Interview mit dem Modepark-Chef

Wie es um das Eigenkapital beim Modepark Röther steht

Etwas überraschend durfte der Modepark Röther am Montag doch öffnen.
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Etwas überraschend durfte der Modepark Röther am Montag doch öffnen. Mit Voranmeldung konnten dort bis zu 150 Kunden gleichzeitig dort einkaufen gehen.

Plettenberg – Über drei Monate waren die Schaufenster im Modepark Röther – Plettenbergs größtem Einzelhandelsgeschäft – dunkel. Auf der riesigen Fläche im Herzen der Stadt hängt noch die Winterware, dabei hat der Frühling längst begonnen.

Wie frühlingshaft die Gefühlslage bei Michael Röther, Inhaber der bundesweit 42 Modepark-Filialen, ist, wollte Georg Dickopf von dem Schwaben wissen, auch vor dem Hintergrund der Inzidenzzahl von über 100.
Herr Röther, was sagen Sie zu den neuesten Beschlüssen der Bundesregierung?
Es ist eine sehr komplexe Regelung, aber lieber eine komplexe Regelung als gar keine. Wir können jetzt in nahezu allen Standorten grünes Licht geben und sind erst einmal sehr froh darüber.
Darunter sind auch die Märkte wie in Plettenberg, wo ein Termin ausgemacht werden muss. Wie muss man sich das vorstellen?
Es wird ein Mitarbeiter vor Ort vor dem Laden stehen, der die Adresse und Telefonnummer aufschreibt und die Termine vergibt und das wohl meist sofort, weil wir im Grunde genügend Raum haben.

Was bedeuten die Vorgaben konkret?
Wenn wir den Plettenberger Modemarkt nehmen, dürften wir dort bei einer Inzidenz von unter 50 rund 340 Kunden einlassen. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 sind es immerhin noch 150 Kunden. Die werden am Eingang registriert und können dann in der Regel ohne größere Wartezeit in das Geschäft. Falls dort doch sehr viel Betrieb herrscht, kann erst wieder jemand rein, wenn ein Kunde rauskommt – praktisch wie im Parkhaus.

Wie empfanden Sie die letzten Monate im Lockdown?
Viele Einzelhändler und auch wir haben viel Zeit, Geld und Ideen in Hygienemaßnahmen gesteckt und trotzdem durften wir monatelang nicht öffnen. Im Gegensatz zur Industrie. Ein Beispiel: Bei der Firma Würth gab es in der Logistikabteilung einen Corona-Ausbruch bei dem 70 infiziert wurden. Bei der Firma Kärcher, die ebenfalls in unserem Landkreis ihren Sitz hat, infizierten sich 50 Mitarbeiter in der Fabrik. Als Folge hatten wir in Schwäbisch Hall einen Inzidenzwert von über 200.

Kritik an politischer Inkonsequenz

Welche Konsequenzen hatte das?
Keiner der beiden Betriebe wurden geschlossen. Wenn irgendwo extreme Ausbrüche auftreten, ist es verständlich, dass man nicht öffnen darf. Konsequenterweise müsste man dann aber auch die Industriebetriebe schließen. Diese politische Inkonsequenz kritisiere ich. Die Gesundheit scheint nicht immer an oberster Stelle zu stehen. Stattdessen ist nur der Einzelhandel betroffen. In Österreich, Italien und Frankreich sind die Läden offen und die Inzidenzen steigen aus diesem Grund auch nicht.

In diesen Tagen wird berichtet, dass die Modebranche Umsatzeinbußen von 77 Prozent hat. Können Sie das unterschreiben?
Wir haben gerade 97 Prozent Umsatzeinbußen. Online machen wir nur drei Prozent des Umsatzes.

Modepark-Geschäftsführer Michael Röther freut sich über die Öffnung in Plettenberg, übt aber auch Kritik an der Regierung.

Ist das so, weil die Leute den Modepark Röther nicht so sehr mit dem Online-Bereich verbinden?
Wir haben keinen hohen Bekanntheitsgrad im Internet, sind aber durchaus präsent mit unserer Verkaufsplattform.

Die Kurzarbeit rettete Sie ein Stück weit?
Ja, das stimmt. Rund 99 Prozent unserer 2200 Mitarbeiter waren bis Ende letzter Woche in Kurzarbeit, aber nicht alle zu 100 Prozent. In der Zentrale waren und sind die Abteilungen IT, der Einkauf und die Personalabteilung besetzt.

Der Einkauf scharrt mit den Füßen, in Ihren Läden hängen aber noch die alten Wintersachen. Was machen Sie damit?
Wir bekommen die Ware nicht mehr komplett abverkauft. Ein Teil wird sicher durch Aktionen vermarktet werden können. Wir werden auf eine Handvoll gekaufte Winterartikel noch einmal zusätzlich Rabatt geben. Den Rest der Winterware müssen wir einlagern und im nächsten Jahr rabattiert verkaufen.

Wie existenzbedrohend ist diese Corona-Pandemie für Ihr Unternehmen?
Wir hatten im operativen Geschäft in den Modeparks ein Eigenkapital von über 40 Prozent. Das ist runtergeschmolzen auf unter 20 Prozent. Ohne unser Zutun ist unsere Bonität damit von einer sehr guten Bewertung auf eine eher schlechte Bonität abgerutscht. Es werden gerade einige Jahresgewinne vernichtet. Aber wir werden das überleben. Aufgrund unserer soliden Eigenkapitaldecke haben wir keine Existenzängste, aber es ist eine starke Schwächung.

Wie groß ist Ihr Verständnis für die politischen Vorgaben?
Ich habe Verständnis, dass man etwas tun muss. Auch dass der Einzelhandel einbezogen wird. Man muss schon ein Opfer bringen. Wenn die Opfer aber sehr einseitig auf den Nichtlebensmitteleinzelhandel verteilt sind, ist das nicht akzeptabel. Wir überlegen natürlich, den Schaden einzuklagen.

Was gab es für staatliche Hilfen?
Das Überbrückungsgeld III haben wir beantragt und bekommen nur die Hälfte der Verluste ersetzt. Die Industrie kann dagegen ohne Einschränkungen arbeiten. Wir würden auch keine Verluste machen, wenn wir die Läden offen hätten.

Ein Schlusswort zur Regierung?
Dass eine CDU-geführte Regierung die Einzelhändler enteignet, macht mich betroffen. Ich bin selber CDU-Mitglied und hadere mit der Regierung, insbesondere mit der Planlosigkeit und der fehlenden ordnungspolitischen Orientierung. Ich kann mir schon vorstellen, dass einige Einzelhändler Corona nicht überleben. Wer wenig Eigenkapital hat, wird es schwer haben.

Wissenswertes zum Modepark Röther
Der 58-jährige Michael Röther ist geschäftsführender Gesellschafter des Modeparks Röther.
In Michelfeld bei Schwäbisch Hall wurde 1996 der erste Modepark eröffnet. Dort befindet sich heute die Zentrale des Unternehmens, das bundesweit 42 Modeparks betreibt – drei davon in NRW.
Im Jahr 2019 erzielte das rund 2 200 Mitarbeiter zählende Unternehmen einen Umsatz von rund 280 Millionen Euro.
Im vergangenen Jahr sank die Zahl auf 210 Millionen Euro, die man auch in diesem Jahr gerne wieder erreichen würde.

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