Paketdrohnen werden wohl noch ein bisschen brauchen

+
Noch ist eine solche Paketzustellung Zukunftsmusik, aber an solchen Lösungen wird gearbeitet.

Plettenberg - Die Internet-Riesen bauen immer größere Logistikzentren, arbeiten stets an neuen Möglichkeiten. Das Ziel: günstiger und schneller liefern. Besonders heikel: die berühmt-berüchtigte „Last Mile“ – „die letzte Meile“. Das ist die Distanz vom Ziel-Paketzentrum zum Kunden. Diese ist die kürzeste und zugleich teuerste Strecke der Lieferung. Immer wieder sind Drohnen und Co. im Gespräch. Aber wie wahrscheinlich ist das – in Plettenberg? Drei neue Ideen im Überblick.

Darum geht es: Immer mehr Personen bestellen online – Tendenz: stark steigend. „Die Entwicklung wird so weitergehen. Es gibt keine Region, wo das nicht so ist“, sagt Post-Pressesprecher Alexander Böhm kürzlich im Gespräch mit der Heimatzeitung. Gingen die Briefsendungen zurück, gebe es immer mehr Pakete.

 Elektroauto: Herkömmliche Lieferwagen fahren heute zumeist noch mit Diesel. Der Haken: Sie müssen alle paar Meter anhalten, weil sie ja die Pakete zuzustellen. Das bekommt Bremse, Kupplung und Co. auf Dauer nicht gut. Hinzu kommen Dieselfahrverbote in größeren Städten. Die Deutsche Post zum Beispiel hat jetzt einen ersten Schritt gemacht, nutzt für die Zustellung vermehrt seinen selbst entwickelten Elektro-Wagen – den Streetscooter. Auf Dauer gesehen sind die nämlich günstiger in der Unterhaltung – und fallen bei den Co2-Grenzen nicht auf. Im Einsatz ist dieser neue Wagen bereits in Plettenbergs Grenzgebiet Affeln. Als einen der ersten hat die Post den Zustellbezirk Neuenrade-Balve bereits komplett elektrisiert.

 Roboter: Ein kleiner Kasten auf sechs Rädern fährt herrenlos durch die Stadt. Ein solches Bild könnte es in der Zukunft häufiger geben. Jedenfalls wenn es nach Lieferdiensten wie Hermes geht. Das Unternehmen testete nach eigenen Angaben als erster Paketdienstleister die Zustellung per Lieferroboter 2016 und 2017 in Hamburg und London. Klar im Vordergrund bei diesen Tests: Das Sammeln von Erfahrungen. „Eine spannende Erkenntnis war beispielsweise, dass die Reaktionen der Bevölkerung auf die Roboter ausgesprochen positiv ausfielen“, erklärte Linda Behm, Junior Manager Corporate Communications bei Hermes, im Gespräch mit der Heimatzeitung. Auch wenn die Technologie zum Zeitpunkt der Tests nicht ausgereift genug für einen Regelbetrieb war, „beobachten wir ihre Entwicklung weiterhin interessiert und evaluieren mögliche zukünftige Anwendungsszenarien.“ Heißt: Bis solche Geräte in Plettenberg fahren, dauert es wohl noch ein bisschen.

 Drohnen: Das wär’s doch: Bequem kommt das neue Handy auf den Balkon geflogen. Nicht nur der Internetanbieter Amazon sorgt mit seinen Tests zur Drohnenzustellung immer wieder für Schlagzeilen. Das Ziel: Die Drohnen sollen kleine Pakete automatisch direkt nach Hause fliegen. Knapp zwei Milliarden Paketlieferungen gibt es jährlich allein in Deutschland. Unwahrscheinlich also, dass Drohnen den klassischen Lieferdienst – zumindest Stand heute – ersetzen. Ein weiteres Problem: Die momentanen Akku-Leistungen halten die Drohnen oft nicht lange genug in der Luft. Weiterhin muss beachtet werden: Es handelt sich um eine gewerbliche Nutzung, wie zum Beispiel bei einer Boening 747 von UPS, DHL, FedEx und Co.. 

Ein wichtiges Thema hierbei ist der Versicherungsschutz. Dieser müsse „ganz klar an das Aufgabengebiet angepasst sein“, erklärt Versicherer Olaf Jahn, Inhaber der Allianz Versicherung Jahn + Balshüsemann. Abgedeckt werden müssten hier das Transport-Risiko (wenn die Ware beim Transport zum Beispiel durch Regen, Hagel, einen Sturz, etc. beschädigt wird), das Haftpflicht-Risiko (wenn die Drohne zum Beispiel runterfällt, eine Person trifft oder irgendwo anstößt) und das Kasko-Risiko (wenn die Drohne selbst beschädigt oder zerstört wird). „Das Thema wird kommen“, erklärt Jahn gegenüber unserer Zeitung, ergänzt aber auch: „In der jetzigen Ausprägung halte ich es für recht problematisch.“ Denn: „Der Luftraum ist in Großstädten bereits oft überfüllt. Die Verkehrsinfrastruktur sowieso.“ Er meint: „In ländlichen Gebieten könnte das eher funktionieren.“ Die Drohne könne eine weitere Ergänzung – neben E-Bike, Roller oder E-Scooter – für die Lieferdienste sein, „als massentauglich sehe ich das derzeit nicht an.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare