1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

„Welt ändert sich“: Unternehmen im MK feiert 125-jähriges Bestehen

Erstellt:

Von: Nina Scholle

Kommentare

Die Firma Pühl feierte in der Produktionshalle ihr 125-jähriges Jubiläum.
Ihr 125-jähriges Bestehen feierte die Firma Pühl mit ihren Mitarbeitern. Lediglich das Hochregal im Hintergrund erinnerte daran, dass es sich nicht um einen Festsaal, sondern um die Produktionshalle handelte. © Nina Scholle

125 Jahre besteht bereits dieser mittelständische Familienbetrieb, doch ein Schwelgen in der Vergangenheit sei nicht angebracht: Bei der Firma Pühl habe man verstanden, dass die Welt sich ändert – und man sich mit verändern müsse. Dennoch wurde im Rahmen der Firmenfeier am Wochenende voller Stolz auf das besondere Jubiläum zurückgeblickt – mit einem großen Danke für die rund 200 geladenen Mitarbeiter und deren Angehörige.

Plettenberg - 1897 von Adolf Pühl gegründet und seit rund zwei Jahrzehnten von dessen Ur-Großneffen Dr. Götz Kaltheuner und Ralf Kaltheuner geführt, habe das Unternehmen in den vergangenen 125 Jahren viele Hindernisse überwinden müssen und sei dennoch zu einem „modernen mittelständischen Familienunternehmen“ gewachsen, wie Dr. Götz Kaltheuner erklärte. Die Spezialisierung auf die Herstellung von Standardunterlegscheiben nach DIN in den 50er Jahren, weg vom „Gemischtwarenladen“, wie der Vater der beiden heutigen Geschäftsführer die Firma scherzhaft bezeichnet hatte, weil hier allerlei Eisenwaren hergestellt wurden, hin zu einem etablierten Lieferanten für zahlreiche europäische Unternehmen mit der Sicherheit, „nicht nur von einigen wenigen Kunden abhängig zu sein“.

Auf der anderen Seite standen die Ölkrise in den 70er Jahren, der zunehmende Wettbewerb aus Asien und ganz aktuell die Coronapandemie sowie der Ukrainekrieg.

Von Kindesbeinen in den Produktionshallen

Der „Übergangsprozess des Generationenwechsels“ sei erst vor wenigen Jahren glücklich vollzogen worden. Dr. Götz Kaltheuner erzählte, wie er und sein Bruder Ralf schon von Kindesbeinen an mit dem Vater durch die Hallen gelaufen seien. Nun legen sie die strategische Ausrichtung des Familienunternehmens nicht mehr nur aus dem Hintergrund fest, sondern sind als Geschäftsführer in den Vordergrund getreten. Unterstützt wurden und werden sie dabei von Joachim Rohwedder, ebenfalls Teil der Geschäftsführung und Schwiegervater von Ralf Kaltheuner.

Pühl-Geschäftsführer blickten in die Vergangenheit und Zukunft.
Blickten in ihren Reden in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft: Ralf Kaltheuner, Bürgermeister Ulrich Schulte, Sparkassen-Chef Kai Hagen und Dr. Götz Kaltheuner (von links). © Nina Scholle

„Die Welt ändert sich und wir ändern uns mit dieser“, sagte Dr. Götz Kaltheuner. Für die Firma Pühl bedeute dies unter anderem: Die Digitalisierung sukzessive voranzutreiben und sich der ökologischen Verantwortung bewusst zu sein. So setze man bei Pühl nicht nur auf LED-Beleuchtung, sondern nutze Dank einer neuen Wärmerückgewinnungsanlage auch die Abwärme der Maschinen, um Wasser zu erhitzen oder die Hallen unterstützend zu heizen.

Eine wesentliche Aufgabe für die kommenden Jahre sehe Ralf Kaltheuner darin, „die Firma Pühl unabhängiger von den heute produzierten Standardprodukten zu machen und über den DIN- und Normbereich hinaus, im Bereich der Sonderteile stärker aufzustellen“. Das Kerngeschäft bleibe aber weiterhin der DIN- und Normbereich, versichert er, in dem man ebenfalls weiterwachsen wolle.

Zunächst wollte man aber den Mitarbeitern „Danke“ sagen. „Sie sind alle Teil der Firma Pühl“, sagte Dr. Kaltheuner in der zum festlichen Saal umgestalteten Produktionshalle an die Beschäftigten gerichtet. Damit die Feier hier stattfinden konnte, habe man im Vorfeld „unzählige Tonnen Stahl“ bewegen müssen.

Lediglich das Hochregal an der einen Seite mit den vielen Lagerbehältern erinnerte daran, dass hier für gewöhnlich produziert wird. Hinter raumhohen schwarzen Vorhängen waren die Maschinen verschwunden, der Boden war mit Teppich ausgelegt und die Beleuchtung dezent.

Als Moderatorin führte Jessica Matyschok durch den Abend. Ein DJ sorgte für die passende Dinnermusik, bevor eine Band zum Tanz aufspielte. Ein besonderes Highlight waren die „singenden Kellner“, die die Gäste unerwartet mit Operngesängen überraschten und begeisterten.

Das „wirtschaftliche Rückgrat“

Als Redner waren zudem Kai Hagen, Vorstand der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis, und Bürgermeister Ulrich Schulte gekommen. Letzterer erklärte, das 125-jährige Bestehen der Firma Pühl sei auch für Plettenberg bedeutend. Bis zum großen Brand von 1725 sei Plettenberg vorrangig eine Tuchmacherstadt gewesen; trotz guter Voraussetzungen spielte die Stahl- und Eisenindustrie nur eine untergeordnete Rolle. Dem Feuer aber hatten die hölzernen Webstühle und Stoffe wenig entgegenzusetzen; die Schmieden hingegen überstanden den Brand nahezu unbeschadet, weil sie sich vornehmlich aufgrund von Lärm und Geruch etwas außerhalb befanden. Sie legten anschließend den „Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt“, so Schulte und bilden bis heute das „wirtschaftliche Rückgrat“.

Entsprechend beeindruckend sei es, wenn man sich vor Augen hält, dass die Firma Pühl an fast der Hälfte der Zeit an dieser Entwicklung beteiligt gewesen sei. Das Stadtoberhaupt betonte zudem, ein „besseres Gefühl“ bei Firmen zu haben, die sich mit der Stadt verbunden fühlten als bei solchen, die von außerhalb gelenkt würden.

Nicht nur die Feier, sondern auch eine besondere Prämie dürfte den Abend für die Mitarbeiter der Firma Pühl besonders angenehm gestaltet haben: So gaben die Brüder Kaltheuner bekannt, die Löhne und Gehälter zum 1. September um drei Prozent erhöhen zu wollen. Zudem erhielten alle eine Jubiläumsprämie in Höhe von 500 Euro – Teilzeitbeschäftigte entsprechend anteilig, Auszubildende sollen 250 Euro erhalten.

Auch interessant

Kommentare