1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Plettenberg

Wegen A45: Probleme mit Lkw-Lieferungen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Dickopf

Kommentare

Seit Freitag hat die Firma Schürholz in Plettenberg bedingt durch die A 45-Sperrung Probleme mit der Materialanlieferung von Speditionen.
Seit Freitag hat die Firma Schürholz in Plettenberg bedingt durch die A 45-Sperrung Probleme mit der Materialanlieferung von Speditionen. © Dickopf, Georg

 Angelo Castrignano ist seit Ende des letzten Jahres Vorstandsmitglied beim Industrieverband Blechumformung in Hagen mit rund 240 Mitgliedsbetrieben. 

Plettenberg - Er wurde Anfang Dezember in den Vorstand des Verbandes gewählt, in dem auch zahlreiche heimische Unternehmen vertreten sind. Mit Georg Dickopf sprach der Geschäftsführer des Plettenberger Automobilzulieferers Schürholz über die Auswirkungen der A 45-Sperrung.

Herr Castrignano, Sie wurden in Deutschland geboren, haben aber italienische Wurzeln. Da drängt sich der Vergleich des A 45-Neubaus zur Brücke in Genua geradezu auf...

Stimmt. Die Brücke dort ist nicht so hoch wie im Sauerland, aber sie ist mit rund einem Kilometer Länge mehr als doppelt so lang wie die Rahmedebrücke mit 453 Metern und führt mitten durch die Stadt.

Waren Sie seinerzeit überrascht über die in nur zwei Jahren vollendete Morandi-Brücke?

Ja, ich war schon sehr überrascht, wie schnell das dort funktioniert hat. Es ist ein gutes Beispiel wie es funktionieren kann, denn es wurden alle Hebel und Mittel in Bewegung gesetzt. Auch während des harten Corona-Lockdowns wurde 24 Stunden Tag für Tag durchgearbeitet.

Und so etwas wünschen Sie sich auch hier?

Ja, genau. Es muss doch in einem Land wie Deutschland möglich sein, so eine Brücke in zwei oder zweieinhalb Jahren neu zu bauen, zumal es ein Ersatzneubau ist. Insbesondere die Pendler, die aus dem Norden in den Märkischen Kreis kommen, haben jetzt einen aufwändigen Weg vor sich, weshalb wir da verstärkt auf Homeoffice setzen. In der Produktion ist aber kein Homeoffice möglich und ich denke, dass die Unternehmen da einige Mitarbeiter verlieren werden. Und neue Mitarbeiter ins Sauerland zu locken, wird durch die Autobahnsperrung umso schwerer.

Wie klappt es derzeit mit der Materialzufuhr bei den Unternehmen?

Wir haben die ersten Hinweise von Speditionen, dass sich die Fahrtzeiten deutlich verlängert haben und dadurch die Anzahl der Fahrten pro Tag reduziert werden. Und ganz aktuell kommt es bei einigen Unternehmen zu ersten Produktionsausfällen aufgrund verspäteter Anlieferungen. Wir gehen davon aus, dass dies vermehrt in den nächsten Wochen auftreten wird, bis man entsprechende Lösungen eingeführt hat. All dies wird zu weiter steigenden Transportkosten führen.

Angelo Castrignano ist Geschäftsführer der Firma Schürholz und im Vorstand des Wirtschaftsverbandes Blechumformung.
Angelo Castrignano ist Geschäftsführer der Firma Schürholz und im Vorstand des Wirtschaftsverbandes Blechumformung. © Dickopf, Georg

Sind Sie selbst betroffen von der Sperrung?

Nur ganz bedingt, aber ich musste am Montag nach Dortmund und habe für den Hin- und Rückweg über Altena stolze drei Stunden und 45 Minuten benötigt. Glauben Sie, dass jemand noch freiwillig aus dem Sauerland nach Dortmund oder nach Lüdenscheid ins Sterncenter fährt? Auch deshalb muss die Brücke in zweieinhalb Jahren stehen, sonst ist es eine extreme Belastung für viele Menschen, Geschäfte und Unternehmen. Ganz zu schweigen vom immensen wirtschaftlichen Schaden.

Was sagt die Sperrung für Sie aus?

Das ist ein Beispiel, wie es um die Infrastruktur in Deutschland steht. Und die Fahrt über die Bundesstraße 236 schafft auch nicht gerade Frühlingsgefühle.

Ist die Sperrung aus Sicherheitsgründen nachvollziehbar?

Ja, sicherlich. Aber die Brücken auf der A 45 sind natürlich auch nicht für die Belastung und Lebensdauer ausgelegt. Die Mängel waren aber seit 2011 bekannt. Und dann wurde die Brücke 2017 schöngeredet und entschieden, dass sie erst im Jahr 2026 neu gebaut wird. Das ist der eigentliche Skandal. Und das wird sicher nicht die letzte Brückensperrung auf der A 45 sein.

Fühlen Sie sich unterstützt in Berlin?

Nein. Man hat das Gefühl, dass es der Politik nicht bewusst ist, was das hier für eine starke Wirtschaftsregion ist. Und ich kann auch kein wirkliches Interesse an unserer Region feststellen. Die Infrastruktur ist gerade in NRW sehr marode und das lässt uns nicht gut aussehen im europaweiten Vergleich.

Wer macht es denn besser als die Deutschen?

Mittlerweile machen es immer mehr Länder besser als wir hier in Deutschland. Wir haben ein Werk in China und können dadurch ganz gut beurteilen, wie dort Infrastrukturprojekte vorangetrieben und umgesetzt werden. Als Beispiel möchte ich hier den größten Flughafen der Welt in Peking nennen, der innerhalb von vier Jahren gebaut wurde. Dies geschieht auch unter Berücksichtigung der Umweltkriterien, die dort ebenfalls eine hohe Priorität haben. Ich spreche sicherlich nicht davon, dass wir alle Entwicklungen und Umstände dort als Maßstab oder Referenz betrachten sollten, aber in vielen Bereichen laufen uns andere Nationen den Rang ab – und das zu Lasten unserer Wettbewerbsfähigkeit.

Auch interessant

Kommentare