Niedrige Inzidenz erlaubt mehr

Weitreichende Lockerungen - doch Veranstalter und Schützen sind noch vorsichtig

Uwe Meister Schützenverein Blau-Weiß Sundhelle beim Königsschuss
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Freudenschreie am Schießstand, so wie hier beim Königsschuss von Uwe Meister auf der Sundhelle im Jahr 2016, wird es in diesem Jahr in Plettenberg trotz der weitreichenden Lockerungen nicht geben.

Die Lockerungen, die NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am Mittwochabend für die neu geschaffene Inzidenzstufe 0 verkündet hat, sorgen bei Veranstaltern für Freude und Erleichterung.

Plettenberg - Doch angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante wollen sie weiter Vorsicht walten lassen.

Die Veranstalterin

„Wir freuen uns natürlich, dass es Lockerungen gibt“, sagt Sylvia Eick, Geschäftsführerin der Kultour GmbH. „Da die Delta-Variante auf dem Vormarsch ist, bin ich persönlich nicht sicher, ob das der richtige Weg ist.“ Was die Lockerungen für die Veranstaltungen in den nächsten Wochen bedeuten, werde noch mit dem Ordnungsamt besprochen. „Die Gesundheit der Menschen steht weiter im Vordergrund“, betont Eick und appelliert an die Eigenverantwortung der Bürger, Testmöglichkeiten unabhängig von einer Pflicht weiter zu nutzen.

Die Schützen

Jörg Klages, amtierender König des Schützenvereins Blau-Weiß Sundhelle, freut sich, dass die Lockerungen den Schießsport und Veranstaltungen erleichtern. „Doch das Schützenfest, das normalerweise vom 23. bis 25. Juli stattgefunden hätte, wird es nicht geben. Das ist so kurzfristig nicht möglich“, sagt Klages. „Wir werden ein vereinsinternes Vogelschießen machen.“

Die schon zuvor geplante Veranstaltung kann nun in etwas entspannterer Atmosphäre stattfinden. Trotzdem hält der Verein dafür an den „Drei G“– geimpft, genesen, getestet – als Vorsichtsmaßnahme fest. Trotz Lockerungen lässt sich auch das Schützenfest in Eiringhausen – eigentlich terminiert auf 20. bis 23. August – nicht mehr „aus dem Boden stampfen“, bedauert Kai Uwe Eppmann, Vorsitzender des Schützenvereins Eiringhausen, der sich ansonsten über die Lockerungen freut: „Es gestaltet das Vereinsleben einfacher.“

So könne man etwas entspannter ins vereinsinterne Coronaschießen in zwei Wochen gehen. Außerdem möchten die Eiringhauser am 4. September – in Absprache mit den anderen Schützenvereinen – ein Stadtkönigschießen ausrichten. In beiden Fällen gelten auch hier die „Drei G“. „Ein bisschen Vorsicht sollte man noch walten lassen“, so Eppmann.

Der Schausteller

Dass fast überall die Schützenfeste ausfallen, darunter leiden vor allem viele Schausteller, die dort in der Sommersaison oft ihre Haupteinnahmen generieren. Tony Feldmann aus Plettenberg stammt aus einer Schaustellerfamilie und trotz des Inzidenzwerts Null werde sich die Situation für ihn nicht wesentlich verbessern. „Pop-Up-Kirmesse wie jetzt in Halver sind sehr risikoreich und werden häufig nur in den ersten Tagen gut angenommen“, sagt Feldmann. Er hält sich mit Mandel- und Crêpe-Verkäufen bei Schützenfest-Ersatzveranstaltungen in Hachen oder Garbeck über Wasser, wartet nach eigener Aussage noch immer auf die Soforthilfen aus Januar und hofft auf das Weihnachtsmarkt-Geschäft, sofern die Pandemie dieses „hoffentlich“ zulassen wird.

Der Caterer

Von mehr Feiern und großen Veranstaltungen würde auch Daniel Ochtendung profitieren. Der Caterer und Festsaal-Vermieter freut sich zwar über die weiteren Lockerungen, sagt aber auch: „Es ist jetzt nicht so, dass alle sofort eine Party veranstalten.“ Das Geschäft laufe wieder an, aber viele seien verständlicherweise noch ängstlich und verhalten. Und das große Problem sei weiterhin: Die Planungssicherheit fehlt.

Die Kino-Fachfrau

Im Kino dagegen herrscht Hochstimmung. Seit einer Woche hat der Weidenhof nach der Corona-Pause wieder geöffnet. „Sehr viele Gäste waren schon da und alle sind super begeistert ins Kino gekommen“, berichtet Mitarbeiterin Melanie Jeismann. Jetzt fällt die Maskenpflicht für die Besucher weg, wobei die Kinoverantwortlichen darum bitten, den Schutz zumindest noch im Foyer zu tragen, „um einfach das Sicherheitsgefühl zu stärken“.

Der Security-Experte

Der Plettenberger Rolf G. Wilmink, Geschäftsführer von MK Wirtschaftsdienst, sieht die anstehenden Lockerungen zwiespältig: „Auf der einen Seite ist es schön, denn die Leute warten darauf, wieder raus zu können. Auf der anderen Seite ist es vielleicht zu früh zu lockern, wenn man die Warnungen zur Delta-Variante hört.“ Wenn man im Herbst wieder alles runterfahren muss, würden die Leute „diese Achterbahn gar nicht mehr verstehen“.

Beruflich seien für Wilmink natürlich viele Großveranstaltungen coronabedingt weggefallen. „Das konnte man nicht alles auffangen. Aber mit den bisherigen Vorgaben lohnen sich die Veranstaltungen auch nur bedingt.“

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