Plettenberger Apotheken haben bisher nur wenig Erfahrung mit neuem Medikament

Cannabis schwer zu kriegen: Patienten warten monatelang

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Plettenberg - Seit rund einem Jahr können schwerkranke Menschen leichter Cannabis als Medikament erhalten– das Betäubungsmittel gibt es auf Rezept in der Apotheke. Wie wird das Angebot angenommen? Wir haben uns in der Stadt umgehört. Klar ist: Es ist alles andere als leicht, an Cannabis zu kommen.

„Wir haben zwei bis drei Patienten, die regelmäßig kommen“, erklärt Angelika Braun, Pharmazeutisch-technische Assistentin in der Wieden Apotheke. „Es gibt aber massive Lieferschwierigkeiten“, ergänzt sie. Zwei bis drei Monate würden Patienten aktuell auf eine Lieferung warten. Das Problem: Erst ab 2019 darf Cannabis in Deutschland – wohlgemerkt unter strengen Sicherheitsauflagen und nur zu medizinischen Zwecken – legal angebaut werden. „Zurzeit kommt Cannabis aus Holland und Kanada“, erklärt Braun im Gespräch.

Auch unterliege Cannabis strengen Qualitätskontrollen und es gebe genaue Angaben, was die Sorten angeht. „Auf dem Rezept ist ganz genau beschrieben, welche Sorte Cannabis der Patient bekommt und wie hoch der THC-Gehalt ist“, erklärt Braun und holt ein „Cannabis-Buch“ aus einem Schrank, in dem alle wichtigen Informationen stehen. THC ist der berauschende Anteil im Cannabis. Das Medikament muss zudem aufwendiger als „normale“ Medikamente gelagert werden. „Wir müssen Cannabis wie alle Betäubungsmittel im Tresor aufbewahren“, sagt sie.

„Wir haben bisher keine Erfahrungen mit Cannabis machen können, da noch keine Nachfrage erfolgte“, erklärt uns Ralf Brensel, Inhaber der Engel Apotheke. Auch andere Apotheken erklärten, dass Cannabis relativ neu sei, die Erfahrungen fehlen würden. Sebastian Sokolowski, Sprecher der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL), schilderte die Gründe: Einerseits würde Cannabis nur bei wenigen Krankheiten zum Einsatz kommen. „Cannabis wird vor allem bei Spastiken eingesetzt“, erklärt er. Auch in der Palliativ-Medizin finde man das Betäubungsmittel häufiger. Andererseits würden nicht viele Ärzte Cannabis verschreiben. Es würden Statistiken fehlen, die die Wirkungen von Cannabis bei entsprechenden Krankheiten belegen. Tendenziell würde Cannabis den Patienten verschrieben, die schon vorher Erfahrungen mit „Gras“ gemacht hätten.

Dennoch: Es gebe keine Gebiete, in denen Cannabis besonders häufig verschrieben würde. „Es kommt natürlich darauf an, wo die Ärzte liegen, die das Medikament verschreiben“, sagt Sokolowski. „Grundsätzlich findet man mehr Cannabis-Patienten in der Nähe eines Hospizes“, sagt Sokolowski und verweist auf die todkranken Patienten. „Es ist richtig, dass Krankenkassen die Kosten übernehmen“, sagt er. Einen Überblick habe die Apothekerkammer nicht. „Die Zahlen sind nicht meldepflichtig“, erklärt Sokolowski. „Grob gesehen kommt zwei bis drei Mal im Jahr ein Cannabis-Patient in eine Apotheke“, erläutert er, sich auf Schätzungen berufend, Er meint damit Cannabis mit berauschendem THC. Denn: „Verschiedene Cremes mit Hanf als Inhaltsstoff ohne THC gab es schon vorher“.

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