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Wenn der Stromerzeuger Strom verschwendet: Helle Leuchtreklame bei der Mark-E

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Von: Georg Dickopf

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Ausgerechnet der Energieversorger Mark-E ging bis zur Anfrage unserer Zeitung mit leuchtendem Negativbeispiel in Sachen Außenbeleuchtung voran. Ab sofort soll sich das aber ändern.	Foto: Wiechowski
Ausgerechnet der Energieversorger Mark-E ging bis zur Anfrage unserer Zeitung mit leuchtendem Negativbeispiel in Sachen Außenbeleuchtung voran. Ab sofort soll sich das aber ändern. © JONA WIECHOWSKI

Plettenberg – Ende August hat das Wirtschafts- und Klimaschutzministerium eine Verordnung herausgebracht, die den wenig griffigen Namen Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung – kurz EnSikuMaV – trägt. Doch beachtet wird diese Verordnung bislang wenig.

Plettenberg -Das Einsparen von Energie ist der Kernpunkt der Verordnung, doch nach außen hin fand die Vorgabe aus Berlin in der Plettenberger Industrie bislang wenig Beachtung. Wer in der Wochenmitte früh unterwegs war, konnte sich anhand der hell leuchtenden Schilder der Firmen Fastenrath, Güde, Hiby und Linamar gut orientieren.

Dabei hätten die Werbetafeln gemäß der Verordnung gar nicht leuchten sollen. Unter Paragraph 11 ist in der Verordnung bei der „Nutzungseinschränkung beleuchteter Werbeanlagen“ folgendes zu lesen: „Der Betrieb beleuchteter oder lichtemittierender Werbeanlagen ist von 22 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages untersagt.“

Dass viele heimische Betriebe dies auch gut zwei Monate nach dem Start der Verordnung (noch) nicht umgesetzt haben, ist die eine Sache, doch zumindest von Energieversorger Mark-E hätte man eine Berücksichtigung der Verordnung erwarten können. Dort leuchtete bis zur Anfrage der Heimatzeitung die Nacht hindurch die Werbetafel.

Mark-E reagiert auf Anfrage der Redaktion

Warum das so ist, fragten wir Pressereferent Andreas Köster: „In der Tat befindet sich an unserem Umspannwerk in Köbbinghausen ein Mark-E-Logo, welches bislang auch in den Abendstunden beleuchtet ist. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um energiesparende LED-Technik. Ob es sich dabei um eine Werbeanlage gemäß EnSikuMaV handelt, ist unseres Erachtens nicht eindeutig definiert. Unabhängig hiervon nehmen wir aber nun das Schild (mindestens in den vorgeschriebenen Zeiten von 22 bis 6 Uhr) außer Betrieb, um der allgemeinen Situation Rechnung zu tragen, mit gutem Beispiel voranzugehen und auch an dieser Stelle Strom einzusparen. Gleiches gilt dann auch für weitere Beleuchtungen an unseren Umspannwerken.“

Technisch nicht ganz einfach ist die Anpassung der sehr hoch gelegenen Außenbeleuchtung bei der Firma Fastenrath.
Technisch nicht ganz einfach ist die Anpassung der sehr hoch gelegenen Außenbeleuchtung bei der Firma Fastenrath. © ST-Bild

Fastenrath-Geschäftsführer Dr. Jörg Peddinghaus betonte, dass man bei der Außenbeleuchtung bislang auf Dämmerungsschalter gesetzt habe. Die Beleuchtung müsse man in Zukunft aber über Zeitschaltuhren steuern, um die Vorgabe umsetzen zu können. Rein technisch sei das allerdings nicht so einfach. Grundsätzlich habe das Thema Energiesparen aber einen hohen Stellenwert bei der Firma Fastenrath, weshalb man die Hallendächer auch mit PV-Anlagen versehen werde.

Die Firma Linamar teilte auf Anfrage mit, dass man eine Anpassung der Außenbeleuchtung tatsächlich versäumt habe, nach dem Hinweis jetzt aber nachgeholt und auch auf die Parkplätze ausgeweitet habe.

Im Unternehmen habe man die Vorlauftemperatur reduziert und die Büroräume und Hallenbereiche auf die vorgeschriebene Mindesttemperatur temperiert. Aus den Wasserhähnen komme jetzt mit Ausnahme des Duschbereiches kein warmes Wasser mehr.

Die Firma Junior hält sich an die Verordnung und hat die Außenbeleuchtung neu programmiert.
Die Firma Junior hält sich an die Verordnung und hat die Außenbeleuchtung neu programmiert. © Jona Wiechowski

Ein (nicht) leuchtendes Beispiel für die Umsetzung der Verordnung ist der heimische Gerüstbauer Junior.

Auch Nachfrage erklärte Matthias Gillmann, dass man die firmeneigene Beleuchtung frühzeitig angepasst habe. „Vorher hatten wir die Außenwerbung von 5 Uhr bis zum Anbruch der Helligkeit und abends bis 23 Uhr eingeschaltet. Insofern mussten wir die Beleuchtung jetzt nur ein wenig anpassen“, sagte Gillmann.

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Gemeinsam das Licht ausmachen

Die Vereinigte Sparkasse hat schon vor Wochen ein Zeichen gesetzt und auf die werbewirksame Beleuchtung der Hauptstelle am Umlauf verzichtet. Die Stadt Plettenberg und die Kultour GmbH haben in Sachen Beleuchtung ebenfalls reagiert – ebenso wie Supermärkte und Discounter. Nur die heimische Industrie ging bislang fast ausnahmslos mit „leuchtendem“ Negativbeispiel voran.

Zugegeben: Die Verordnung, die ohne offenkundige Strafen auskommt, ist ein zahnloser Papiertiger mit einem sehr langen Namen. Und natürlich haben die Betriebe, die den Strom und das Gas jahrzehntelang sehr günstig bekamen, nun angesichts der sehr hohen Energiepreise eine Vielzahl größerer Sorgen als eine Außenbeleuchtung. Das absehbare Ende des Verbrennermotors, eine 8-Prozent-Lohnforderung der IG Metall und notwendige und teure Investitionen in den Umbau der Energieversorgung stehen an.

Und doch wäre der solidarische Schulterschluss der Plettenberger Industrie, gemeinsam auf die nächtliche Außenbeleuchtung zu verzichten, in diesen schwierigen Zeiten ein regelrechter Lichtblick.

Alle tun etwas gemeinsam und noch dazu hilft es dem Klima.

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