Herr Schulte, die wichtigste Frage zuerst. Wie geht es Ihnen?

Ich bin noch nicht voll fit. Mir fehlt noch ein bisschen die Energie. Aber alle Symptome drumherum sind beherrschbar.

Auf einer Skala von 1 bis 10 – wo stehen Sie jetzt?

Ich würde sagen bei einer 7.

Und wie war es inmitten der Corona-Erkrankung?

Da war ich auf der 1 unten. Ich war am Montag beim PCR-Test und habe am Donnerstagabend auf dem Sofa gesessen und angefangen, stark zu frieren. Ich bin dann früh ins Bett und bin erst am Montagmittag wieder aus dem Bett raus.

Ich habe viel geschwitzt und stark gefroren und war einfach nur total fertig.

Bürgermeister Ulrich Schulte

Hat man da überhaupt Hunger?

Ich habe ein bisschen am Brötchen geknabbert und mich zur Toilette geschleppt. Ich habe viel geschwitzt und stark gefroren und war einfach nur total fertig.

Welche Kenntnisse hatten Sie vorher über Corona?

Meine 92-jährige Mutter hatte sich um Weihnachten herum infiziert – das war schon recht kritisch aufgrund ihres Alters und des schlechten Allgemeinzustandes.

Wie geht es ihr heute?

Sie hat es glücklicherweise überstanden. Ansonsten hatte ich hier und da mal etwas aus dem Umfeld gehört und dann kam es, dass sich bei uns nahezu die gesamte Familie infiziert hat - mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen.

Ihre Kinder waren betroffen und Ihre Frau?

Ja und meine beiden Schwiegereltern. Das Teuflische an der britischen Variante ist, dass es sehr schnell geht. Es steckt sich heute nicht mehr einer an wie früher, sondern man hat ganz schnell die gesamte Familie infiziert.

Wie waren die Krankheitsverläufe?

Abgesehen von meinem Schwiegervater hatte ich den schlimmsten Verlauf. Aber die anderen haben es auch alle gemerkt. Meine Frau hat heute noch Geruchs- und Geschmacksprobleme und hört auf einem Ohr schlecht. Mal eben weggesteckt hat das keiner von uns.

Ihr 84-jähriger Schwiegervater ist kurz vor seiner Impfung an Corona verstorben...

Ja, das stimmt. Er war vorher nicht krank und ist zwei Tage vor der Impfung erkrankt, musste dann recht schnell beatmet werden im Krankenhaus und ist an der Coronaerkrankung gestorben.

Wie sind bei Ihnen die Nachwirkungen?

Mit dem Geschmackssinn habe ich keine Probleme, aber ich habe Schwierigkeiten, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren und mir fehlt die Energie. Wie lange das noch anhält, weiß ich nicht.

Bürgermeister Ulrich Schulte schilderte im Interview, wie es ihm nach seiner Corona-Infizierung ergangen ist.

Jetzt waren Sie nicht dafür bekannt, sich sonderlich geschont zu haben. Wird sich daran in Zukunft etwas ändern?

Ja, das haben auch mehrere Personen aus meinem privaten Umfeld gesagt, dass der schlimme Verlauf bei mir vielleicht auch mit dem Raubbau zusammenhängt, den ich an meinem Körper betrieben habe und mich nie geschont habe. Deswegen versuche ich, umzudenken. Jetzt war ich drei Wochen nicht da und trotzdem ist hier nicht alles zusammengebrochen. Also, werde ich mehr drauf achten, Sachen zu delegieren und Dinge anders anzugehen.

Wie war es überhaupt, als Sie wussten, dass infiziert sind?

Alle reden von Corona und dann hat man es selbst plötzlich. Als ich da gelegen habe und überhaupt nicht hoch kam, macht man sich schon Gedanken, ob es am nächsten Tag noch schlimmer wird und vielleicht der Rettungsdienst kommen muss.

Hat die eigene Erkrankung Ihren Blick auf die Pandemie geändert?

Ich habe jetzt am eigenen Leib erlebt, wie schnell diese britische Mutation da ist. Mittlerweile ist diese Variante zu 90 Prozent in Plettenberg vertreten. Und noch eine Erkenntnis ist die, dass die Schnelltests, die ich grundsätzlich für sehr sinnvoll halte, in den ersten Tagen mitunter ein falsches Ergebnis liefern. Meine Frau hatte einen negativen Schnelltest und zwei Tage später war der PCR-Test positiv. Bei mir war es genauso. Der Schnelltest benötigt eine gewisse Viruslast, um anzuschlagen. Aber man zieht damit immerhin die raus, die positiv sind und keine Symptome haben.

Wie lange waren Sie jetzt krank?

Insgesamt drei Wochen, wobei ich die Quarantäne nach 14 Tagen hätte beenden können, aber ich hatte am Vortag immer noch deutliche Symptome, die ich dem Gesundheitsamt gemeldet habe. Die Quarantäne habe ich dann um eine Woche verlängert.

Müssen Sie jetzt eigentlich noch geimpft werden?

Wenn man infiziert war, soll man sich erst nach sechs Monaten impfen lassen.

Wie ist es hier im Rathaus gelaufen?

Mein Vertreter Matthias Steinhoff hätte eigentlich Urlaub gehabt, aber auf den hat er dann verzichtet. Es war glücklicherweise wegen der Osterferien auch recht ruhig. Die Vorzimmerdamen haben viel gemanaged und nicht mehr alles an mich weitergeleitet. Das ist schon ganz gut gelaufen.

Kraft, mit seinen Hunden zu gehen, hatte der Bürgermeister nach seiner Erkrankung nicht mehr. Eine Nachbarin half der Familie in dieser Situation.

War die Erkrankung für Sie auch ein Schuss vor den Bug zur richtigen Zeit?

Ja vielleicht. Ich werde ohnehin meinen Körper stärker beobachten, weil ich nicht weiß, was ich mitgenommen habe – Stichwort Long Covid. Jetzt zu sagen, es geht ja wieder und volle Leistung abrufen, ist da sicherlich auch der falsche Weg. Ich muss mehr in mich hineinhorchen, ob der Körper das auch mitmacht. Dazu muss ich zusehen, dass ich alles ruhiger angehe.

Wie haben es Ihre Hunde verkraftet? Die kamen wahrscheinlich nicht so viel raus?

Das war das Positive, dass wir sehr viel Unterstützung aus der Nachbarschaft und von Verwandten und Freunden erfahren haben. Es wurde für uns eingekauft und Essen vor die Tür gestellt. Und es gab eine Nachbarin, die mit den Hunden gegangen ist. Wir haben die Hunde draußen vor der Tür angebunden. Sie hat eine Runde mit ihnen gedreht und sie wieder dorthin zurückgebracht. Das sind dann schöne Momente, wo man sieht, dass man nicht allein mit dieser Krankheit ist.

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