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„Wenig mit ,E´zu tun“: Kinderarzt Achenbach kritisiert E-Rezept

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Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach zeigt den Rezeptcode zum E-Rezept, der durch seinen Arztausweis unterschrieben wird. Das eigentliche E-Rezept liegt auf einem Server, auf das mit dem Code zugegriffen wird.
Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach zeigt den Rezeptcode zum E-Rezept, der durch seinen Arztausweis unterschrieben wird. Das eigentliche E-Rezept liegt auf einem Server, auf das mit dem Code zugegriffen wird. © JONA WIECHOWSKI

Richtig rund läuft es noch nicht beim E-Rezept. Davon kann Kinder- und Jugendarzt Michael Achenbach ein Lied singen, der zu den ersten Ausstellern gehört.

Plettenberg - „Bis jetzt hat das E-Rezept wenig mit E zu tun. E steht für erhöhten Papierverbrauch“, sagt er. Hunderte E-Rezepte hat er bisher ausgestellt, für die die passenden Rezeptcodes alle ausgedruckt werden mussten – auf mehr Papier als ein normales Rezept. Eine wirkliche Vereinfachung der Arbeitsabläufe kann er noch nicht erkennen – unter bestimmten Voraussetzungen könnte sich das ändern.

Angelaufen ist das E-Rezept Anfang September. Achenbach war schon vorher dabei, gehörte zu den sogenannten Pre-Testern. Und so kommt es, dass er bei unserem Gespräch am Donnerstag bereits 842 E-Rezepte ausgestellt hat. Das große Problem aktuell: Kaum einer der gesetzlich Versicherten erfüllt die Grundvoraussetzungen für das E-Rezept. Patienten brauchen allen voran die passende Krankenkassenkarte – eine, die mit der drahtlosen Übertragungstechnik NFC ausgestattet ist. Die überträgt Informationen zwischen Geräten, bekannt ist das zum Beispiel durch das kontaktlose Bezahlen.

Noch kein Rezept über die App

Heißt im Umkehrschluss: „Alle Versichertenkarten müssen auf dem neuesten Stand sein oder gebracht werden.“ Problem: „Wir haben einen Chipmangel.“ Doch, selbst wer die korrekte Karte hat, steht vor der nächsten Hürde: Das Einloggen in die benötigte App ist recht kompliziert. Neben eben der elektronischen Gesundheitskarte, benötigt man eine PIN, die einem die Krankenkasse zugeschickt haben muss. Dafür wiederum müssen sich Versicherte identifizieren, was oft per Video in einer weiteren App geschieht.

In der Achenbach-Praxis sorgt das ganze Drumherum rund zwei Monate nach Start für folgende Bilanz: „Wir haben mehrere 100 E-Rezepte ausgestellt – aber noch keins über die App.“ Also wird der Rezeptcode (QR-Code) auf Papier gedruckt – auf ein Blatt, das bedeutend größer ist als der „rosa Zettel“. Der Rezeptcode ist dabei der Schlüssel zum eigentlichen E-Rezept, das irgendwo auf einem Server liegt.

Unterm Strich: „Es gibt viele Kleinigkeiten, wo es hakt, die wir erst im laufenden Betrieb bemerkt haben.“ Als Beispiel nennt er Rezepte für Dauermedikamente. Gängige Praxis: Der Patient merkt, sein Medikament ist leer, ruft in der Praxis an, wo die Mitarbeiter das Rezept vorbereiten und der Arzt es am nächsten Morgen unterschreibt. So hatte es die Achenbach-Praxis beim E-Rezept versucht – da gab es dann eine Beschwerde von der Apotheke. Grund: Ausstellung- und Unterschriftdatum waren nicht identisch. Laut Achenbach dürfe das eigentlich kein Problem sein und verweist an Notfallmediziner, die nachts um 23.59 Uhr ein Rezept ausstellen und es kurz später um 0.00 Uhr unterschreiben. „Das ist völlig normal – und jetzt auf einmal ist es ein Problem?“

Rezept ist nicht veränderbar

Ein anderer Haken: Das E-Rezept ist nicht veränderbar – bewusst nicht. Heißt aber auch: Mal eben ein Rezept abändern für einen etwas anderen Wirkstoff, so wie vorher, geht nicht mehr. Stattdessen muss das alte Rezept storniert und ein komplett neues erstellt werden. Das ist natürlich zeitaufwändiger.

Einfacher mache das E-Rezept den Praxis-Alltag derzeit noch nicht, hält Achenbach fest. Das könne sich ändern, wenn das Rezept irgendwann einfach auf dem Chip der Krankenkassenkarte gespeichert und auf das Drumherum mit der App verzichtet werden könnte.

Dennoch: Auch, wenn nicht alles rund läuft – Michael Achenbach bereue es durchaus nicht, dass er sich als einer der ersten zur Teilnahme gemeldet hat. Nur so könne das System besser werden und Kritik angebracht werden. „Von Woche zu Woche geht es glatter, sagt der Kinderarzt.

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